Das Zentrum für Gesundheit geht an den Start

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Do, 29. September 2022

Ettenheim

Die Stadt Ettenheim schließt mit dem Ortenau-Klinikum den Vertrag über die künftige Nutzung der früheren Klinik.

(ch). Zum 31. Dezember 2022 endet nun offiziell die Geschichte des Ortenau-Klinikums in Ettenheim. An seiner Stelle tritt ab dem 1. Januar das Zentrum für Gesundheit (ZfGE) mit dem Medizinischen Versorgungszentrum und der Geriatrischen Rehabilitation. Der Um- und Neubau soll bis 2025 abgeschlossen sein. In der Gemeinderatssitzung wurden die Pläne vorgestellt, außerdem einstimmig der städtebauliche Vertrag beschlossen.

Alle Schlachten um den Erhalt des Klinikums in Ettenheim sind in der Vergangenheit bereits geschlagen worden, am Montag standen die Zeichen im Gemeinderat auf Neuanfang. Mit etwas Wehmut wurde das Ende der Einrichtung zwar begleitet, grundsätzlich zeigten sich Verwaltung und Gemeinderat angesichts der weiteren Nutzung sehr zufrieden. "Es ist kein Eins-zu-Eins-Ersatz", sagte Bürgermeister Bruno Metz, "aber es ist im Gesamtpaket eine Lösung, mit der ich zufrieden bin und die der Stadt wirtschaftlich und medizinisch etwas bringen wird."

Das Ortenau-Klinikum war am Montag gleich mit mehreren Vertretern in der Sitzung aufmarschiert, um damit die Bedeutung des Projekts zu unterstreichen: "Wir haben in Ettenheim ein tolles Konzept", sagte Christian Keller, Geschäftsführer des Ortenau-Klinikums. Die Investitionskosten seien von zunächst zwölf auf mittlerweile 26 Millionen Euro gestiegen. Das Konzept für die ehemalige Klinik umfasst zwei Teile: das Medizinische Versorgungszentrum und die Geriatrische Rehabilitation.

Medizinisches Versorgungszentrum
Im Bestandsgebäude, das saniert wird, sind folgende Einrichtungen auf drei Geschossen geplant:
» Erdgeschoss: Chirurgie und Schwerpunkt Unfallchirurgie mit Röntgen; Notfallsprechstunde
1. und 2. Obergeschoss: OP-Räume, die durch das MVZ und andere genutzt werden sollen; Psychosomatische Praxis; Praxis für Innere Medizin und Endoskopie. Das Ziel ist eine Anmietung durch eine Gemeinschaft von Anästhesisten inklusive Schmerzmedizin.

"Für die ambulante Grundversorgung der Bevölkerung haben wir ein sehr gutes Angebot", betonte Rainer Bühn, Geschäftsführer der MVZ Ortenau. Das bestehende Café der Lebenshilfe soll von der Dachterrasse ins Erdgeschoss verlegt werden. Damit ist es für alle Patienten leichter und barrierefrei erreichbar.

Die Stadtverwaltung möchte vermeiden, dass Ärzte aus der Innenstadt ins ZfGE abwandern. Deshalb wurde ergänzend festgelegt, dass Praxen, die im Altstadtkern angesiedelt sind, nicht zum Umzug gewonnen werden sollten. Sollte ein entsprechender Wunsch an den Ortenaukreis herangetragen werden, werde die Stadt informieren und das weitere Vorgehen mit ihr abgestimmt. "Der Umzug einer Praxis vom Altstadtkern in das ZfGE bedarf der Zustimmung der Stadt Ettenheim, die diese nur aus wichtigem Grund versagen wird." Wie Christof Mutter, Verwaltungsleiter des Ortenau-Klinikums in Ettenheim informierte, gibt es viel Nachfrage von Praxen aus der Region.

Geriatrische Rehabilitation
Im angrenzenden Neubau sind etwa 60 Betten vorgesehen, Vorstand Silke Boschert vom Paul-Gerhardt-Werk aus Offenburg stellte die Pläne vor. In der Einrichtung soll bei älteren Patienten und Patientinnen die Selbstständigkeit wiederhergestellt und die Pflegebedürftigkeit vermieden werden. Für den Neubau wird ein Teil des alten Gebäudes abgerissen. Insgesamt wird eine Fläche von 4250 Quadratmetern auf 40 Jahre angemietet.

Rettungswache
Eine Notarztversorgung mit Notarzt ist laut der Vorlage des Ortenau-Klinikums weiterhin gewährleistet. Vom DRK-Rettungsdienst Ortenau bestehe Interesse an einer Integration der bestehenden Rettungswache direkt beim Zentrum.

Kosten
Für die Geriatrische Rehabilitation werden laut Ortenau-Klinikum rund 16,9 Millionen Euro veranschlagt, für den Umbau rund neun Millionen Euro.

Zeitplan
Formell wird das Ettenheimer Klinikum zum 31. Dezember geschlossen. Bereits ab Anfang Dezember soll der Betrieb sukzessive heruntergefahren werden. Zum 23. Dezember werden die letzten Patienten entlassen oder verlegt. Die Beschäftigten haben dann über Weihnachten bis Neujahr frei – als Belohnung dafür, dass sie so lange durchgehalten haben, wie Christian Keller sagte. Ihnen wird nicht gekündigt, wie Keller auf Nachfrage von Wolfgang Mutter (SPD) betonte. Die meisten wechselten ins Klinikum nach Lahr oder ins MVZ. Bereits im Dezember soll der Bauantrag eingereicht werden, im Oktober 2023 der Abbruch beginnen. Baubeginn ist im Februar 2024 . "Die Herausforderung ist, dass wir im Betrieb des MVZ stockweise sanieren", sagte Christian Keller. Mit Fertigstellung und Inbetriebnahme rechnet er im Sommer 2025.