Trotz vieler Fälle

Baden-Württemberg lockert Maskenpflicht in Schulen ab Montag

dpa, afp

Von dpa & afp

Sa, 16. Oktober 2021 um 14:51 Uhr

Südwest

Nicht alle sind überzeugt, dass das eine gute Idee ist: An den Schulen im Südwesten soll die Maskenpflicht gelockert werden – trotz zahlreicher Corona-Fälle in der Altersgruppe.

Trotz zahlreicher Corona-Fälle bei Kindern und Jugendlichen hält Baden-Württemberg an den Lockerungen der Maskenpflicht in Schulen ab Montag fest. Noch am Wochenende will das Kultusministerium eine geänderte Corona-Verordnung notverkünden.

"Selbstverständlich verbieten wir das Tragen der Maske nicht." Kultusministerin Theresa Schopper
Die Pläne sind schon bekannt: Schülerinnen und Schüler müssen am Platz keine Maske mehr tragen. "Auf den sogenannten Begegnungsflächen gilt die Maskenpflicht aber weiterhin - sie bleibt dort als Sicherheitszaun erhalten", erläuterte das Ministerium. Auch Lehrer und Lehrerinnen können die Maske ablegen, wenn sie 1,5 Meter Abstand einhalten. "Selbstverständlich verbieten wir das Tragen der Maske nicht. Wer will, kann also im Klassenzimmer weiterhin freiwillig eine Maske tragen", so Ministerin Theresa Schopper (Grüne).


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Das Robert Koch-Institut hatte am Freitag berichtet, in den vergangenen vier Wochen seien bundesweit 636 Ausbrüche in Schulen übermittelt worden - wegen möglicher Nachmeldungen sind demnach aber insbesondere die vergangenen beiden Wochen noch nicht zu bewerten.

Schon seit einiger Zeit werden zahlreiche Corona-Infektionen insbesondere bei Kindern ab dem Schulalter und bei Jugendlichen festgestellt. In der Altersgruppe der 5-bis-14-Jährigen gibt es derzeit die höchsten Inzidenzen, die in vielen Landkreisen in den letzten Wochen bei Werten von teils weit über 300 lagen.

Impfung ab 12 Jahren uneingeschränkt empfohlen

An Kitas und Schulen wird jedoch in der Regel auch zwei Mal in der Woche auf das Virus getestet. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte bereits im August Corona-Impfungen für alle Menschen im Alter ab zwölf Jahren empfohlen. Die Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer sowie Moderna sind regulär für sämtliche Menschen ab zwölf Jahren zugelassen. Kinder und Jugendliche erkranken zwar deutlich seltener schwer an Covid-19 als ältere Menschen, es gibt aber noch offene Fragen rund um Langzeitfolgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren zu einer Corona-Impfung. Er empfehle die Impfung "allgemein und uneingeschränkt", nachdem Daten von über zehn Millionen Kindern und Jugendlichen erhoben worden seien, sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Jörg Dötsch, den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag. Lehrerverbandspräsident Heinz-Peter Meidinger nannte die aktuelle Corona-Entwicklung an Schulen "sehr besorgniserregend".

Impfstoff für 5-bis-11-Jährige schon bald möglich

Dötsch sagte, er werbe für die Impfung der über Zwölfjährigen "so dringlich wie bei Erwachsenen". Die Risiko-Nutzen-Abwägung falle eindeutig zugunsten der Impfung aus. Er riet mit Blick auf die Pandemie-Bekämpfung an Schulen zu einem "Zwischenweg": "Wir wollen weiterhin keine Durchseuchung der Kinder - aber wir wollen auch unbedingt vermeiden, dass die Jüngsten nochmal unter den Folgen der Schulschließungen und der Isolationsmaßnahmen leiden müssen", sagte Dötsch. Die Infektionszahlen seien "nicht mehr das Entscheidende, auch nicht dann, wenn sie regional sehr hoch sind".

Der Mainzer Impfstoff-Hersteller Biontech beantragte am Freitag zusammen mit dem US-Partnerunternehmen Pfizer in der EU die Zulassung seines Corona-Impfstoffs auch für Fünf- bis Elfjährige. Die beiden Unternehmen teilten mit, dass sie dafür Daten aus einer klinischen Studie bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eingereicht hätten.

Schüler-Impfquote steigt

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zeigte sich besorgt über die hohen Corona-Inzidenzen bei Kindern und die Langzeitfolgen. Parallel zu Lockerungen von Auflagen würden die Zahlen weiter steigen, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das ist eine Gefahr, denn wir werden große Probleme mit Long Covid bei Kindern bekommen." Ein Hauptgrund für Infizierungen sei mangelndes Lüften in Schulen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der "Passauer Neuen Presse": "Auch wenn die allgemeinen Infektionszahlen derzeit noch stagnieren, nehmen gerade an Schulen die Infektionsausbrüche aktuell in einem Ausmaß zu, wie wir es bislang im Pandemieverlauf nicht kannten, vor allem nicht zu einem so frühen Zeitpunkt vor dem Winter." Ein Licht am Ende des Tunnels sei, dass die Impfquote bei 12- bis 17- Jährigen schnell ansteige.

Stand Freitag waren in Baden-Württemberg nach Angaben des Ministeriums 20 Klassen oder Gruppen von landesweit ungefähr 67.500 Klassen wegen Corona-Fällen aus dem Präsenzbetrieb genommen worden. In weiteren Fällen seien nur einzelne Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Lehrkräfte infiziert oder in Quarantäne/Isolation. 0,07 Prozent aller Lehrkräfte in Baden-Württemberg und 0,13 Prozent der Schülerschaft seien derzeit positiv auf Coronavirus getestet.