Wirtschaft

Betriebe haben in Freiburg keinen Platz mehr zum Wachsen

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 25. September 2019 um 17:45 Uhr

Freiburg

Bei einem Treffen zwischen Verwaltung und Unternehmen wird deutlich, dass Freiburg so gut wie keine Gewerbeflächen mehr hat – aber dringend mehr davon benötigt.

Die Stadt braucht dringend mehr Gewerbeflächen. Darin sind sich Unternehmen, Stadtverwaltung und kommunale Wirtschaftsförderung einig. 48 Firmen wollen aktuell konkret erweitern, umziehen oder sich neu ansiedeln. Doch in städtischem Besitz befinden sich gerade mal zwei Hektar im Gewerbegebiet Haid-Süd – die seien bereits "mehrfach überzeichnet", sagt Wirtschaftsförderer Thomas Stoffel. Unter dem Druck des Wohnungsmarkts hätten gewerbliche Flächen erheblich gelitten.

Erste Diskussionen um einen neuen Flächennutzungsplan 2040 (FNP) haben begonnen. Nach Angaben von Baubürgermeister Martin Haag lässt die Stadtverwaltung derzeit ein Gewerbeentwicklungskonzept erstellen. Das Fachgutachten analysiere bestehende Flächen und gehe der Frage nach, wie die Arbeit der Zukunft aussehe. Erst daraus, so Haag, lasse sich ableiten, wie viel Hektar benötigt werden. Früher wurde einfach der durchschnittliche Bedarf früherer Jahre mit der Prognose zunehmender Arbeitsplätze hochgerechnet. 60 Hektar waren es im gültigen FNP – das entspricht umgerechnet etwa 84 Fußballfeldern.

Doch die Reserven sind nahezu aufgebraucht und der Bedarf höher. Wie sehr der Mangel die Unternehmen umtreibt, machte ein Fachgespräch in der vergangenen Woche deutlich, zu dem die Stadtverwaltung als Einstieg in die FNP-Diskussion in die Lokhalle auf dem Güterbahngelände geladen hatte. "Es gibt praktisch keine Entwicklungsflächen mehr", heißt es in einer Mitteilung der Interessengemeinschaft Industriegebiet Nord. Auch Baubürgermeister Martin Haag sieht "Defizite".

Zwei Gründe macht Thomas Stoffel von der städtischen Gesellschaft "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe" dafür verantwortlich. Zum einen wachse die Wirtschaft schneller als erwartet, und zwar von innen heraus. "Büroleerstand gibt es so gut wie keinen in der Stadt." Zum anderen seien gewerbliche Flächen zugunsten von Wohnraum verloren gegangen. Als Beispiele nennt er den früheren Hüttinger-Standort in Mooswald oder von Coats Mez an der Kartäuserstraße in der Oberau.

In den vergangenen 25 Jahren seien knapp 15 Hektar an Gewerbeflächen entwickelt worden, während Wohnraum auf 200 Hektar entstand. Ein weiteres Beispiel ist das Güterbahngelände im Norden der Stadt, das anfangs als reines Gewerbegebiet geplant und dann zum Mischgebiet umgewandelt wurde, was sowohl im Interesse der Stadtverwaltung aufgrund der Wohnungsnot war als auch im Interesse der Eigentümerin Aurelis Real Estate aufgrund der Wertsteigerung des Bodens. Der damalige städtische Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann hatte dagegen – erfolglos – protestiert. Denn er wusste um den Bedarf der Unternehmen. Allein um die elf Parzellen auf vier Hektar hatten sich bei der FWTM als Vermarkterin 27 Handwerksbetriebe beworben.

"In der Bevölkerung ist inzwischen angekommen, dass die Innenentwicklung nicht genügt, um ausreichend Wohnraum zu schaffen", sagt Baubürgermeister Haag mit Blick auf den geplanten Stadtteil Dietenbach. Doch eine Stadt lebe auch von ihren Betrieben, die Arbeitsplätze bieten und eine Perspektive brauchen. Er weiß: "Es wird sehr schwierig, die Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen."

Das Fachgespräch zu flächensparendem Gewerbebau zeigte weitere Lösungsansätze auf. Ulrike Wolf vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) in Berlin nannte das "Stapeln" von Gewerbeflächen. Weil im Kampf um Flächen das Gewerbe immer in der schwächeren Position sei, müssten "Räume und Funktionen" verdichtet werden, sagte die Münchner Stadtplanerin Christiane Müller. Ein Beispiel: Gewerbe zurück in die Stadt holen und mit Einrichtungen der Infrastruktur verbinden, wie etwa Kitas. Christian Schulz, Vorstand der IG Nord, regte an, stärker in die Höhe zu bauen.