Vereint im Verein

Bei den "Breisgau Beasts" wird in vielen Varianten Hockey gespielt

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 29. März 2017 um 00:00 Uhr

Freiburg

Sie sind auf der Jagd nach dem kleinen Ball. Bei den "Breisgau Beasts" in der Halle der Albert-Schweizer-Schulen in Landwasser wird in vielen Varianten Hockey gespielt – auch im Rollstuhl.

Einige von ihnen waren dabei, als 1996 in Emmendingen-Wasser alles anfing, mit einer AG an der Esther-Weber-Schule für Kinder und Jugendliche mit Handicaps. Andere stießen irgendwann dazu. Nach zehn Jahren lösten sich die Rollstuhlhockeyfans 2006 von der Schule und wurden eine Abteilung des Vereins "Breisgau Beasts". Ihr Ziel: Menschen, die den Rollstuhl brauchen, und andere, die ihn nur ausprobieren, sollen zusammen Rollstuhlhockey spielen. Bisher sind die dauerhaften Rollstuhlfahrer aber noch unter sich.
Kleine Bälle rollen durch die Halle der Albert-Schweizer-Schulen in Landwasser. Es klickt jedes Mal, wenn einer von ihnen auf dem Boden aufprallt. Elektrorollstühle surren vor sich hin. An diesem Samstagmittag sind die Spieler nur zu fünft, insgesamt sind sie doppelt so viele. Umso mehr Platz haben sie, als sie sich gegenseitig hin- und herjagen, immer den kleinen Bällen hinterher.

Hier macht jeder das, was er kann, und das ist bei den fünf Spielern unterschiedlich: Adrian Gründler (35), Ludwig Ighil (33) und Markus Schütz (33) können ihre Hände einsetzen, sie halten Schläger in der Hand und schieben die Bälle vorwärts. Bei Nico Beck (23) und Steffen Bauer (19) geht das nicht, die beiden lenken ihre Rollstühle mit Joysticks und stellen sich ihren Gegnern auf dem Weg zum Tor so oft wie möglich entgegen. Nico Beck konzentriert sich deshalb schon lange auf die Abwehr: "Wir kämpfen den Weg frei, damit unsere Teamkollegen die Tore schießen können", sagt er.

Nicht nur, was die Erkrankungen angeht, ist ihnen wichtig, was Adrian Gründler betont: "Alle sind bei uns willkommen." Die Schwere der Behinderung spiele keine Rolle. Die Offenheit gilt ebenso für Menschen ohne Behinderung, über die sie sich im Sinne der Inklusion sehr freuen würden, sowie für alle Altersstufen. Und für beide Geschlechter, zurzeit gehört zumindest eine Spielerin zum Team.

Warum ist ihr Sport so männerlastig? "Vielleicht sind Frauen weniger risikofreudig", vermutet Adrian Gründler. Wer einen Elektrorollstuhl habe, sei dort zwar angegurtet, bei den Aktivrollstühlen, in denen man sich freier bewegen kann, komme es aber schon mal vor, dass jemand herausfalle während des Spiels. Ernsthafte Verletzungen gab’s bisher nie.

Adrian Gründler kam zufällig zum Rollstuhlhockey, er erfuhr davon von einem Bekannten an der Berufsschule. Er hatte damals keinen Bezug zum Hockey, erzählt er: "Aber es hat gleich Spaß gemacht und tut gut." Besonders gefällt ihm, dass alle mitmachen können, egal, welche Einschränkungen sie haben. Die können auch bei derselben Krankheit sehr unterschiedlich sein, zum Beispiel wie bei ihm und Nico Beck, die beide an Muskeldystrophie mit fortlaufendem Muskelschwund erkrankt sind. Bei Adrian Gründler ist es eine mildere Variante, die erst entdeckt wurde, als er 16 Jahre alt war.
Breisgau Beasts

Gegründet: 2000.
Mitglieder: rund 170.
Angebot: Inlineskaterhockey (mehrere Abteilungen für Frauen und Männer und verschiedene Altersstufen), Rollerderby, Einradhockey, Rollstuhlhockey.
Mitgliedsbeitrag: 65 Euro/Jahr.
Kontakt: im Internet über die Adressen http://www.rollstuhlhockey.freiburg.de.to und http://www.breisgaubeasts.de

Nico Beck ist von klein an damit aufgewachsen und viel weniger beweglich. Als er zehn Jahre alt und Schüler der Esther-Weber-Schule war, wünschte er sich, Sport machen zu können. Damals erfuhr er von der AG, blieb dabei und wechselte in die Vereinsabteilung, als es soweit war. Er liebt das Mannschaftsgefühl: "Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen." Das Team nimmt an Turnieren teil, das größte, vom Verein selbst organisierte findet immer Mitte Oktober statt. Ihr Ziel ist die Teilnahme an offiziellen Ligaspielen, doch dafür müssten sie mehr sein, bedauert Adrian Gründler. Dazu kommt, dass sie Sport-Rollstühle bräuchten, die sie finanzieren müssten, ebenso wie die Reisekosten, die wegen des Transports der Rollstühle hoch wären.

Erstmal freuen sie sich, dass wenigstens bald die neue Sporthalle am Gewerbeschulzentrum an der Bissierstraße fertig sein wird: Sie werde "komplett rollstuhlgerecht", sagt Adrian Gründler. Die Bedingungen in der Halle der Albert-Schweizer-Schulen sind mühsam, weil sie die Bande für die Spielfeldbegrenzung und die Rollstühle für Gäste zum Ausprobieren nirgends lagern können. Die anderen Vereinsabteilungen trainieren in anderen Hallen. Ziel wäre eine gemeinsame Halle für alle, sagt Adrian Gründler.