Ein Ortenauer durch und durch

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Sa, 17. Oktober 2020

Offenburg

BZ-Redakteur Hubert Röderer verabschiedet sich in den Ruhestand, bleibt aber als Autor am Ball.

. Als Autor und freier Mitarbeiter bleibt er der BZ zum Glück erhalten, aber den mitunter stressigen und aufreibenden Redaktionsalltag hat er hinter sich gelassen: Hubert Röderer, langjähriger BZ-Redakteur und ein Urgestein der Ortenauer Zeitungslandschaft, hat sich auf eigenen Wunsch Anfang Oktober in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet. Klar war dabei immer, dass dies für den 63-jährigen ein Unruhestand wird: Endlich mehr Zeit für Reisen mit Ehefrau Barbara und Besuche bei den erwachsenen Kindern Johannes und Julia, mehr Zeit für Motorradtouren und auch für den geliebten Tischtennissport, die Vorstandsarbeit und das bereits intensivierte Jugendtraining bei der DJK Oberschopfheim. Endlich mehr Zeit, sich als Hobby-Winzer den eigenen Reben und der Ortenauer Weinbruderschaft zuzuwenden. Und auch mehr Zeit, um, wie diese Woche bei einer Terminabsprache mit den Kollegen sagen zu können: "Also schafft’s gut – ich geh’ jetzt in den Wald." Auch Holzmachen im Oberschopfheimer Forst ist mehr Leidenschaft als Last. Hubert Röderer ist nicht nur bekennender Vereinsmensch, er ist auch echter Narr mit Mitgliedschaft bei den Althistorischen in Offenburg ebenso wie bei der Hexenzunft, begeisterter Büttenredner und einer, dem die echte Fasent am Herzen liegt. Er ist vor allem aber eines: Oberschopfheimer mit Leib und Seele. Das 2800-Seelen-Dorf ist für ihn nicht nur Geburtsort, sondern mit schmuckem Haus auch Lebensmittelpunkt und fraglos Zentrum und keineswegs "nur" Ortsteil der Gemeinde Friesenheim. Hier hat er 2013 auch eine mit mehr als 300 Seiten stattliche Ortschronik präsentiert, in die er neben dem anspruchsvollen Beruf tausende Stunden Freizeit und viel Herzblut investiert hat. Schon damals erzählte er, dass es ihn reizen würde, das von vielen ersehnte Ortssippenbuch zu schreiben, "aber erst im Ruhestand". Also Feuer frei.

Trotz klarer Bekenntnis zum Heimatdorf hat "hrö" immer die gesamte Ortenau im Blick gehabt. Kaum einer kennt den Landkreis und seine Menschen so gut wie er, den man als Ortenauer durch und durch bezeichnen kann. Nach dem Abi am Grimmelshausen-Gymnasium in Offenburg folgten ein Sport- und Latein-Lehramtsstudium in Freiburg samt Rückkehr als Referendar ans "Grimmels" sowie ans "Scheffel" in Lahr. Schon damals begleiteten die Trainerarbeit wie das Schreiben für die Zeitung sein Leben.

Aus freier Mitarbeit in den 1980er-Jahren wurde – schuld war die Lehrerschwemme – ein Beruf, der für "hrö" maßgeschneidert war. Auf ein Volontariat, die klassische Journalistenausbildung, folgten Jahre als Redakteur des Offenburger Tageblatts, wo er als Lokalchef in Offenburg quasi "auf der anderen Seite" stand, als die BZ den Schritt nach Offenburg wagte. Dass die BZ den erfahrenen Ortenauer in die eigenen Reihen holte, war nur eine Frage der Zeit und im Juli 2000 soweit. Es folgten spannende Jahre mit vielen Highlights: Ob Nato-Gipfel in Kehl oder Bambi in Offenburg, ob große Interviews mit Persönlichkeiten wie Wolfgang Schäuble oder Reinhold Messner – "hrö" war immer mittendrin. Gut möglich, dass dies auch künftig immer wieder mal der Fall sein wird, wenn auch nicht mehr unter Produktionsstress und wachsendem Digitalisierungsdruck.

Für die Redaktion ist es jedenfalls gut zu wissen, dass da noch einer ist, den es hoffentlich noch lange "in den Fingern juckt", wenn ein spannendes Thema auftaucht.