Verfallenes Schmuckstück

Bahnhof Posthalde im Höllental steht zum Verkauf

Michael Dörfler

Von Michael Dörfler

Fr, 20. November 2020 um 18:10 Uhr

Breitnau

Trotz Renovierungsbedarfs viel Charme: Die "Posthalde" im Höllental sucht einen neuen Besitzer. Für 200.000 Euro kann man sich ein Stück Bahngeschichte kaufen – Straßenlärm inklusive.

Liebhaber sind ganz verrückt danach: Alte, nicht genutzte Bahnhöfe gelten bei Handwerkern und Bastlern ebenso als heißbegehrte Immobilie wie auch bei Menschen, die gerne etwas ab vom Schuss, dafür in möglichst noch intakter Natur leben möchten. Im Höllental steht jetzt ein solches Objekt zum Verkauf: der Bahnhof "Posthalde".

Ende der 1970er Jahre hat an der "Posthalde", dem mittleren der drei stillgelegten und auf der Gemarkung Breitnau gelegenen Bahnhöfe, letztmals offiziell ein Zug angehalten. "Das war einst quasi der Hauptbahnhof für Breitnau", erklärt Bürgermeister Josef Haberstroh. Von dort ist der Weg hinauf in die Ortschaft am kürzesten. Die beiden anderen Stopps, die Bahnhöfe "Hirschsprung" und "Höllsteig", die westlich beziehungsweise östlich der Posthalde liegen, wurden von der Bahn längst ebenfalls in die Bedeutungslosigkeit für zugfahrende Reisende entlassen. Die Station "Höllsteig" steht schon seit geraumer Zeit zum Verkauf, während am "Hirschsprung" einige Nachmieter wohnen und an ein paar Gebäuden seit langer Zeit Renovierungsarbeiten laufen.

Als "seltenes Schmuckstück" wird das Anwesen angepriesen

Jetzt also die "Posthalde". Auf zwei Etagen finden sich dort rund 300 Quadratmeter Wohnfläche, das Grundstück selbst ist fast 7000 Quadratmeter groß. Als "seltenes Schmuckstück" wird das Anwesen auf einem Maklerportal beschrieben, für das Käufer laut Expertise 200 000 Euro aufbringen müssten. Nicht verhehlt wird, dass das 1887 fertig gestellte Gebäude stark renovierungsbedürftig ist. Ganz leise ist es dort ebenfalls nicht. Während unmittelbar hinter dem Haus die Höllentalbahn im Takt verkehrt, donnern im wahrsten Sinne des Wortes unterhalb des Bahnhofs Autos und vor allem Lastkraftwagen en masse durchs enge Tal. Gleichwohl liegt Haberstroh ein Prädikat auf der Zunge: "Das ist die Toskana Deutschlands".

Charme hat der alte Bahnhof allemal. Ist die Umgebung erstmal ordentlich gerodet und das Gemäuer ebenso saniert, ist eine Idylle nicht zu leugnen. Zumal man dort auch Nachbarn hat. Zwar macht ein unmittelbar danebenliegendes, ebenso zum Verkauf stehendes Holz-Ensemble einen stark bemitleidenswerten Eindruck, nur ein paar Meter weiter herrscht in einem großen landwirtschaftlichen Anwesen aber reichlich Leben. Und dann ist auch das Hofgut "Sternen" mit seinen touristischen Einrichtungen nur ein paar Steinwürfe entfernt. "Da vereinsamt man nicht", sagt Haberstroh.

Letzte Bewohner mussten den Bahnhof altersbedingt verlassen

Die letzten Bewohner des Bahnhofs "Posthalde", eine einst vom Kaiserstuhl ins Höllental gekommene Familie, musste das Haus altersbedingt verlassen. Der Aufwand war in jeder Hinsicht zu groß geworden. Inwieweit es bereits Interessenten für die Immobilie gibt, wollte das mit dem Verkauf beauftragte Maklerbüro nicht kundtun. Auf einschlägigen Internetseiten, auf denen sich in erster Linie Bahn-Freaks tummeln, wird der angestrebte Verkauf der "Posthalde" aber bereits thematisiert.

Unvermittelt ist jüngst die "Posthalde" auch im Breitnauer Rathaus wieder zum Thema geworden. Der Bahnhof ist Bürgermeister Haberstroh zufolge nämlich geografisch gesehen der "ideale Begegnungspunkt" für die auf der eingleisigen Strecke berg- und talwärts fahrenden Züge. Jetzt begegnen sich die zwischen Freiburg und Neustadt beziehungsweise Bärental verkehrenden Schienenfahrzeuge im Bahnhof Himmelreich. Haberstroh zufolge ist das "suboptimal", immer wieder gebe es dadurch "zeitliche Verschiebungen".

Ein Toilettenhäuschen für Autofahrer?

Ein zweites Gleis bei der Posthalde, für das räumlich Platz ist, könnte laut Haberstroh zur Fahrplanoptimierung beitragen. Seine Idee hat er dann auch postwendend Verkehrsminister Winfried Hermann in Stuttgart mitgeteilt. Der sei "ziemlich interessiert und angetan" gewesen, schildert der Bürgermeister das Gespräch. Die Umsetzung dürfte aber auf sich warten lassen. Der Einfall kommt schlicht etwas zu spät. Die aufwändige Elektrifizierung der Strecke wurde vor rund einem Jahr abgeschlossen – und damit auch die Chance vertan, quasi in einem Rutsch an der "Posthalde" zu diesem zweiten Gleis zu kommen.

Im Bereich des ehemaligen Bahnhofs kann sich der Breitnauer Rathauschef aber auch noch etwas Anderes vorstellen: ein Toilettenhäuschen für Autofahrer. Der zunehmende Lkw-Verkehr habe nämlich zu ganz besonderen, höchst menschlichen Hinterlassenschaften vieler Fahrzeuglenker geführt. "Die nehmen ihre Ruhezeit auf den Parkplätzen im Höllental und erleichtern sich dann", haben die Bewohner und Haberstroh zur Kenntnis nehmen müssen, der dann auch sagt: "So ist das nicht mehr weiter hinnehmbar". Immerhin wird ja auch mit guter Luft und reiner Natur für einen neuen Bewohner des Bahnhofs "Posthalde" geworben.

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