Vereint im Verein

Beim Pferdesportverein Eichenbrunnen kommen Kinder in Kontakt mit Pferden

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 10. Oktober 2018 um 00:00 Uhr

Freiburg

Wie können sich Mensch und Tier verständigen? Die Sprache der Pferde zu verstehen ist nicht leicht. Beim Pferdesportverein Eichenbrunnen lernen Kinder und Jugendliche den Umgang mit Pferden.

Schritt, Trab, Galopp: Wenn alle acht Pferde vom Pferdesportverein Eichenbrunnen draußen auf dem Sandplatz unterwegs sind, ist einiges los. An den meisten Nachmittagen gibt’s hier Unterricht für Gruppen auf unterschiedlichen Niveaus, vormittags kommen Kinder und Jugendliche von der Schule für Erziehungshilfe Oberrimsingen, der Albert-Schweitzer-Schule III in Landwasser oder der Schenkendorfschule in Haslach. Auch kleine Kinder aus Kitas in Tiengen und Munzingen sind öfters da.

Obwohl die drei Ponys kleiner sind als die anderen fünf Pferde: Für jüngere Reiterinnen wie Sina und Pia (beide 7) ist auch der Rücken der weißen, 13 Jahre alten Ponystute Chica noch ziemlich hoch oben. Deshalb klettert Sina einfach auf die kleine Treppe am Rand des Reitplatzes und dann von dort aus weiter auf die gesattelte Chica. Pia führt Chica mit Sina am Zügel, immer am Sandplatz entlang.

Sina und Pia kennen Chica schon eine Weile und mögen sie gern. Auch Joel, der ebenfalls ein weißes Pony ist, finden sie okay – aber der ist ihnen schon mal auf den Fuß getreten. Bei einem Pony sei das nicht schlimm, sagen beide: "Ein Pony ist ja leicht," erklärt Pia. Wenn Joel am Zügel gezogen werde, komme es vor, dass er seinen Reiterinnen und Reitern auch mal auf die Füße trete, sagt die Reitlehrerin Rebekka Fischer: "Das macht jedes Pferd." Deshalb trainiert sie mit allen, damit es nicht so weit kommt. Menschen und Pferde sollen sich über Körpersprache und Zeichen austauschen.

Auch die Peitsche, die sie in der Hand hält, wenn ein Pferd beim Reiten über den Platz geht, zählt sie zu diesen Zeichen: Im Normalfall berühre sie die Pferde damit nicht, betont sie – doch wenn sie die Peitsche senkt, wissen die Tiere, dass sie langsamer werden und zum Beispiel vom Schritt in den Trab wechseln sollen. Und wenn die Hand mit der Peitsche nach oben geht, wird es schneller: Dann geht’s vom Trab in den Galopp.

Leoni (10) will nicht einfach nur so auf Joel reiten – sie läuft nebenher, während er im Trab geht und schwingt sich mittendrin auf seinen Rücken – das klappt gut. Sie kommt seit ein oder zwei Jahren hierher zum Reiten, davor war sie auf einem anderen Hof. Sarah (9) war in den Ferien mal auf einem Ponyhof, dort hat sie erst mit Stallputzen angefangen, dann kamen Reiten und Voltigieren dazu. Leoni und Sarah lieben Pferde aus vielen Gründen: "Auch deshalb, weil sie gern schmusen", sagt Sarah. Joel kennen sie ziemlich gut: "Wenn er etwas nicht mag, dann scharrt er mit dem Vorderfuß", sagt Leoni.
Pferdesportverein Eichenbrunnen

Gegründet:
1997.
Mitglieder: rund 82.
Angebot: Unterricht (Gruppen oder einzeln), Reitbeteiligung, Feriencamps.

Mitgliedsbeitrag: für Jugendliche 47 Euro/Jahr, mit fünf Arbeitsstunden/Jahr 22 Euro; für Erwachsene 94 Euro, mit Arbeitsstunden 70 Euro; Unterricht: 65 Euro/Monat; Reitbeteiligung: 120 Euro/Monat.
Kontakt: Tel. 01511/7003234, pferdesportverein-eichenbrunnen.de.

Die jüngeren Reiterinnen brauchen noch einige Zeit, bis sie irgendwann mal den Reitplatz verlassen und allein ausreiten können. Von den Älteren auf den größeren Pferden tun das einige – am ausgiebigsten geht das für alle, die eine Reitbeteiligung haben. Dann "gehört" ihnen eines der Pferde jeden Sonn- und Feiertag, weil an diesen Tagen keine Reitstunden sind. Mit dazu gehört immer auch das Versorgen der Pferde, unter anderem das Putzen und Absatteln, erzählt Rebekka Fischer. Die Älteren machen das allein, bei Anfängerinnen wie Sina, Pia, Leoni und Sarah teilt sie alle in Zweiergruppen ein, damit sie sich gegenseitig unterstützen. Die meisten in den Nachmittagsgruppen sind Mädchen, aber es gibt auch ein paar Jungs, so wie Peter (18), der seit zwölf Jahren dabei ist . Die Reiterinnen stören ihn nicht: "Ich komme nur wegen einem einzigen Mädchen, und das ist Alina", sagt er – sein Pferd.

Als Rebekka Fischer 1991 ihren Reiterhof begann, hatte sie nebenher noch einen anderen 70-Prozent-Job. Weil von ihren Schülerinnen und Schülern einige auch Leistungsabzeichen machen wollten, gründete sie mit anderen zusammen den Verein – das war die Voraussetzung für das Abnehmen von Leistungsabzeichen. Inzwischen konzentriert sie sich auf die Pferde und kommt damit knapp und mit viel Arbeit über die Runden – viermal Füttern und tägliches Misten gehören auch an Feiertagen dazu, Urlaub ist fast nie drin. Durch die Ausweitung auf Kita-Kinder und Schüler kommen inzwischen auch Kinder und Jugendliche mit Pferden in Kontakt, die sonst nicht die Chance dafür hätten. Der Verein, in dem sich derzeit im Vorstand sechs Eltern von Reiterinnen engagieren, kümmert sich um die nötigen Fördergelder. Zurzeit läuft ein Antrag auf ein Projekt mit Kutschfahrten und Nachhaltigkeitsaktionen wie die Begleitung der Heuernte.