Neue Regeln

Einzahlungen ab 10.000 Euro ab Montag nur noch mit Nachweisen

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 06. August 2021 um 20:27 Uhr

Wirtschaft

Neue staatliche Anti-Geldwäsche-Regeln machen den Umgang mit Bargeld schwieriger. Wer mehr als 10.000 Euro einzahlen will, muss von Montag an aussagekräftige Belege vorlegen.

Von Montag, 9. August, an erwartet die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) von Bankkunden bei Bareinzahlungen von mehr als 10.000 Euro, dass ein Herkunftsnachweis vorgelegt wird. Die Banken in Südbaden müssen die neuen Vorschriften ebenfalls umsetzen, erwarten aber nicht, dass es zu größeren Reibereien mit der Kundschaft kommt. Derart große Bareinzahlung aus privater Hand seien selten.

Wer mehr als 10.000 Euro in bar auf einen Schlag auf ein Bankkonto einzahlen will, muss in Zukunft darlegen, woher die Summe stammt. Das folgt aus den Auslegungs- und Anwendungshinweisen zum Geldwäschegesetz für Kreditinstitute. "Ein geeigneter Beleg kann zum Beispiel ein aktueller Kontoauszug zu einem Kundenkonto bei einer anderen Bank, aus dem die Barauszahlung hervorgeht, sein", sagt Martin Lorenz, Sprecher der Volksbank Freiburg.

Auch Barauszahlungsquittungen einer anderen Bank, ein Sparbuch, aus dem die Barauszahlung hervorgeht, Verkaufs- und Rechnungsbelege, etwa zu einem Auto- oder Goldverkauf, Quittungen zu vorab getätigten Sortengeschäfte, also Geschäften mit ausländischem Bargeld, werden akzeptiert. Auch testamentarische, vom Nachlassgericht eröffnete Verfügungen sowie Schenkungsverträge oder Schenkungsanzeigen werden anerkannt.

"Insbesondere im Rahmen von Bartransaktionen innerhalb einer bestehenden Geschäftsbeziehung obliegt es der Beurteilung von uns als Kreditinstitut, welche weiteren Belege als Herkunftsnachweise akzeptiert werden", so Lorenz weiter. Dabei könnten auch die Art der Geschäftsbeziehung sowie besondere Umstände des Einzelfalls (beispielsweise Nachweise über Todesfall, Hochzeit, Geburtstag) berücksichtigt werden.

"Privatkunden sind grundsätzlich betroffen", erläutert Manfred Mayer, Pressesprecher der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau. Bei gewerblichen Kunden, bei denen Bareinzahlungen dieser Größe zum Geschäftsmodell gehören, etwa bei Einzelhändlern, könne nach den Vorgaben der Bafin auf einen Herkunftsnachweis verzichtet werden. "Das werden wir auch so handhaben", sagt Mayer. Und: "Wir haben ja auch Bareinzahlungsautomaten", so Mayer. Da werde man in Zukunft gegebenenfalls einen Herkunftsnachweis im Nachhinein anfordern.

Ohne Herkunftsnachweis bleiben die Kunden auf dem Bargeld sitzen – oder es droht Schlimmeres. "Im Falle von Gelegenheitskunden oder Geschäften von Bestandskunden außerhalb von Konten müssen die Geschäfte ohne einen Beleg zur Herkunft gemäß den Vorgaben der Bafin abgelehnt werden", sagt Lutz Pankrath von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. "Je nach Lage der Dinge müssen wir auch die Behörden informieren", sagt Volksbank-Sprecher Lorenz.

In der Praxis seien solch große Bareinzahlungen von privater Seite aber selten, teilen alle befragten Banken mit. "Da Bartransaktionen in unserem Tagesgeschäft selten vorkommen, gehen wir von sehr wenigen Reaktionen aus", sagt Birgit Stehle von der PSD-Bank Rhein-Neckar-Saar. Im Vorfeld hatte es aber auch Widerstand aus der Branche gegen. Der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken hatte die neue Regel kritisiert: Bargeld werde stigmatisiert. Fraglich sei auch, ob auf diese Weise Geldwäsche effektiv bekämpft werde.