Pilotprojekt zu Partydrogen

Basel richtet nach Zürich und Bern eine Drogen-Check-Stelle ein

Michael Baas

Von Michael Baas

Di, 16. Juli 2019 um 14:00 Uhr

Basel

Das Angebot soll gesundheitlichen Risiken durch den Konsum psychoaktiver Substanzen vermindern, die – so vermutet die Stadt – vor allem bei Basels jungen Partygängern beliebt sind.

Partydrogen rücken zunehmend ins Blickfeld von Politik und Suchthilfe – zumal Konsumenten von Ecstasy & Co. nach Beobachtungen in Berlin teils sehr jung sind. Die Hauptstadt will denn auch als erste hierzulande eine Drogen-Check-Stelle einrichten. Vorbilder dafür gibt’s in der Schweiz – etwa in Basel. Das richtet als dritte Stadt nach Zürich und Bern einen stationären Drogencheck ein. Dort werden Proben im Verbund mit einer Beratung anonym analysiert. Das Pilotprojekt startet nächsten Montag, teilte das Basler Gesundheitsdepartement mit.

Nach Zürich und Bern will auch der Kanton Basel-Stadt eine stationäre Vorabanalyse der Drogen (Drug Checking) anbieten. Das zunächst auf drei Jahre befristete Pilotprojekt "DIBS Drogeninfo Basel-Stadt" wende sich vor allem an einen vermuteten breiten Kreis junger Erwachsenen, die psychoaktive Substanzen vorzugsweise im Party- und Freizeitbereich konsumieren, heißt es in der Mitteilung. Dieses stationäre Angebot schaffe im Unterschied zum mobilen Drug Checking "Safer Dance Basel" eine fixe Anlaufstelle mit festen Öffnungszeiten. Die Federführung hat die Abteilung Sucht des Basler Gesundheitsdepartement. Die Umsetzung erfolge durch das Institut für Rechtsmedizin und das Beratungszentrum der Stiftung Suchthilfe Region Basel (SRB).

Das Angebot solle gesundheitlichen Risiken durch den Konsum psychoaktiver Substanzen vermindern und das Nachdenken der Konsumierenden fördern. "Wir unterstützen damit nicht den Konsum illegaler Drogen", erläutert Eveline Bohnenblust, Leiterin Abteilung Sucht, in einer Mitteilung des Kantons weiter. Idee sei es vielmehr, gefährliche Inhaltsstoffe zu identifizieren und über Risiken zu informieren.

Wie die Erfahrungen anderer Städte zeigten, erhalte das Gros der Konsumierenden durch ein stationäres Angebot erstmals eine professionelle Suchtberatung. Damit leiste das Projekt Schadenminderung und Gesundheitsschutz im Suchtbereich, ist Bohnenblust überzeugt.

Ansatz wird hierzulande sehr kontrovers gesehen

Während das diverse europäische Hauptstädte auch so oder so ähnlich sehen, hat das Vorhaben des rot-rot-grünen Berliner Senates dort schon eine intensive Kontroverse ausgelöst. Vor allem die Oppositionsparteien FDP und CDU sind empört. Der Berliner CDU-Fraktionschef Burkard Dregger etwa warnte vor einer "Gefahr der Verharmlosung" gesundheitsschädlicher Drogen, die "als sauber und harmlos verniedlicht werden". In Wirklichkeit handele es sich aber um gefährliche Drogen, die junge Menschen die Lebensperspektive raubten.

Ein Sprecher der FDP sprach laut Berliner Morgenpost gar von einem "Förderprogramm für kriminelle Clans und deren Dealer."

In Basel sehen Politik und Behörden das pragmatischer. Indes werden auch da nur synthetische Substanzen analysiert und nur solche, die Personen einreichen, die älter sind als 18 Jahre. Nach den Zürcher oder Berner Erfahrungen geht’s da vor allem um Kokain, Amphetamine, LSD, MDMA-Pillen (Methylendioxy-N-methylamphetamin) und -Kristalle. Pro Person kann eine Probe abgegeben werden; pro Öffnungstag nimmt das Drug Checking aber maximal zehn Proben an und warnt bei gefährlichen Beimischungen, zu hohem Wirkstoffanteil oder unbekannten Substanzen.

Die Analysen macht das Institut für Rechtsmedizin des Gesundheitsdepartementes, die obligatorische Informations- und Beratungsgespräche übernimmt die SRB. Indes sei das Angebot auf Einwohner und Einwohnerinnen des Stadt-Kantons beschränkt, erläutert Projektleiterin Natasa Milenkovic auf Anfrage.