Der Freundeskreis Sevrier braucht eine Belebung

Ralf Morys

Von Ralf Morys

Mi, 10. Februar 2021

Schluchsee

Bereits vor Corona sind die deutsch-französischen Aktivitäten eingeschlafen / Interesse und Mitstreiter fehlen auf beiden Seiten.

Die ersten deutsch-französischen Freundschaftsbande zwischen der Seegemeinde und Sevrier hat schon Bürgermeister Hermann Schlachter geknüpft und Ende der 1990er-Jahre mit Oliver Böhm jemanden gefunden, dem die deutsch-französische Freundschaft bis heute am Herzen liegt. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat Böhm den Freundeskreis Sevrier-Schluchsee mit Leben gefüllte. Zuletzt ist das Interesse an der Partnerschaft auch schon vor Corona "eingeschlafen". Ob und wer die Partnerschaft aus ihrem Dornröschenschlaf weckt, ist völlig offen.

Sevrier liegt nur knapp 400 Kilometer von Schluchsee entfernt ebenfalls an einem See, am Westufer des Lac d’Annecy in der Region Auvergne-Rhone-Alpes im Departement Haute-Savoie und ist mit 4000 Einwohnern etwas größer als Schluchsee. Und die Partnerstadt ist von der Corona-Pandemie betroffen. "Alles was man in den Nachrichtensendungen über Corona und die damit verbundenen Auswirkungen in Frankreich auf das tägliche Leben hört, trifft auch in Sevrier zu", sagt Oliver Böhm, der weiter im losen Austausch mit seinen Freunden in Sevrier ist. "Die haben das gleiche Theater wie wir im Hochschwarzwald auch", berichtet Böhm. So gebe es von Ausgangssperren über geschlossene Restaurants und Geschäften viele Einschränkungen. Das alles habe nicht verhindert, dass sich viele Menschen mit dem Virus infiziert haben und es auch private Tragödien gab.

Ob der Freundeskreis Sevrier nach der Pandemie neue Aktivitäten in Richtung Hoch-Savoien entwickelt, ist offen. Mangels Interesse ist der Austausch schon vor ein paar Jahren eingeschlafen und "jetzt ist die Sache tot", beschönigt Böhm nichts. Mehr als zwei Jahrzehnte war Oliver Böhm, der in Südfrankreich das Kochhandwerk erlernte und so seinem Leben eine frankophile Ader verlieh, der Schrittmacher im Freundeskreis und stellte zusammen mit Vereinen wie dem Musikverein Schluchsee oder dem Kirchenchor den Austausch auf die Beine. Auch die beiden Schulen beteiligten sich schon am Austausch.

Gerne erinnert sich Böhm noch an einen Schwarzwaldabend in Sevrier, bei dem es ein Schwarzwald-Buffet für etwa 300 Leute gab. Aus dem Hochschwarzwald fuhr man zum Apfelfest nach Sevrier und die Franzosen bereicherten den Weihnachtsmarkt in Schluchsee mit dem Verkauf von Wein und Käse. Die Veränderung zum fast einwöchigen Wintermarkt hielt die französischen Gäste fern. Ihnen dauerte er zu lange, blickt Böhm zurück.

"Vieles hängt von den handelnden Personen ab", meint Böhm. Und in all den Jahren gab es neue Vereinsvorsitzende und Schulleiter in Sevrier wie in Schluchsee und bei einigen waren die freundschaftlichen Beziehungen nicht mehr so wichtig.

Die Unterstützung aus dem Rathaus war in der Vergangenheit da, das Geld für den Austausch war nie ein Problem. Um den Freundeskreis weiter mit Leben zu füllen, benötigt es mehr als einen rührigen Vorsitzenden. Einen Grund für das abnehmende Interesse sieht Böhm auch in der Sprachbarriere. Wenn jetzt aber mehrere Leute kämen und die Freundschaftsbande mit Sevrier aktivieren und stärken möchten, "dann bin ich sofort dabei", meint Böhm. Sein Ziel, eine junge Generation für die deutsch-französische Freundschaft aufzubauen, hat er nicht erreicht – oder vielleicht auch noch nicht. Den europäischen Gedanken im Kleinen mit Leben zu füllen, bleibt weiter ein wichtiges Ziel.