Neue Mobilität

Basel will seine Busflotte komplett auf E-Antrieb umstellen

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Do, 05. Dezember 2019 um 06:04 Uhr

Basel

Bis zum Jahr 2027 soll die Umstellung mit den 120 Fahrzeugen abgeschlossen sein. Die ersten Busse aus der neuen Flotte sollen 2022 eingesetzt werden.

Mehr als elf Jahre ist es her, dass in Basel der letzte Oberleitungsbus fuhr. Dieser Tager summte wieder solch ein Omnibus durch die Stadt. Rot und sehr lang zog er die Blicke vieler Passanten auf sich. Die Basler Verkehrs-Betriebe hatten sich das moderne Fahrzeug für Testfahrten bei Bernmobil ausgeliehen. Obwohl der Bus mit Stromabnehmern ausgestattet ist, blieben die Stangen unten, allein von der Batterie gespeist für der E-Bus. Ebenso leise und sanft, wie einst er die Obusse.

Für BVB-Direktor Bruno Stehrenberg war der gelungene Test guter Anlass, das neue Buskonzept für die Stadt vorzustellen. Derzeit verfügen die BVB über 116 Busse, mit denen sie auf den 14 Linien unterwegs ist. Mit dem Bussystem 2027 soll nun der Verkehr der Zukunft vorbereitet werden. Erste Etappe ist der Neubau des Bushofes an der Rankstraße. Die jetzt genutzten Gebäude sind bis zu 70 Jahre alt und entsprechen sowohl baulich als auch mit ihren Einrichtungen nicht mehr den Anforderungen, erst recht nicht, wenn man die Anforderungen des Nahverkehrs der Zukunft betrachtet.

Brennstoffzellen sind weniger für den Stadtverkehr geeignet

Basel hat sich entschieden, bis 2027 den gesamten Busverkehr auf Antriebe mit erneuerbaren Energien umzustellen. Nach Untersuchungen sehen die Fachleute aus Fahrzeugtechnik und Infrastruktur den Elektroantrieb als beste Lösung. Die jetzt wieder verstärkt ins Gespräch kommende Brennstoffzelle mit Wasserstoff als Kraftstoff ist wohl viel besser für Langläufer als für den von vielen Halten unterbrochenen Stadtverkehr geeignet.

Entsprechend dieser Entwicklung sind nun die technischen Anlagen neu einzurichten, die aufwändige Anlagen für die Wartung der Dieselmotoren werden dann nicht mehr benötigt, neue Werkstattausrüstung ist erforderlich. Vor allem aber sind in der neuen Abstellhalle insgesamt 35 Ladestationen vorgesehen, von denen jede gleichzeitig vier Busse aufladen kann. Die heutige Tankstelle würde selbstverständlich abgerissen. Gleichzeitig muss die Neubeschaffung der Elektrobusse vorbereitet werden. Ohnehin sind regelmäßig Fahrzeuge zu ersetzen, kontinuierliche Beschaffung läuft also weiter.

Noch fehlen Varianten

Bereits ab 2021 soll die erste große Zahl Elektrobusse beschafft werden, die spätestens ein Jahr später in den Verkehr gelangen. Immer mehr sollen es sein, bis 2027 die gesamte Flotte mit dann 120 Bussen umgestellt ist. "Wegen der Stadtentwicklung wird sich unser Liniennetz vergrößern, dafür benötigen wir dann einige Fahrzeuge mehr als heute", sagte Stehrenberger. "Dabei werden wir Fahrzeuge aller Größen kaufen, um die auf den Linien sehr unterschiedlichen Fahrgastzahlen gut befördern zu können."

Noch aber ist das Angebot der Industrie bei den Elektrofahrzeugen nicht so variantenreich wie es die kommunalen Verkehrsunternehmen benötigen. Allerdings hat sich das Entwicklungstempo in den vergangenen zwei, drei Jahren spürbar erhöht.

IWB und Baselland Transport ziehen mit

Der in dieser Woche getestete Elektrobus wäre sehr gut geeignet für die Linie 50 zum Euro-Airport oder auch für die Linie 30 zwischen den beiden großen Basler Bahnhöfen. Je nach Ausstattung bietet dieser Bus Platz für bis zu 250 Fahrgäste. In Bern verkehren zehn dieser Fahrzeuge aus der Schweizer Traditionsfirma Hess als Oberleitungsbusse, deshalb sind sie mit einer relativ kleinen Batterie ausgerüstet. Für den Betrieb ohne Oberleitung wird ein Akku mit deutlich größerer Kapazität eingebaut. Die verbrauchte Leistung liegt bei mittlerer Belastung mit maximal 60 Kilometer pro Stunde bei 1,8 Kilowattstunde je Streckenkilometer. Angestrebt wird eine Akku-Kapazität, die für eine gesamte Schicht ausreicht.

Dennoch planen die BVB weitere Ladestellen im gesamten Liniennetz, um bei längeren Umläufen oder auch bei fehlender Anfahrzeit zum Bushof an der Strecke nachladen zu können. Für dieses Ladenetz erklärten nun die Industriellen Werke Basel als städtischer Energieversorger ihre Partnerschaft. Die IWB bringen die notwendige Sachkunde mit. Inzwischen erklärte Baselland Transport, das Verkehrsunternehmen im Nachbarkanton, seine Bereitschaft, das eigene Ladenetz kompatibel mit dem städtischen Netz auszurüsten. Damit bleiben auch für E-Busse der Fahrzeugtausch und das Laden auf dem anderen Territorium möglich.