Bundestagswahl Emmendingen-Lahr

Der 14-jährige Nevio Nicolosi aus dem Lahrer Ortsteil Sulz löchert zwei Kandidaten und eine Kandidatin

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Do, 09. September 2021 um 19:00 Uhr

Lahr

Wie war’s beim... Instagram-Livestream des 14-jährigen Nevio Nicolosi mit den Bundestagskandidierenden von SPD, CDU und den Grünen aus dem Wahlkreis Emmendingen-Lahr?

Der erste Eindruck
Den Anfang macht SPD-Kandidat Johannes Fechner. Rund eine Stunde ist für jeden Politiker und jede Politikerin eingeplant. Anfangs verfolgen das Gespräch 15 Teilnehmer, später sind es in Spitzenzeiten bis zu 21 zeitgleich. Johannes Fechner sitzt in seinem Wahlkreisbüro in Emmendingen, er trägt fechnertypisch ein weißes Hemd mit roter Krawatte. Nicolosi hat sich für den Stream schick gemacht, auch er hat sich für ein Hemd entschieden, dazu ein schwarzes Sakko. Wie die anderen später auch, stellt Fechner zunächst sich und seine Partei vor, bevor er von Nicolosi gefragt wird, was die Erst- von der Zweitstimme unterscheidet.

Der Initiator
Nevio Nicolosi ist gerade einmal 14 Jahre alt. Doch das merkt man dem Sulzer nicht an. Selbstsicher, wortgewandt und vor allen Dingen über die aktuelle Politik und die Parteien bestens informiert, moderiert er die drei Livestreams. Schon seit Jahren sei klar, dass er Moderator werden wolle, erzählt der Sulzer auf BZ-Nachfrage. "Ich habe früher immer ’Wetten, dass..?’ geschaut. Gottschalk hat mich inspiriert", sagt er. Erste Erfahrungen hat der Schüler der Heimschule St. Landolin als Moderator bei einer Veranstaltung der Lahrer Werbegemeinschaft gesammelt, durch seinen eigenen Podcast "Die Jugend quatscht" und beim Radio.
Livestreams zum Nachschauen unter: http://www.instagram.com/nicolosi_nevio

Das Format
"Ich habe im Vorfeld der Bundestagswahl gemerkt, dass viele nicht wissen, wen sie wählen sollen", erzählt Nicolosi. Daher habe er sich gedacht, dass es sinnvoll sei, die Kandidierenden zu interviewen. "Und das live und ungeschnitten", sagt er lachend. Obwohl Nevio Nicolosi selbst noch nicht wählen darf, will er anderen helfen, sich zu informieren. "Aber auch, weil es mich selbst interessiert und ich weiß, dass sich viele junge Menschen von der Bundesregierung oft nicht verstanden oder ernstgenommen fühlen", sagt der Sulzer. Dem könne man entgegenwirken, in dem man Menschen zusammenbringe und die Möglichkeit zum Gespräch gebe.

Die Kandidierenden
Ursprünglich wollte Nicolosi – außer der AfD, die er bewusst nicht angefragt hat – alle fünf Kandidierenden der großen Parteien im Wahlkreis Emmendingen-Lahr interviewen und hatte für SPD, CDU und Grüne ein Triell vorgesehen. Doch zeitlich war das nicht möglich. Deshalb stellten sich die Kandidierenden den Fragen einzeln. Das wiederum war mehr Arbeit für Nicolosi, aber ausfallen lassen wollte er das Format unter keinen Umständen. Seine Anfrage bei der FDP sei bislang unbeantwortet geblieben und mit der Kandidatin der Linken sei noch ein Livestream im Gespräch. "Ich hätte auf alle Fälle noch Lust darauf", sagt Nicolosi.



Die Themen
Mit drei Livestreams an einem Tag hat sich der Schüler viel vorgenommen. Glücklicherweise hat er jedoch gerade noch Sommerferien. Zwischen den Streams sind aber auch immer wieder Pausen. Mit den drei Kandidierenden der SPD, der CDU und der Grünen spricht er beispielsweise darüber, ob ein erneuter Lockdown aus ihrer Sicht wahrscheinlich ist, wie sie die Corona-Politik der Bundesregierung bewerten und wie es nach der Corona-Krise weitergeht. Er fragt sie aber auch, was gegen den Klimawandel oder gegen Alltagsrassismus getan werden kann. Unterbrochen werden die Themenblöcke immer wieder von Schnellfragerunden zu persönlichen oder politischen Themen. "Lieber Berlin oder Lahr?" oder "Lieber Reden halten oder Zuhören?" fragt er beispielsweise Heike Dorow.

Fazit
Nicolosis Format ist niederschwellig und für jeden mit einem Instagram-Account zugänglich. So erreicht der 14-Jährige auch junge Menschen und Erstwähler. Unter den Zuschauern sind auch einige, die sich alle drei Livestreams anschauen und so den direkten Vergleich haben. "Ich bin sehr zufrieden", sagt der Initiator. Unter den Zuschauern seien nicht nur Freunde und Bekannte gewesen, sondern auch viele andere. Das freue ihn sehr.

Auch den Kandidierenden gefällt das Format: "Ich fand den Austausch spannend und dass man so abseits der klassischen Formate auch den ein oder anderen Jungwähler erreicht", lobt beispielsweise Yannick Bury. "Es hat total Spaß gemacht. Ich habe zwar gerade wirklich viel zu tun im Wahlkampf, aber für dieses Format habe ich mir gerne Zeit genommen", sagt auch Johannes Fechner nach dem Livestream.