BZ-Interview

"Co-Working ist eine moderne Arbeitsform, die im ländlichen Raum immer gefragter wird"

Felix Lieschke

Von Felix Lieschke

Do, 15. April 2021 um 17:47 Uhr

Herbolzheim

In Herbolzheim könnte ein Co-Working Space entstehen, ein geteiltes Büro. Warum sich die Stadt so etwas wünscht, erklärt die Wirtschaftsförderin Leanna Muth im Interview.

BZ: Frau Muth, würden Sie sich ein Büro mit mir teilen wollen?

Muth: Ich finde solche Konzepte interessant, bei der die Kommune und die freie Wirtschaft in einen Austausch treten. Gerade bei der Wirtschaftsförderung geht es viel um die Gründerszene, und für Start-ups sind Co-Working Spaces besonders interessant. Unter dem Aspekt kann ich es mir sogar sehr gut vorstellen!

"Konkret in Planung ist noch nichts"

BZ: Was stellen Sie sich unter so einem Co-Working Space in Herbolzheim vor?

Muth: Einen Ort, bei dem unterschiedliche Branchen zusammenkommen und Talent, Teamwork und Know-how zu Bestleistungen und Innovationen führen. Mit der aktuell laufenden Umfrage geht es erstmal darum, den Bedarf in Herbolzheim zu ermitteln. Konkret in Planung ist noch nichts, wir sind aber mit Akteuren in diesem Bereich im Austausch und interessieren uns für das Thema. Grundsätzlich gäbe es zwei Möglichkeiten, einen Co-Working Space aufzubauen: Entweder es würde eine größere Fläche als Co-Working-Space umfunktioniert oder Leerstände von kleineren Gewerbeimmobilien in der Stadt würden neu genutzt und zur Verfügung gestellt werden.

BZ: Wie leicht lässt sich so ein Konzept umsetzen, sollte der Bedarf ermittelt worden sein?

Muth: Das hängt davon ab, welches der beiden Konzepte verfolgt werden würde. Ein Konzept mit größeren Flächen und mehreren Kooperationspartnern, das seinen Fokus auf Netzwerkarbeit hat, hat mehr Komplexität als eine Variante mit kleineren Flächen, bei der es nur um Arbeitsplätze geht. Letztere könnte man recht kurzfristig umsetzen.

"Durch solche Modelle erzielen Firmen und Arbeitnehmer mehr Kosten- und Zeiteffizienz"

BZ: Warum, glauben Sie, braucht es das in Herbolzheim?

Muth: Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie und die Digitalisierung merkt man, dass Arbeitsplätze im Homeoffice stärker zum Thema geworden sind, es zu Hause aber oft Komplikationen gibt. Zudem ist Co-Working eine moderne Arbeitsform, die im ländlichen Raum immer gefragter wird. Diesen gilt es nachhaltig lebendig und attraktiv zu gestalten, um so die hohe Lebensqualität zu erhalten. Herbolzheim ist keine Großstadt, hat aber durch seine zentrale Lage zwischen Offenburg, Lahr, Emmendingen und Freiburg einen besonderen Charme mit arbeitnehmerfreundlicher Infrastruktur und Flair. Durch solche Modelle erzielen Firmen und Arbeitnehmer mehr Kosten- und Zeiteffizienz und leisten einen Beitrag zum Klimaschutz. Daher glaube ich, dass es für Arbeitnehmer, aber auch Arbeitgeber interessant sein könnte, hier einen Co-Working Space einzurichten.
BZ: Glauben Sie, dass das Großraumbüro unter den aktuellen Vorzeichen im Trend bleiben wird?

Muth: Unter den aktuellen Voraussetzungen muss man das Großraumbüro kritisch sehen, nachdem viele Firmen diese bereits wegen der Fixkosten auch aufgeben. Da könnten größere Co-Working Spaces jedoch durch ihre flexible Nutzungsweise, die Bezahlung je nach Nutzungsvolumen und durch eine modulare Bauweise punkten. Der Trend hängt also davon ab, wie kreativ und anpassungsfähig die Lösungen sind.
Zur Person

Leanna Muth (28) kommt aus Ettenheim. Seit Oktober arbeitet sie bei der Stadt im Bereich der Wirtschaftsförderung. Sie hat Gesundheitstourismus studiert.

Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, findet sie unter folgendem Link.