Finanznot

Caritassozialdienst im Kreis Lörrach braucht Hilfe

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Di, 04. Mai 2021 um 20:02 Uhr

Kreis Lörrach

Die Finanzmittel der Beratungsstelle des Caritasverbandes Lörrach sinken stetig. Die Fachbereichsleiterin wendet sich daher an Kommunen, Kirchengemeinden und Sponsoren und bittet um Unterstützung.

Der Caritassozialdienst (CSD) berät nicht nur viele Menschen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, sondern sitzt selbst finanziell in der Klemme: Der Caritasverband für den Landkreis Lörrach sucht nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten; CSD-Fachbereichsleiterin Ruth Götzmann kündigte bei einem Mediengespräch am Dienstag an, Kommunen und Kirchengemeinden sowie mögliche Sponsoren um Unterstützung zu bitten. Der Beratungsbedarf sei gestiegen. Für seine vier Standorte hat er nur 1,2 Personalstellen zur Verfügung.

Am Hauptsitz in Lörrach und in den Außenstellen Weil am Rhein, Schönau und Zell im Wiesental haben Martin Holz, Christine Wondrak-Brunen und Doris Leimeier sich im Jahr 2020 mit 434 Beratungsfällen auseinandergesetzt. Das seien 30 Prozent mehr als 2019, hält Fachbereichsleiterin Ruth Götzmann fest. Sie und ihre Mitarbeiter führen die Zunahme auf die Corona-Pandemie zurück. Die Sozialarbeiter hatten mit ihren meisten Klienten mehrere Kontakte, bis zu 24-mal nahmen sie Beratungen in Anspruch.

Für alle Menschen offen

Der Wohlfahrtsverband wird vor allem mit Mitteln der Kirchensteuer finanziert, sein Sozialdienst steht aber allen Menschen offen – jedenfalls im Rahmen seiner personellen Möglichkeiten. Ruth Götzmann stellt seit Jahren fest, dass die finanziellen Mittel des CSD sinken, und erwartet in dieser Hinsicht alles außer Besserung: Man bekomme vom Diözesan-Caritasverband Hinweise, sich auf geringere finanzielle Unterstützung vorbereiten zu müssen. "Für den Bestand und die Zukunft des Beratungsangebots bedeutet dies eine große Unsicherheit", sagt sie. Wegen der hohen Zahl an Kirchenaustritten erwarte sie "in naher Zukunft" weitere Einnahmeeinbußen. "Es braucht zumindest ergänzende Finanzierungsmöglichkeiten." Der Bedarf sei viel höher als die finanzielle Ausstattung des Angebots.

Die offene Sprechstunde ist geschlossen, denn Warteschlangen seien in der Pandemie nicht zu verantworten. Doch schon seit einem ganzen Jahr bietet der Caritassozialdienst wieder Präsenzberatungen mit Terminen an. "Das wird rege genutzt", schließt Martin Holz daraus, es habe sich rumgesprochen, dass diese Anlaufstelle für Menschen in Not persönliche Beratungsgespräche anbiete. Erfahrungsgemäß sei es für ihre Klienten bei vielen Behörden praktisch unmöglich, einen Mitarbeiter persönlich zu Gesicht zu bekommen.

Eine Behörde wartet auf die andere

Gerade darauf seien die meisten von ihnen jedoch angewiesen, weil sie den Papierkrieg mit Antragsformularen nicht bewältigen könnten. Martin Holz sagt daher: "Ich hätte viele Ideen, das System mit unseren vielen Behörden zu ändern." Darauf weise man diese Stellen auch hin. Zwar sei alles gut durchdacht, räumt er ein, doch oft warte ein Amt mit der Bearbeitung eines Falles auf die Bearbeitung eines anderen. Ruth Götzmann nennt als Beispiel für komplizierte Anträge eine Familie, die seit Dezember 2020 auf Wohngeld warte. Da müsse die Dauer der Kurzarbeit angegeben werden, was viele Antragsteller gar nicht könnten. Jobcenter und Arbeitsagentur nennt Martin Holz als positive Beispiele. Ihr Bemühen sei deutlich erkennbar, die telefonische Erreichbarkeit viel besser als vor der Pandemie.

Mehr Beziehungskonflikte und psychosoziale Probleme

Der CSD verweist Menschen intern und extern zu Fachberatungsstellen weiter, etwa zur Schuldnerberatung im Haus, zur Schwangerschafts- oder Familienberatung. Wie Doris Leimeier stellt auch Christine Wondrak-Brunen fest, in der Corona-Krise gebe es mehr Beziehungskonflikte. Fälle mit psychosozialen Problemen häuften sich schon seit Jahren, das werde sich bestimmt fortsetzen. Familien kämen aus anderen Bundesländern in der Hoffnung auf ein besseres Einkommen ins Dreiländereck, würden zu teure Wohnungen mieten, aber keine Arbeit finden. Andere Menschen könnten sich keine neuen Brillengläser ihrer Sehstärke leisten. Auch Jugendliche, die daheim rausgeschmissen wurden, suchen Hilfe.