Mutante B.1.617.2

Corona-Fälle mit der Delta-Variante nehmen im Südwesten zu

Bärbel Nückles und Konstantin Görlich

Von Bärbel Nückles & Konstantin Görlich

Do, 17. Juni 2021 um 08:29 Uhr

Südwest

Die stark gesunkenen Inzidenzzahlen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Virus noch lange nicht besiegt ist. Sorge bereitet vor allem die Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante.

Die in Indien entdeckte Coronavirus-Variante Delta hat ihren Anteil an den Neuinfektionen in Deutschland binnen einer Woche deutlich gesteigert. Mit 6,2 Prozent in der Woche vom 31. Mai bis 6. Juni bleibe sie aber weiter relativ selten, heißt es im jüngsten Bericht des Robert-Koch-Instituts. In der Woche zuvor hatte der Anteil noch bei 3,7 Prozent gelegen.

In Baden-Württemberg konnten seit ihrem ersten Auftreten im April 255 Fälle der Delta-Variante nachgewiesen werden, etwa die Hälfte davon wurde in den letzten sieben Tagen gemeldet. Im Südwesten ist diese Variante damit eher selten. Das Landesgesundheitsamt gibt ihren Anteil für die letzten 14 Tage mit 3,19 Prozent an (4,61 Prozent inklusive Verdachtsfälle).

Nach BZ-Berechnungen liegt ihr Anteil an allen mittels variantenspezifischer PCR bestätigten Fällen mit Mutation für die letzten sieben Tage bei gut neun Prozent – jedoch bei vergleichsweise geringem Infektionsgeschehen der weiterhin dominanten Alpha-Variante B.1.1.7, die zuerst in Großbritannien aufgetreten war und in den letzten sieben Tagen fast 1600 Mal im Südwesten nachgewiesen wurde. Den Delta-Anteil im Land bezeichnet Gottfried Roller, der Leiter des Landesgesundheitsamtes, als "noch moderat, jedoch gehen wir derzeit davon aus, dass der Anteil noch steigen wird".

Einen großen Beitrag zum Delta-Anteil dürfte auch ein Ausbruch in einer Kindertagesstätte in Waiblingen geleistet haben, in dessen Folge sich etwa 150 Kinder und 45 Mitarbeiter seit Dienstag in Quarantäne befinden. Am 7. Juni waren dort die ersten Fälle aufgetreten – jedoch zunächst noch ohne Mutationsnachweis.



Auch im Elsass hat es einen lokalen Delta-Ausbruch gegeben. Nach dem Auftreten von vier nachgewiesenen Fällen der Variante mit mehreren Dutzend Kontaktpersonen steht die Straßburger Kunsthochschule (Haute école des arts du Rhin, kurz HEAR) unter Beobachtung. Vorsorglich ließ die Präfektur die HEAR am Wochenende bis auf Weiteres schließen. Studierende und Lehrpersonal wurden aufgefordert, sich testen zu lassen. Alle positiven Testproben werden sequenziert.

"Die Fälle führen uns vor Augen, dass das Virus noch immer da ist, dass es sich anpasst und schneller ausbreitet, wenn wir nichts dagegen tun", sagt Adeline Jenner von der regionalen Gesundheitsbehörde. Einem Bericht der Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace zufolge soll ein externes Mitglied einer Prüfungsjury Anfang Juni der Überträger gewesen sein. Die Person habe keine Symptome gezeigt und sei zuvor in Deutschland gewesen.



Die Lage an der HEAR sei Jenner zufolge unter Kontrolle, von einem Hotspot sei nicht die Rede. Weitere Infektionen in Straßburg sind allerdings nicht auszuschließen. Neue Test-Ergebnisse aus dem Stadtteil Krutenau sollen in den nächsten Tagen vorliegen. Gesundheitsminister Olivier Véran bezifferte den Anteil der nachgewiesenen Infektionen mit der Delta-Variante in Frankreich auf zwei bis vier Prozent.
Testpflicht bleibt bestehen

Gesundheitsminister einigDie Gesundheitsminister von Bund und Ländern setzen trotz sinkender Corona-Zahlen auf eine weitere Absicherung über breit angelegte Tests – auch mit Blick auf die Sommerurlaubszeit. Vorgaben für Reiserückkehrer aus dem Ausland sollen dafür bis mindestens Mitte September verlängert werden, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach Beratungen mit seinen Länderkollegen sagte. Nach Angaben des bayerischen Ressorts soll an der generellen Testpflicht für Flugreisende vor dem Abflug festgehalten werden. Die Quarantäneregeln für Rückkehrer aus Risiko- und Hochinzidenzgebieten mit hohen Infektionszahlen sowie aus Gebieten mit neuen Virusvarianten sollen bestehen bleiben. Im Straßen- und Bahnverkehr an den Grenzen soll es verstärkt Kontrollen geben. Die Länder wollen zudem flächendeckende Schnelltests zwei Mal pro Woche in Schulen und Kitas aufrechterhalten. Bund und Länder wollen über den Sommer ein Konzept erarbeiten, um kostenlose Bürgertests gegebenenfalls auch im Herbst und Winter fortzusetzen. Firmen sollen verpflichtet werden, in Präsenz arbeitenden Mitarbeitern weiterhin zunächst bis Ende September regelmäßig ein Testangebot zu machen. Besonders in den Blick genommen werden sollen langfristige Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche. "Kinder dürfen nicht durch Lockdown und Schutzmaßnahmen zu Corona-Verlierern werden", sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Die Ministerkonferenz bittet daher den Bundestag, eine Kommission dazu einzurichten. (dpa)