Lahr

Das Motto des Markts heißt "Frische Ware kauft man an der frischen Luft"

Hagen Späth

Von Hagen Späth

Mi, 25. März 2020 um 06:30 Uhr

Lahr

Im BZ-Interview beschreibt Fritz Lehmann, der Sprecher der Lahrer Wochenmärkte, welche Auswirkungen das Coronavirus auf Beschicker, Kunden und Kaufverhalten hat.

BZ: Herr Lehmann, welche Auswirkungen hat das Coronavirus bislang auf den Wochenmarkt?
Lehmann: Wir haben Umsatzeinbußen an den Ständen, aber wir dürfen wenigstens noch verkaufen im Gegensatz zu vielen anderen Geschäften. Die Laufkundschaft fehlt uns komplett, aber die Stammkundschaft kommt noch und unterstützt uns. Wir starten gemeinsam mit der Stadt eine Initiative unter dem Motto "Frische Ware kauft man an der frischen Luft". Der Markt ist der Stadt ein großes Anliegen.

"Die Kunden müssen den entsprechenden Abstand einhalten und das klappt auch in der Regel."

BZ: Wie reagiert die Kundschaft auf die Situation?
Lehmann: Wir erfahren viel Zuspruch. Es gibt aber auch einiges an Kritik von Leuten, die nicht verstehen können, dass man den Wochenmarkt aufrechterhält. Ich antworte dann immer, dass wir unter freiem Himmel verkaufen und dass das wesentlich besser ist als in geschlossenen Räumen.

BZ: Welche Vorschriften müssen Sie bei der Ausrichtung des Wochenmarkts beachten?
Lehmann: Die Kunden müssen den entsprechenden Abstand einhalten und das klappt auch in der Regel. Ob wir irgendwann Schutzscheiben aufstellen müssen, wird sich zeigen. Das kann man nicht ausschließen. Was ich jetzt sage, kann morgen schon überholt sein. Im Moment ändert sich das ja fast schon stündlich. Wir waschen zwischendurch immer wieder die Hände, wir haben ja Wasser, Seife und Desinfektionsmittel dabei.

"Jene Stände, die keine Lebensmittel haben, trifft es härter."

BZ: Können Sie schätzen, wie hoch die Einbußen der Marktbeschicker sind?
Lehmann: Nein, das ist ganz schwierig zu schätzen und von Stand zu Stand verschieden. Es ist weniger, aber immer noch ausreichend, um weiterhin zu kommen. Jene Stände, die keine Lebensmittel haben, trifft es härter.

BZ: Haben sich denn schon Anbieter zurückgezogen?
Lehmann: Bisher erst einer, aber da ist der Grund ein Krankheitsfall in der Familie.

"Ich hoffe, dass wir zumindest den aktuellen Stand halten können und die Nachfrage nicht noch weiter zurückgeht."

BZ: Wie geht’s weiter mit dem Wochenmarkt?
Lehmann: Wenn ich das wüsste. Ich hoffe, dass wir zumindest den aktuellen Stand halten können und die Nachfrage nicht noch weiter zurückgeht. Das wäre wünschenswert. Dass die Leute sich sagen: Ich geh jetzt auf den Markt und hol bewusst da meine Lebensmittel, die ich brauche. Früher war der Markt oft ein Familienausflug, bei dem Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel alle dabei waren. Das geht jetzt nicht mehr. Aber einer oder zwei aus der Familie könnten ja immer noch einkaufen gehen.
Regeln auf dem Markt

Fritz Lehmann hat sich als Sprecher der Marktbeschicker am Dienstag in einer E-Mail an die Presse gewandt. Der Wochenmarkt am vergangenen Donnerstag, als die ersten Geschäfte schließen mussten, sei nur gering besucht gewesen. Am Samstag habe der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Lehmann und Co. wollen die Märkte in Lahr aber langfristig aufrecht erhalten, trotz Umsatzeinbußen. Lehmann verweist auf folgende Regeln, die im Moment für den Einkauf auf dem Markt gelten:
1. Zum Einkauf reicht eine Person. Es soll kein Familienausflug sein.
2. Zwischen den einzelnen Personen muss der Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden.
3. Ware, die angefasst wird, muss gekauft werden.
4. Möglichst bargeldlos bezahlen.

BZ: Was bieten Sie selbst auf dem Markt an?
Lehmann: Wir führen das komplette Programm von Kartoffeln bis zu Südfrüchten, die wir zukaufen. Die Anbauschwerpunkte unseres Hofs sind Beerenobst und Weinbau.
Zur Person: Fritz Lehmann (52) ist Agrarbetriebswirt und bietet die Produkte seines landwirtschaftlichen Betriebs auch im Hofladen in der Martin-Luther-Straße 14 in Lahr an.

Alle Artikel zum Coronavirus in der Ortenau gibt es im Online-Dossier unter http://mehr.bz/corona-ortenau. Aktuelle Infos zur Entwicklung im Ortenaukreis finden Sie in einem Newsblog unter http://mehr.bz/corona-newsblog