Brauereiwirtschaft

Der Brauerei Waldhaus fehlt das Fassbiergeschäft

Michael Neubert

Von Michael Neubert

Mi, 31. März 2021 um 11:33 Uhr

Kreis Waldshut

Gaststätten sind geschlossen, große Feste gibt es nicht. Brauereien wie Waldhaus leiden in der Corona-Pandemie besonders. Der Absatz geht zurück, doch eine Entwicklung macht ihnen Hoffnung.

Gaststätten sind geschlossen, große Feste gibt es nicht. Das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen fließt nicht mehr in Strömen. Die Brauereien leiden besonders unter dem durch die Corona-Pandemie verursachten Einbruch des Fassbiermarkts. Wie es aus einem von über 300 Brauereien unterzeichneten offenen Brief an die Politik heißt. Auch die Brauereien in der Region sind davon betroffen.

Die Brauerei Waldhaus in der Gemeinde Weilheim schildert die Lage. Die Brauereien sind stark von der Gastronomie und von den vielen Veranstaltungen abhängig. "Die beiden Lockdowns führten dazu, dass bis Ende Dezember in der Gastronomie bereits Umsatzverluste im siebenstelligen Bereich entstanden", schreibt Tanja Blum von der Abteilung Werbung und Kommunikation der Privatbrauerei Waldhaus, auf Nachfrage. Auch das neue Jahr sei in den beiden ersten Monaten mit einem Minus von 21 Prozent gestartet. Von Januar bis zum Dezember 2020 habe die Brauerei im Bereich der Gastronomie und der Feste einen Absatzrückgang von fast 50 Prozent hinnehmen müssen.

Bisher musste kein Mitarbeiter entlassen werden

Ein kleiner Lichtblick: Laut Blums Beschreibung würden die Menschen vermehrt zu hochwertigen Produkten im Lebensmitteleinzelhandel und Getränkefachgroßhandel greifen. Beim Flaschenbier stellt die Waldhaus-Brauerei ein überproportionales Wachstum fest. Trotz Corona-Krise verkaufe das Unternehmen nach wie vor Fassbier. Blum: "Aber der Anteil am Gesamtabsatz bewegt sich im einstelligen Prozentbereich." Es fließt mehr Bier in den Lebensmitteleinzelhandel, weniger in Getränkefachgroßhandel.

Die Brauerei war gezwungen, Kurzarbeit einzuführen. Das Unternehmen stockte den Betrag für die Mitarbeiter auf 90 Prozent auf. "Damit wollen wir unserer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht werden", sagt Blum. Entlassen wurde kein Mitarbeiter.

Waldhaus blickt trotz der Krise positiv nach vorn. Die Umsatzeinbrüche hätten zwar zu einem harten Investitionssparkurs geführt. "Aber wir sehen auch, dass Corona den Trend zu regional, ehrlich produzierten Produkten verstärkt hat", so das Unternehmen. "Wir glauben, dass dieser Trend auch nach der Krise anhält, wenn nicht sogar weiter wachsen wird." Die Vergangenheit habe gezeigt, dass nach einer Wirtschaftskrise die "emotional aufgeladenen Qualitätsmarken" stärker wachsen als Standardbiere und "Billigheimer". Blum: "Die Verwendung von 100 Prozent Naturhopfen sowie die Auszeichnungen wie das ‚World’s Best Pilsener’ im vergangenen Jahr für das Waldhaus Diplom Pils tragen sicherlich zu unserem positiven Ausblick bei."

Die Staatsbrauerei Rothaus äußerte sich mit Hinweis auf die bald stattfindende Hauptversammlung nicht zur aktuellen Lage.

Bisher keine staatliche Hilfen

300 Brauereien in Deutschland haben einen vom deutschen Brauerbund und Verband Private Brauereien formulierten offenen Brief an die Politik unterschrieben haben. Sie weisen die Verbände auf die Notlage hin. Immer mehr Brauereien, Brauereigaststätten und Fachgroßhändler würden unverschuldet in existenzielle Not geraten und seien von der Insolvenz bedroht.

Die Brauwirtschaft sei seit jeher der engste Partner der Gastronomie und sei deshalb von den Schließungen besonders hart getroffen. "Ware im Wert von vielen Millionen Euro, deren Haltbarkeitsdatum überschritten wurde, musste bereits vernichtet werden", heißt es.

Staatliche Hilfe gab es für Brauereien bislang nicht. Die 1500 deutschen Brauereien seien bis auf wenige Ausnahmen leer ausgegangen. Sie fordern nun schnelle Hilfe. Inzwischen informierte das Büro der Parlamentarischen Staatssekretärin und SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter, dass der Zugang zu den November- und Dezemberhilfen für die vielen mittelständischen Brauereien mit angeschlossenen Gaststätten verbessert und vereinfacht werde. Zumindest der Gaststättenanteil sei künftig, unabhängig von den Umsätzen des restlichen Unternehmens, antragsberechtigt. Weiterhin gelte: Brauereigaststätten könnten abgelaufenes Fassbier, analog zu den Warenwertabschreibungen des Einzelhandels für Saisonware und verderbliche Ware, abschreiben.
Die Brauerei Waldhaus
Die Geschichte der Privatbrauerei geht auf das Jahr 1833 zurück. 1894 erwarb Johann Schmid aus Bannholz mit Gastwirtschaft sowie Landwirtschaft und ist somit der Stammvater der Bierbrauerfamilie Schmid. Auf Johan folgten Friedrich (1939) und Helmar Schmid (1969). Der Jahresausstoß stieg in diesen 30 Jahren von 3500 auf 10.000 Hektoliter. 1997 übernahm Dieter Schmid das Unternehmen. Bier zählt mit Kaffee und Mineralwasser zu den beliebtesten Getränken der Deutschen und ist das beliebteste alkoholische Getränk. Der Absatz in Baden-Württemberg lag im Januar laut Statistischem Bundesamt bei 307.230 Hektolitern. Im Vergleich zum Januar 2020 (448.070) ist das ein Rückgang um 31,4 Prozent. Der Absatz in Deutschland lag im Januar 2020 bei fast 6,3 Millionen Hektolitern, 2021 sind es 27 Prozent weniger.