Bald wieder in die Biergärten

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

So, 09. Mai 2021

Südwest

Neuer Plan der Landesregierung für Lockerungen der Corona-MaSSnahmen – Impfquoten in Südbaden teils sehr hoch.

Er könne sich vorstellen, dass an Pfingsten in Städten und Kreisen mit niedrigen Corona-Infektionszahlen die Biergärten wieder öffnen dürften, so hat es Ministerpräsident Winfried Kretschmann diese Woche gesagt. In Südbaden könnte es in vier Kreisen so kommen. Nicht zuletzt, weil sich hier besonders viele Leute impfen lassen.

Wo sind schon wie viele Menschen geimpft? Diese Frage taucht in der Corona-Pandemie immer wieder auf. Es gibt ein Ranking der Nationen, es gibt eines der Bundesländer. Am vergangenen Dienstag nun verschickte das Stuttgarter Sozialministerium erstmals ein Ranking der Land- und Stadtkreise in Baden-Württemberg.

Erfasst sind in der Statistik die Impfungen in den Impfzentren bis zum vergangenen Sonntag. Nicht erfasst sind die Impfungen durch Hausärzte. Zugeordnet wurden die Geimpften nach dem Ort, in dem sie wohnen, nicht nach dem Ort, wo sie sich haben impfen lassen. So zeige sich, wo die Impfbereitschaft der Menschen groß und wo sie weniger groß ist, sagt das Sozialministerium.

Die gute Nachricht für Südbaden: Bei den Erstimpfungen liegen drei hiesige Kreise auf den ersten Rängen. Spitze ist der Landkreis Emmendingen, dort haben stolze 30,7 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfdosis bekommen. Es folgen der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und der Stadtkreis Freiburg. Der Ortenaukreis liegt auf dem siebten Platz. Die schlechte Nachricht: Die Landkreise Waldshut und Lörrach rangieren im unteren Drittel der Statistik.

Über die Gründe wird nun diskutiert. Im Kreis Emmendingen meinte Landrat Hanno Hurth, die gute Quote dort hänge wohl mit der günstigen Lage des Landkreises nahe den beiden Zentralen Impfzentren (ZIZ) in Freiburg und Offenburg zusammen. Aber er lobte auch die "Leistungsfähigkeit" seines eigenen Kreisimpfzentrums (KIZ) in Kenzingen, dort werde seit einigen Wochen im Dreischichtbetrieb von 8 bis 22 Uhr geimpft. Aber auch im Lörracher KIZ wird seit dieser Woche länger geimpft, von 8 bis 20 Uhr.

Woraus resultiert dann der Unterschied der Impfquoten, wie er sich auch im ganzen Land zeigt? "Unsere Experten gehen davon aus, dass dies mit der Sozialstruktur der Landkreise zusammenhängt", sagte Christoph Erdmenger, der Koordinator der Impfzentren im Land, der Badischen Zeitung. Gemeint ist: Wo mehr ärmere Menschen und solche mit Migrationshintergrund wohnen, gehen weniger zum Impfen. Für den Kreis Lörrach aber kann das nicht die Erklärung sein. "Ich kann derzeit nicht feststellen, dass wir größere Bevölkerungsteile haben, die impfunwillig sind," sagte denn auch Landrätin Marion Dammann der BZ.

Trotz der relativ schlechten Impfquote schließt sich der Landkreis Lörrach in diesen Tagen einem anderen Trend in den südbadischen Landkreisen mit einer hohen Impfquote an: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Stadtkreis Freiburg sowie in den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald schon länger unter 100.

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald steht sogar richtig gut da: Als einziger Kreis in Baden-Württemberg hat er mittlerweile über fünf Tage hinweg die Inzidenz von 5o unterschritten. Am Freitag traten dort deshalb weitere Lockerungen in Kraft: Der Einzelhandel darf wieder ohne Terminvergabe Kunden empfangen, kontaktarmer Sport im Freien ist mit bis zehn Beteiligten möglich, bei privaten Treffen sind bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubt.

Diese Lockerungen folgten dem derzeit gültigen Stufenplan des Landes, der Öffnungsschritte bei stabilen Inzidenzen unter 50 und nochmal unter 35 vorsieht. Dieses Schema will das Land demnächst aufgeben. Am Donnerstag veröffentlichte das Sozialministerium den Entwurf für ein neues Konzept. Es sieht nur noch eine Grenze bei der Inzidenz von 100 vor. Und vor allem sieht es schnellere Öffnungsschritte vor als bisher galten.

Liegt die Inzidenz an fünf Tagen hintereinander unter 100, dürfen in einer ersten Stufe der Einzelhandel, die Außengastronomie und die Außenbereiche von Zoos und Botanischen Gärten ebenso öffnen wie Autokinos, Archive, Bibliotheken, Bäder und Badeseen, Galerien, Museen und Gedenkstätten sowie Hotels. Kulturveranstaltungen im Freien sind dann genauso möglich wie kontaktarmer Sport mit maximal zehn Beteiligten.

Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz dann weitere zwei Wochen lang unter 100 bleibt und – das ist in dem Papier ausdrücklich vermerkt – eine fallende Tendenz hat, kommt die zweite Öffnungsstufe. Dann dürfen Kinos, Theater und Konzerthäuser bei begrenzter Besucherzahl ebenso öffnen wie Messen. Generell sind Veranstaltungen mit begrenzter Besucherzahl erlaubt, auch Gottesdienste. Restaurants und Gastronomie dürfen wieder Gäste empfangen.

Nach vier Wochen wieder Großveranstaltungen

Fällt die Inzidenz in den wiederum nächsten zwei Wochen in der Tendenz weiter, sind alle Veranstaltungen mit höherer Besucherzahl wie zum Beispiel Theater- und Konzertaufführungen, Messen und Großveranstaltungen möglich. Freizeitparks und Hallenbäder öffnen wieder.

Kommende Woche will die Landesregierung das Konzept in eine Verordnung gießen. Der neue Stufenplan könnte dann in den Pfingstferien schon gelten. So dass sich die Vorhersage des Ministerpräsidenten mit den Biergärten in weiten Teilen Südbadens erfüllen würde.