Raumkonzept Kandertal

Binzener Gemeinderäte haben Angst vor mehr Verkehr und ungebremstem Wachstum

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Sa, 17. April 2021 um 06:56 Uhr

Binzen

Die Gemeinderäte finden die Interessen von Binzen im Raumkonzept nicht angemessen widergespiegelt. Vor der Zustimmung zur Charta sind noch Gespräche nötig.

Die Gemeinderäte von Binzen haben Bedenken gegen das Raumkonzept Kandertal 2040. Sie fürchten eine zu starke Siedlungsentwicklung, ein Wachstum von Binzen, das sie nicht mehr kontrollieren könnten. Auch die Zunahme des Verkehrs durch eine verstärkte Siedlungsentwicklung im ganzen Kandertal sieht man in Binzen als Problem. Die Zustimmung zur gemeinsamen Charta hat der Gemeinderat deswegen vertagt.

Gemeinsam mit dem Landkreis Lörrach, dem Regionalverband Hochrhein-Bodensee und der Agglomeration Basel sind die Stadt Kandern und die Gemeinden Binzen, Malsburg-Marzell, Rümmingen, Schallbach und Wittlingen dabei, ein Konzept für die Entwicklung im Kandertal zu erarbeiten. Die Themen Landschaft, Siedlung und Verkehr sollen dabei aufeinander abgestimmt werden. Hintergrund ist, dass ein weiteres Bevölkerungswachstum im Kandertal erwartet wird.

Erster Entwurf der Charta steht

Es fanden Workshops, eine öffentliche Forumsveranstaltung und Beteiligungsrunden mit Bürgerinnen und Bürgern statt. Ein Planungsbüro hat daraus nun den Entwurf einer gemeinsamen Charta entwickelt. "Zum ersten Mal plant nicht jede Gemeinde für sich, sondern alle Kandertalgemeinden gemeinsam", stellte Bürgermeister Andreas Schneucker fest. Die Charta sei ein Handlungsleitfaden, der in konkrete Projekte übersetzt werden müsse.

Die Gemeinderäte fanden sich und die Interessen von Binzen indessen nicht angemessen widergespiegelt. Alle Gemeinderäte lobten die Zusammenarbeit der Gemeinden. Oliver Baumert hatte aber das Gefühl, damit werde Binzen von außen etwas aufgedrückt, was man im Dorf nicht wolle. Binzen wünsche sich ein "moderates Wachstum". In den Beratungen sei indessen oft von einem "dynamischen Wachstum" gesprochen worden.

Ina Koska wies darauf hin, beide Begriffe seien aus der Charta verschwunden, stattdessen werde von "qualitativem Wachstum" gesprochen. Frank Krumm hielt es für gefährlich, der Charta so zuzustimmen, weil er das Gefühl hatte, Leute von außen formulieren Ziele für Binzen. Man wolle nicht, dass Binzen zu stark wächst. Krumm betonte: "Wir haben in Binzen keine Wohnraumknappheit, wir haben eine Knappheit an bezahlbarem Wohnraum."

Diana Duhalt-Nestle hatte Bauchweh, weil sie fürchtete, das Dorf Binzen mit 3000 Einwohnern könnte zu einer kleinen Stadt mit 6000 Einwohnern anwachsen. Dass Binzen ein Dorf bleiben soll, darüber waren sich die Gemeinderäte einig. "Es kommt in der Charta nicht rüber, was wir eigentlich wollten", sagte Sigurd Hagen. Auch wurde befürchtet, dass die Zustimmung zur Raumkonzept-Charta bereits eine Zustimmung zur Kandertal-S-Bahn enthalte.

Siedlungsentwicklung soll möglichst im Innern stattfinden

Das sei nicht der Fall, sagte Andreas Schneucker. Als Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs im Kandertal sehe das Konzept eine Schnellbus-Achse vor. Der Bürgermeister wies auch darauf hin, das Konzept gebe vor, dass Siedlungsentwicklung möglichst im Inneren stattfinden und nicht die Landschaft außerhalb der Dörfer bebaut werden soll. Dass die Orte zusammenwachsen wie im Wiesental, dürfe im Kandertal nicht passieren. Er stellte auch fest: "Die Planungshoheit nimmt uns niemand weg." Die letzte Entscheidung, wie Binzen sich entwickle, treffe der Gemeinderat.

Den Gemeinderäten war es auch ein Dorn im Auge, dass die Bevölkerungsdichte pro Hektar in Binzen laut Charta verdoppelt werden soll. Das, stellte Schneucker klar, gelte nur für Neubaugebiete, und für den Kandergrund habe das der Gemeinderat bereits so beschlossen. Frank Krumm wies darauf hin, auch wenn die Gemeinden weiter hinten im Kandertal wachsen, gehe der ganze Verkehr durch Binzen. Schließlich einigte man sich darauf, mit den Bürgermeistern im Kandertal nochmals zu diskutieren und die Ergebnisse in der nächsten Gemeinderatssitzung in Binzen zu diskutieren.