Fußball

Der SC Freiburg trauert um seinen langjährigen Jugendleiter Wolfgang Keller

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 09. Juni 2020 um 18:51 Uhr

SC Freiburg

Weggefährten wie Joachim Löw und Christian Streich erinnern sich an Wolfgang Keller. Der gebürtige Schönauer, der den Freiburger Nachwuchsfußball lange prägte, starb im Alter von 76 Jahren.

Er hatte einen Riecher für Fußballtalente und brachte viele spätere Profis auf den Weg – allen voran Bundestrainer Joachim Löw. Im Alter von 76 Jahren ist zum Wochenbeginn nach längerer Krankheit Wolfgang Keller gestorben. Der gebürtige Schönauer führte in der Stadt im Oberen Wiesental über viele Jahre ein Schuhmachergeschäft. 1986 kam Keller zum SC Freiburg, wo er als Jugendleiter und Jugendtrainer tätig war. Bis 2002 leitete er die Nachwuchsabteilung des Sportclubs und blieb dem Verein anschließend als Scout verbunden. Weggefährten beleuchten sein Wirken:

Joachim Löw (aus Schönau stammender Bundestrainer): "Alles, was ich in jungen Jahren über Fußball gelernt habe, habe ich von Wolfgang Keller. Er hatte sich mit aller Energie und dem größtmöglichen Enthusiasmus dem Fußball verschrieben und wirkte für uns Jugendliche aus Schönau wie ein Ersatzvater. Er hat fast täglich mit uns trainiert, im Winter hat er eine Ecke des Hartplatzes freigeschaufelt. Becker, Steinebrunner, Schulzke, mein Bruder Markus oder ich – es ist beinahe unglaublich, wie viele Spieler aus diesem kleinen Ort später Fußballprofis geworden sind. Ich habe Wolfgang Keller vergangenes Jahr noch getroffen. Er konnte sich an jedes Ergebnis mit der Schönauer Jugend, den Auswahlmannschaften oder dem Sportclub erinnern. Er wusste einfach alles. Wolfgang hat mich und ganz viele junge Menschen geprägt."

Christian Streich (aus Eimeldingen stammender Trainer des SC Freiburg): "Als Zwölfjähriger wurde ich in die Oberrhein-Auswahl berufen, da war Wolfgang Keller Trainer. Viel später sollten wir dann beim Sportclub zusammenarbeiten. Keller war A-Jugendtrainer, als ich beim SC 1995 die C-Jugend übernommen habe. Er bekleidete damals alle Funktionen, für die es heute ein halbes Dutzend Mitarbeiter gibt: Trainer, Co-Trainer, Betreuer, Physiotherapeut, sogar den Busführerschein hat er gemacht und seine Mannschaften zu Spielen gefahren. Es war wohl günstiger so. Wolfgang Keller hatte einen besonderen Blick für Spieler und einen besonderen Blick für Trainer. Er brauchte dafür keine großen Erklärungen. Mit Wolfgang Keller ist eine große Institution im südbadischen Fußball gestorben."

German Kramer (ehemaliger Jugendleiter des Freiburger FC): "Wolfgang Keller war Jugendtrainer in Schönau und veranstaltete dort ein Hallenturnier. Der Freiburger FC war der erste größere Verein, der dort zu Gast war. Wir schickten unsere C-Jugend, die seit zwei Jahren kein Spiel mehr verloren hatte – bis zu diesem Turnier. In der Schönauer Mannschaft spielten Hansi Schulzke, der später beim Sportclub und in Braunschweig Profi war, und Joachim Löw. Schulzke und Löw haben immer über Bande gespielt und das Spiel 12:0 gewonnen. Die haben uns ausgetrickst, das war sensationell. Später holten wir Wolfgang Keller zum FFC. Der damalige Jugendleiter hat es allerdings nicht ertragen, dass da einer besser ist als er, und nach 14 Tagen war Keller wieder weg. Achim Stocker hat das natürlich mitbekommen, ist nach Schönau gefahren und hat ihn zum SC geholt. Ich kann sagen, dass es damals wohl keinen Jugendtrainer mit einem besseren Netzwerk gab. Wolfgang Keller war in der südbadischen Fußballszene und darüber hinaus eine große Nummer. Ich bin froh, dass ich ihn über Vereinsgrenzen hinweg als meinen Freund bezeichnen durfte."

Nicolas Höfler (SC-Profi, kam 2005 in die Freiburger Fußballschule): "Wolfgang Keller war der Erste, mit dem ich beim SC Freiburg Kontakt hatte. Er war damals Scout in der Freiburger Fußballschule und hat mich bei Spielen der südbadischen Jugendauswahl beobachtet. Ich muss etwa 13 oder 14 Jahre alt gewesen sein, als Herr Keller angerufen und gefragt hat, ob ich es mir vorstellen könne, beim SC zu spielen. Ich habe damals geantwortet, dass ich erstmal meine Eltern fragen müsse. So bin ich zum Sportclub gekommen. Ich habe mich später einmal mit Christian Streich unterhalten. Der Trainer sagte sinngemäß, wenn Wolfgang Keller ihm einen Spieler empfehle, dann wisse er, dass das ein Guter sei. Das beziehe ich jetzt nicht direkt auf mich, aber es ist wahrscheinlich, dass meine Karriere anders verlaufen wäre, wenn mich Wolfgang Keller nicht gescoutet hätte. "

Hans-Peter Schulzke (aus Schönau stammender Ex-Profi des SC Freiburg): "Wenn Wolfgang Keller in Schönau auf den Sportplatz gekommen ist, sind wir Jugendlichen von allen Seiten hergelaufen und haben ihn umringt. Wir wollten einfach alles aufsaugen. Er war mein Ziehvater, das kann man nicht anders sagen. Wolfgang Keller hat mich nach Braunschweig gefahren, wo Branko Zebec die Eintracht trainierte. Das war 1976 eine Weltreise. So bin ich Profi geworden. Vom Kreisligisten FC Schönau in die Bundesliga – heute undenkbar."