Verkehrswende konkret

Fahrradspur am Freiburger Schlossbergring wird eingerichtet

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

Do, 22. Oktober 2020 um 13:19 Uhr

Freiburg

Ein Erfolg für den Fuß- und Radentscheid: Radler und Fußgänger bekommen auf dem Schlossbergring mehr Platz. Weitere Beiträge zur Verkehrswende muss die Stadt im Spätherbst präsentieren.

Am Wochenende hat die Initiative Fuß- und Radentscheid rund 42.000 Unterschriften für ihre Bürgerbegehren an Baudezernent Martin Haag übergeben. In wenigen Wochen nun muss die Verwaltung zeigen, welche Maßnahmen sie zugunsten des Fuß- und Radverkehrs in den Haushalt einstellt. Eine davon steht fest: Radler werden künftig auf dem Schlossbergring mehr und Autofahrer weniger Platz bekommen.
Der Baubürgermeister hatte die Unterschriften in Vertretung des Oberbürgermeisters entgegengenommen, der bis einschließlich Dienstag in Quarantäne weilte.

Anregungen für die Stadtverwaltung

Das Bürgerbegehren für einen fuß- und fahrradfreundlichen Innenstadtring haben laut Fabian Kern von der Initiative Fuß- und Radentscheid rund 20 400 Bürger unterzeichnet, das Begehren nach allgemeinen Verbesserungen für Fuß- und Radverkehr bekam rund 21 000 Unterschriften. "Im Prinzip" sagt Kern, "warten wir jetzt, was die Stadt an Anregungen aus den Bürgerbegehren übernimmt und was am 18. November und im Dezember passiert." Da tut sich nämlich einiges: Im November tagt der Mobilitätsausschuss, dann muss das Rathaus und dort vor allem das Garten- und Tiefbauamt erstmals die mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs vorlegen, deren Erarbeitung der Gemeinderat im Juli eingefordert hatte.

Enger Fahrplan für einen Bürgerentscheid

Die sollten dann in Euro beziffert auch im Entwurf des Doppelhaushalts zu finden sein, der am 7. Dezember eingebracht wird. Nur einen Tag später könnte der Gemeinderat über die Zulässigkeit des Fuß- und Radentscheids beraten, den zumindest das Rathaus bekanntlich bezweifelt. Eine feststehende Tagesordnung für diese Sitzung gibt es allerdings noch nicht. Dann wiederum könnten die Radentscheid-Aktivisten Beschwerde einlegen. Ein enger Fahrplan, zumal der Wunschtermin der Initiative für einen Bürgerentscheid der 14. März und damit der Tag der Landtagswahl war.

Aber jetzt sei man erstmal gespannt, was die Stadt einbringe, sagt Fabian Kern. Der Katalog sei bereits umfangreich, erfährt man von Frank Uekermann, Chef des Garten- und Tiefbauamtes, an den Details werde aber noch gearbeitet – und bekannt geben werde man das Programm erst im Zusammenhang mit der Sitzung des Mobilitätsausschusses. Aber die eingeforderten Elemente seien drin, wie beispielsweise der Umbau des Schlossbergrings. Wie schon im Sommer angedeutet, soll dort mehr Platz für Radler und Fußgänger geschaffen werden.

Nur noch zwei Fahrspuren – aber überbreite

Plan ist, die vierspurige Straße durch zwei überbreite Fahrspuren zu ersetzen, die weniger breit wären als die alte Konstruktion. Pkw sollen dort noch jeweils zweispurig nebeneinander fahren können, Lkw aber nicht mehr. Ob Maßnahmen wie diese den Forderungen des Radentscheids entsprechen oder nicht, wird man oft erst anhand der Details sehen. "Ein Kompromiss", sagt Fabian Kern, "dabei werden die von uns geforderten Rad- und Fußwegbreiten nicht erreicht." Tiefbauamtschef Uekermann hingegen will das noch nicht ausschließen und verweist auf noch nicht abgeschlossene Planungen.

Das Prinzip der überbreiten Fahrspuren, die weniger Platz benötigen als die bisherige Verkehrsführung, existiert bereits am Friedrichring. An dessen Rand wurde diese Woche ein Radstreifen mit für Freiburg noch ungewöhnlicher Breite freigegeben. Wie 2017 schon auf der Gegenfahrbahn realisiert, wurde der Streifen hier von 1,85 Meter auf 2,65 Meter verbreitert. Aus Sicht der Stadtverwaltung ein Zeichen dafür, dass das Rathaus und die Fuß- und Radverkehrsaktivisten am selben Strang ziehen. "Fläche, die bisher dem Autoverkehr gewidmet war, wird zugunsten des Radverkehrs neu verteilt. Diese Umwandlung ist ein weiterer Schritt in Richtung Verkehrswende", verkündet OB Martin Horn anlässlich der Fertigstellung des Radwegs.