Visionär

Der israelische Milliardär Stef Wertheimer stammt aus Kippenheim

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Sa, 09. August 2014 um 00:00 Uhr

Panorama

Der israelische Milliardär und gebürtige Kippenheimer Stef Wertheimer führt ein aufregendes Leben. Er ist ist der reichste Mann Israels. Doch der Schmerz der Vergangenheit sitzt tief. Ein Porträt.

Ein berühmtes Filmzitat besagt, das Leben sei wie eine Pralinenschachtel. Man wisse nie, was man bekomme. Stef Wertheimer würde so viel Schicksalsgläubigkeit nicht gelten lassen. Die Nazis haben ihm das Leben als Kind zur Hölle gemacht. Doch mit Fleiß, Ehrgeiz und Erfindergeist schaffte der israelische Unternehmer einen märchenhaften Aufstieg. Aus dem südbadischen Flüchtlingskind ist der reichste Mann Israels geworden – einer, der eine ganz eigene Vision vom friedlichen Zusammenleben im Nahen Osten hat.

DER MILLIARDÄR

Es ist ein Montagvormittag im Juni. Eine Sitzecke im obersten Stockwerk von Iscar, einem Weltkonzern mit 58 Niederlassungen weltweit und 10 000 Beschäftigten. Schneidwerkzeuge für Metall werden bei Iscar (Israel Carbide) hergestellt, hochspezialisierte Bohrer und Fräsmaschinen. Die Firma ist das Lebenswerk von Stef Wertheimer. Er hat den Konzern aus dem Nichts aufgebaut und ist durch ihn der reichste Mann des Landes geworden.

Für sechs Milliarden US-Dollar hat Wertheimer ihn in zwei Tranchen 2004 und 2013 an den US-Investor Warren Buffett verkauft und ist damit in die Liga der Superreichen aufgestiegen. In der Forbes-Rangliste der reichsten Menschen der Welt liegt er auf Rang 281. Er besitzt sieben Industrieparks, mit dem Hubschrauber fliegt er zu vielen Terminen.

Auf elf Uhr ist der Termin mit dem Reporter der Badischen Zeitung angesetzt, Punkt elf Uhr kommt er heraus. "Herr Wertheimer legt viel Wert auf Pünktlichkeit", hat seine Sekretärin bereits deutlich gemacht. Das sei wohl seiner Herkunft geschuldet, meint sie lächelnd. Ein fester Händedruck, ein musternder Blick.

Wertheimer trägt ein blaues Hemd, der oberste Knopf offen – ein dunkler Anzug mit Krawatte würde nicht seinem Naturell entsprechen. Er ist ein Macher, einer, der anpackt. Aalglatte Menschen in Anzügen sind ihm suspekt. Er ist Mitte Juli 89 Jahre alt geworden, sitzt aber Tag für Tag noch am Schreibtisch und regelt seine Geschäfte.

Sein Büro ist groß, aber nicht spektakulär. Kein übertriebener Luxus, kein Schreibtisch aus Wurzelholz, keine goldenen Türbeschläge. Grandios ist vor allem der Ausblick auf die Hügellandschaft Galiläas, einer uralten Kulturlandschaft im Norden Israels. In der Ferne sieht man Olivenbäume, Orangenplantagen. "Bei schönem Wetter kann man bis ans Meer ...

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