Studie

Cannabis-Abgabe in Basler Apotheken ist gestartet

sda

Von sda

Mo, 30. Januar 2023 um 14:03 Uhr

Basel

Sauber und biologisch angebaut: Im Rahmen einer Studie ist in Basel Marihuana legal erhältlich. Die regulierte Abgabe erfolgt in Apotheken. Ein entsprechender Ausweis berechtigt zum Kauf der Droge.

In Basel haben am Montagmorgen die ersten Teilnehmenden der regulierten Cannabis-Abgabe in Apotheken ihre legalen Stoff-Portionen bezogen. 374 Personen im Alter von 18 bis 76 Jahren nehmen in zwei Phasen an der Studie "Weed Care" teil.

Die erste Studiengruppe mit rund 180 Personen kann seit Montag in neun Basler Apotheken verschiedene Cannabis-Produkte beziehen, wie das Basler Gesundheitsdepartement mitteilt. Ein für die Studie ausgestellter Ausweis berechtigt sie zum Bezug.

Studienteilnehmer: Auf der Straße kein sauberer Stoff

Einer der Studienteilnehmer ist 53 Jahre alt. Seit 35 Jahren konsumiert er laut Mitteilung Cannabis-Produkte. Seit einem Unfall bezieht er eine Invalidenrente. Er hat um 9 Uhr in der Wettstein-Apotheke seine erste legale Portion Marihuana bezogen. "Ich bin sehr erleichtert, an der Studie teilnehmen zu können", sagt er. Auf der Straße sei es kaum noch möglich, einigermaßen sauberen Stoff zu bekommen: "Es ist praktisch nur noch giftiges und mit synthetischem Dreck gestrecktes Zeug im Handel", sagt er. Als jahrelanger Konsument, der früher auch mit Haschisch und Cannabis-Blüten gehandelt habe, wisse er, wovon er spreche.

Die Schwierigkeit, am illegalen Markt an reines Marihuana zu kommen, bestätigt ein weiterer Studienteilnehmer. "Ich überprüfe alle Proben mit einem Magneten, um Spuren von Eisenpulver, das zur Erhöhung des Gewichts missbraucht wird, zu entdecken", sagt er. Jetzt stellt ihm der Apotheker sechs hübsch verpackte und garantiert saubere und biologisch angebaute Cannabisprodukte zur Verfügung, die von der Firma Pure Production in Zeiningen AG hergestellt worden sind.

Haschisch-Riegel mit höchstem Stärkegrad

Sie tragen Namen wie "Lemon Tart" (das leichteste Produkt im Sortiment), "Purple Gas" (drei von vier Stärkepunkten) oder "Diesel Pollen" (ein fünf Gram wiegender Haschisch-Riegel mit dem höchsten Stärkegrad). Die Käufer können sich in beleuchteten Döschen von der Beschaffenheit des Stoffes überzeugen und auch daran riechen. Ein Studienteilnehmer würde sich für das Produkt "Purple Gas" entscheiden, wie er sagt. "Es ist normalerweise nur in Amsterdam oder in Spanien erhältlich." Er gehört zur zweiten Studiengruppe, die erst ab Juli für den legalen Bezug zugelassen ist. Er muss seinen Bedarf also noch sechs weitere Monate auf illegalem Weg decken.

Die Idee hinter der Aufteilung der Bezugsgruppen ist es, in der Studie den legalen und illegalen Bezug über einen gewissen Zeitraum parallel beobachten und vergleichen zu können, sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements. Mehr als 500 Konsumentinnen und Konsumenten haben sich bisher für die Studie beworben, 374 wurden zugelassen. Es handelt sich um 302 Männer, 66 Frauen und 6 non-binäre Personen. Die jüngste Person ist 18 Jahre alt, die älteste 76. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmenden beträgt 36 Jahre.

Studie soll verantwortungsvoller Cannabispolitik dienen

Die gemeinsame Studie des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt, der Universitären Psychiatrischen Kliniken, der Psychiatrischen Dienste Aargau sowie der Universität Basel untersucht gemäß Mitteilung des Gesundheitsdepartements die gesundheitlichen Auswirkungen des regulierten Cannabisverkaufs. Die daraus gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse sollen als Diskussionsgrundlage "für eine künftige verantwortungsvolle Cannabispolitik" dienen, heißt es.
Hintergrund: In Basel kann Cannabis bald in Apotheken bezogen werden, es ist das schweizweit erste Pilotprojekt für legales Gras. Angepflanzt wird es im Kanton Aargau – unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.