Mehr Wasser aus der Rheinebene

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Fr, 31. Juli 2020

Freiburg

Im Dreisamtal ist es zu trocken – Badenova erhöht Förderung in Hausen / Streit ums Wasser auf dem Hauptfriedhof.

. Die Temperaturen steigen, der Dreisampegel sinkt, die Bächle sind trocken, und auf dem Hauptfriedhof streitet man sich ums Wasser: Die Hundstage haben Freiburg erreicht. Auf gerade mal 11 Zentimeter steht der Dreisampegel in Ebnet, der Wasserversorger Badenova fördert zehn Prozent weniger als eigentlich nötig und ergänzt den Fehlbedarf aus dem Dreisamtal mit Wasser aus dem Wasserwerk Hausen an der Möhlin.

"Die Situation ist für uns Profis teils unerträglich", sagt Martina Pleuger, deren Gärtnerei rund 1000 Gräber auf Freiburgs Friedhöfen betreut. Rund 12 000 Liter Wasser brauchen Friedhofsgärtner Gerd Fichter und seine Pleuger-Kollegen dafür pro Tag. Mit vier Fahrzeugen sind sie vormittags auf dem Hauptfriedhof unterwegs und kümmern sich um Blumen und Beete auf Gräbern. Fichter ist manchmal schon um 6 Uhr da. Bei der Hitze diese Woche müsste man idealerweise immer ganz früh morgens und nochmals abends gießen und zwischendrin eine lange Siesta machen, sagt er. Aber das sei nicht machbar für Mitarbeiter, die teils außerhalb wohnen.

Gerade steht er am sogenannten "Wassergalgen", einer Wasserzapfstelle am Betriebshof. Hier tankt er 1000 Liter. In drei Minuten und 40 Sekunden ist das Fass voll. "Das ging jetzt recht rasch", sagt er und fährt mit seinem Wagen zur nächsten Gräberrunde, die maximal eine Stunde dauert. Doch nicht immer geht das so zügig. Weil mehrere Firmen, die von den Grabnutzern mit der Pflege beauftragt sind, die Zapfanlage des städtischen Eigenbetriebs Friedhöfe anfahren, kommt es dort immer wieder zu Warteschlangen.

Martina Pleuger lobt zwar ausdrücklich den modernen "Galgen", aber es brauche unbedingt noch eine Alternative. Denn aus den Brunnen, die man früher nutzen konnte, kommen nur noch Rinnsale, der Wasserdruck sei zu niedrig. Ein Hydrant, beispielsweise jener hinter der Trauerhalle, könnte als zweite Entnahmestelle aus ihrer Sicht Abhilfe schaffen.

Friedhofschef Martin Leser bestätigt, dass man von der Leistungskapazität her an die Grenzen komme. Er sieht jedoch aktuell keine Handlungsoption. Man habe erst in die großen Wasserzapfstellen auf mehreren Friedhöfen investiert. Daran dürften sich alle bedienen. Man müsse zu Stoß- und Hitzezeiten eben auch mal mit weniger Wasser auskommen oder sich gedulden. "Wir stellen uns da auch in die Reihe", sagt Leser. Der Hauptfriedhof bezieht zwei Drittel seines Wassers aus dem Netz, ein Drittel kommt in der Regel über den Gewerbekanal mit Teich. Doch der ist jetzt trocken.

Der Pegel der Dreisam lag am Donnerstag laut Regierungspräsidium, das die Messstelle in Ebnet betreibt, bei elf Zentimetern. Wegen des zuletzt schon sinkenden Pegels wird bereits kein Wasser mehr in die Bächle abgezweigt. Seit vergangener Woche schwappe das Wasser an der Einlassstelle in der Innenstadt nicht mehr über, erklärt Rathaussprecher Toni Klein. Das sei fast jedes Jahr Ende Juli der Fall. Wie lange die Bächle trocken bleiben, könne man nicht sagen.

Aktuell bewege man sich schon auf Negativ-Rekord-Niveau bei Niederschlägen und Pegelständen, sagt Roland Weis vom regionalen Energie- und Wasserversorger Badenova. Bis Ende Juni habe man in Ebnet etwa 370 Millimeter gemessen. Das entspricht einem Rückgang um zehn Prozent gegenüber dem Trockenjahr 2018. Schuld daran seien die Monate März und April, die lediglich fünf bis 15 Millimeter Wasser brachten; normal sind in der Zeit 80 bis 100 Millimeter.

Der Grundwasserstand in Ebnet liegt seit Anfang Juni so niedrig wie im Jahr 2018. Laut Weis komme dort derzeit weniger Wasser nach als gewünscht, weshalb die Förderung um zehn Prozent zurückgefahren wurde. Die fehlende Wassermenge wird vom zweiten Badenova-Wasserwerk in Hausen an der Möhlin nach Freiburg gepumpt. Offene Hangquellenversorgungen wie in Kappel oder Günterstal liefern derzeit 20 bis 50 Prozent weniger Wasser als im Durchschnitt. Dank der Reserven aus Hausen sei das aber kein Problem. In Wassernot geraten Freiburgs Stadtteile erstmal nicht.