Bezahlbar dank innovativem Holzbau

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 17. März 2021

Staufen

In Staufen entsteht in einem Modellprojekt erschwinglicher und nachhaltiger Wohnraum / Erste Wohnungen dieses Jahr fertig.

(BZ/hpm). Eine der drängendsten Fragen der Zeit ist neben der Energiewende nach wie vor der Bau bezahlbarer Wohnungen. Eine Antwort auf beide Fragen gelingt in Staufen. Dort errichtet die StaufenWohnen GmbH & Co. KG eine Anlage mit 54 Wohneinheiten in ökokogischer Bauweise. Das Projekt wurde bereits HIP-prämiert: HIP steht für das baden-württembergische Holz Innovativ Programm, das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt wird.

Wie ein Puzzleteil passt das energiebewusste Projekt in die Staufener Klimapolitik. Die Stadt will 2050 klimaneutral sein, auf ihrer Agenda steht etwa der Ausbau der Solarenergie und einer zukunftsfähigen Mobilität. Die vier dreigeschossigen Baukörper, die jetzt im Gebiet Gaisgraben-Süd entstehen, sind als KFW-Effizienzhaus 40 Plus in serieller Holzbauweise konzipiert. Die Reduktion von CO2 begann mit der Planung: Die am Bau beteiligten Unternehmen und der Großteil der Baumaterialien stammen aus der Region, die Transportwege sind dadurch sehr kurz. Der primäre Baustoff ist Holz.

Holz toppt Beton
Es gibt riesige Unterschiede in der Energiebilanz von Baustoffen. Produziert man eine Tonne Zement, gelangen rund 590 Kilo CO2 in die Atmosphäre. Dagegen speichert ein Kubikmeter gewachsenes und verbautes Holz etwa eine Tonne CO2. Dazu kommt, dass Sand weltweit immer knapper wird, während die Ressource Holz nachwächst. Die Baubranche verfügt damit über ein enormes Potential, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und das Klima aktiv zu schützen. "Und dieses Potential nutzen wir", sagt Raphael Riesterer, Geschäftsführer der mit dem Holzbau beauftragten Zimmerei Steiger & Riesterer, die gerade als Handwerksunternehmen des Jahres ausgezeichnet wurde (BZ vom 13. März).

"Die Holzmassivbauweise wenden wir in allen Gebäudeteilen an, selbst in den sechs Treppenhäusern und Aufzugschächten. Insgesamt verbauen wir etwa 2070 Kubikmeter Holz." Der konsequente Einsatz von Holz reicht bis in die Innengestaltung: Decken werden als Holzsichtdecken, Bodenbeläge in Parkett und Fensterrahmen in Fichtenholz ausgeführt. Um die Gebäudehülle zu dämmen, greift man auch auf Holz zurück, und zwar auf Holzfaser-Dämmplatten, die mit einer Holzschalung bekleidet werden.

Energiekonzept entlastet Mieter
Auch hier lohnt ein Blick auf die Ökobilanz. Chemisch-synthetische Dämmstoffe werden unter hohem Energieaufwand hergestellt, um irgendwann auf einer Deponie zu enden – was wiederum mit Kosten verbunden ist. Mit weniger Energie produziert und ökologisch unbedenklich sind dagegen Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen. "Während des Wachstums bindet ein Kilo Biomasse mehr als 1,8 Kilo CO2", betont Raphael Riesterer und zählt auf, was noch für die Holzfaser-Dämmung spricht: "Sie wird aus überwiegend regional anfallenden Holzresten sozusagen vor der Haustür gefertigt. Sie wirkt feuchteregulierend und bietet optimalen Kälte- und Hitzeschutz."

Im kommenden Frühjahr soll die Bauphase abgeschlossen sein, dann übernimmt es modernste Haustechnik, CO2 weiter zu reduzieren: Die Energieversorgung der 54 Wohnungen erfolgt über ein eigenes Blockheizkraftwerk. Betrieben wird es mit Biogas aus Rest- und Abfallstoffen, um auch die Wärme- und Stromerzeugung ressourcenschonend und klimafreundlich zu gestalten. Der Strom lässt sich über mehrere Batterien – jede etwa so groß wie ein Kühlschrank – zwischenspeichern und per Mieterstrom-Modell an die Nutzer weitergeben. In den Gebäuden werden Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung installiert, geplant sind auch Photovoltaikanlagen auf den Dächern und an Balkonbrüstungen.

Was das Klima schützt, soll auch künftigen Mietern nützen: Sie können mit niedrigen Nebenkosten rechnen – und mit fairen Mieten. Das Konzept von StaufenWohnen sieht nämlich vor, dass auch Menschen mit geringerem Einkommen in den innovativen Holzhäusern im Staufener Süden wohnen werden.

Stadt und Kirche helfen
Mitgeholfen bei der Realisierung hatten die katholische Pfarrpfründestiftung, der das Grundstück gehört, das in Erbbaupacht zur Verfügung gestellt wird sowie die Stadt Staufen und der Gemeinderat, die durch ein rasches Bebauungsplanverfahren Wohnbebauung an dieser Stelle zwischen Gewerbegebiet Gaisgraben und Neubaugebiet Rundacker erst ermöglichten (BZ vom 17. Oktober 2019) und dem Projekt von Anfang an wohlwollend gegenüberstanden. Die ersten Wohnungen sollen noch Ende 2021 bezugsfertig sein, der Rest dann im Frühjahr 2022.

Weitere Informationen über E-Mail an: staufenwohnen@sw-kg.de und die Webseite http://www.staufenwohnen.de