Lahr

Beim ersten Drehtag fürs Online-Festival "We live" haben Bands im leeren Schlachthof gespielt

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Fr, 22. Mai 2020 um 06:40 Uhr

Lahr

Leben in den Schlachthof gebracht hat der erste Drehtag für die von der Rockwerkstatt und dem Lahrer Punchline Studio initiierte Reihe. Den Anfang machten die Bands Umleitung und Qult. Ein Besuch.

Wären da nicht die ordnungsgemäß auf allen Gesichtern sitzenden Mund-Nasen-Masken, man könnte beim Blick in den leeren Saal denken, man sei mal wieder zu früh dran vor einem Konzert. Denn Corona hin oder her: Aus Sicht der Beobachterin ist eigentlich fast alles wie sonst auch. Noch kein Publikum im Raum, dafür aber die guten Geister der Rockwerkstatt, die geschäftig mit Kabeln, Boxen und allerlei anderen Gerätschaften durch den künstlichen Nebel wandeln, Slalom laufen zwischen Techniktischen, um eine riesige Kirschbaumleiter herum, rauf auf die Bühne, im sportlichen Sprung wieder runter. Dazu passend knappe Kommunikation.
Finanzierung

Die Online-Festival-Reihe "We live" ist eine aufwendige Produktion. Neben einer Finanzspritze von der Sparkassenstiftung hofft Pirmin Styrnol vom Lahrer Punchline Studio auf weitere Sponsoren. Außerdem hat er eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Weitere Informationen gibt es in einem Video unter http://mehr.bz/welive

Nach einer Weile ist der Sound gecheckt, alle Instrumente mit der Anlage verbunden, Trommler Silas Benz lässt locker die Sticks hüpfen, Mirko Büchele beugt sich so konzentriert über seine Keyboard-Tasten wie ein Physikstudent über die Klausur, Basser Mathieu Schmitt schiebt lässig die Sonnenbrille ins Haar, Frontmann Dominik Büchele spielt flott ein paar erste Takte auf seiner Gitarre und bittet die Technik: "Könntest du mir einen Wohlfühl-Hall auf die Stimm mache?"

Es wird mit fünf Kameras gefilmt

Auch im Backstage-Bereich scheint zu gelten Business as usual: Der Kühlschrank voll mit Getränken, die Kaffeemaschine im Dauerbetrieb, ein kleiner Rührkuchen und eine Schale mit Süßigkeiten verführen zum Naschen. Und Küchenfee Heike versichert auf Nachfrage: "Doch, doch, ich hab’ gekocht – es gibt Kartoffelsuppe, wer will, bedient sich einfach."

Was anders ist: Dass zum üblichen Technik-Instrumentarium noch fünf Filmkameras dazukommen. Bedient werden sie unter anderem von Maik und Pirmin Styrnol, die mit dem Equipment ihres Punchline-Studios dafür sorgen, dass die Aufnahmen in den Kasten kommen und in zwei, drei Wochen dann die ausgehungerten Fans guter Livemusik glücklich machen werden. Denn was an diesem Nachmittag unter dem Motto "We live" aufgenommen wird, kann später unter anderem über die Facebook-Seite der Badischen Zeitung und bei Youtube angeschaut werden. Der Aufwand ist gigantisch, aber alle sind von ihrer Mission überzeugt.

Die Masken machen ganz schön zu schaffen

Was sich anfühlt wie eine ganz normale Konzert-Vorbereitung, wird von den Beteiligten dann aber doch als seltsam empfunden. "Unter diesen Masken kann man kaum atmen, man schwitzt viel mehr als sonst", stöhnt einer der Kameramänner. "Dauernd beschlagen einem die Brillengläser, wenn man sich bückt wird einem nach einer Weile richtig schwindlig", klagt ein Techniker und geht schnell raus in die Sonne, ein bisschen frische Luft schnappen.

"Es ist irgendwie steril."
Derweil sitzt Dominik Büchele kurz vor dem Geister-Gig am Tresen in der Küche und wirkt bedrückt. "Es fehlt halt das Aufgeregte, dass man da hinten schon das Publikum hört. Es ist irgendwie steril", sagt der Musiker. Das kommt später aber gar nicht so rüber im Rampenlicht: Locker knacken die Beats aus dem Drumset, schön harmonisch fließen die Töne aus Gitarre, Bass und Keyboard. Und der Gesang von Büchele flutscht wie frisch geölt bis in höchste Stimmlagen − einfach zum Wohlfühlen in diesen anstrengenden Zeiten. Am Abend ist dann die Freiburger Gruppe Qult dran. Die vier Musiker spielen Rock mit deutschen Rap-Texten.

Neben diesen beiden Bands werden beim Online-Festival außerdem No Authority, Von Welt, Oil und Pervez Mody zu sehen und hören sein. Wann die ersten Videos veröffentlicht werden, steht noch nicht fest. Für das erste Konzert ist das kommende Wochenende angepeilt.