Bund kündigt Bilanzprüfern

dpa

Von dpa

Mo, 29. Juni 2020

Wirtschaft

Nach Wirecard-Skandal.

Die Bundesregierung zieht nach dem Bilanzskandal um den Dax-Konzern Wirecard erste Konsequenzen. Bundesjustiz- und Bundesfinanzministerium werden den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Darauf hätten sich beide Ministerien verständigt, sagte ein Sprecher des Justizressorts am Sonntag in Berlin. Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen. Er habe im Fall von Wirecard nach Ansicht der Ministerien versagt, berichtete Bild am Sonntag.

Die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (Bafin) hatte DPR nach eigener Darstellung im Februar 2019 auf Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard hingewiesen. "Wir haben unmittelbar reagiert und Mitte Februar 2019 bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung eine Bilanzprüfung veranlasst", sagte eine Sprecherin. Die Bafin sei für die Bilanzprüfung nicht zuständig, dies sei auf erster Stufe allein DPR. Dort habe die Prüfung so lange gedauert.

Laut Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat DPR wenig Personal. Mit der Prüfung sei in den vergangenen 16 Monaten im Wesentlichen nur ein Mitarbeiter betraut gewesen. Die Aufgabenteilung zwischen Bafin und DPR stehe auch im Zentrum der Kritik der EU an Deutschland in diesem Fall. Wirecard hatte Insolvenz beantragt, nachdem sich in der Bilanz genannte 1,9 Milliarden Euro Barmittel als nicht auffindbar entpuppt hatten. DPR gab keine Stellungnahme ab.