Nach dem Brand

Der skandinavische Bereich im Europa-Park ist wieder offen

Tamara Keller

Von Tamara Keller

Di, 23. Juli 2019 um 17:55 Uhr

Rust

Bereits seit 18 Tagen war er wieder begehbar, jetzt wurde er eröffnet: Der skandinavische Bereich im Europa-Park Rust ist wieder offen. Neben Pippi Langstrumpf gab es pinkelnde Elche zu sehen.

Ungeduldig warten die Besucher am schwarzen Absperrband. Heute dürfen zuerst die geladenen Gäste und die Presse in den skandinavischen Bereich. Später dann alle: Ein kleines Mädchen posiert unter dem riesigen aufgesperrten Maul eines Hais. Endlich ist das beliebte Fotomotiv wieder da – eine Neuanfertigung an einem neuen Platz. Ab dem Moment, ab dem der skandinavische Bereich, wieder begehbar war, war er wieder geöffnet. Das war vor 16 Tagen. Ein "Soft Opening" – übersetzt leise Eröffnung – nennt man das.

Echte Elche waren neben den Gästen anwesend

Mit einer Eröffnungszeremonie mit Gästen unter anderem Landrat Frank Scherer, dem Bürgermeister von Rust Kai-Achim Klare, Gemeinderäten und Vertretern der beteiligten Baufirmen wurde der wiederaufgebaute Bereich am Dienstag nun offiziell eingeweiht. Passend zum Thema waren auch kostümierte Trolle und sogar echte Elche in der prallen Hitze Teil der Feier. Eines der Tiere pinkelte – vor der Presse und den Gästen – direkt in den Eingangsbereich.

"Als ich mir die Wiederaufbaukosten angeguckt habe, musste ich schlucken", sagte Roland Mack. Im Gegensatz zum Erstbau 1992 seien dieses Mal deutlich mehr Auflagen zu beachten gewesen. "Das liegt an Standards, die wir teilweise zu Recht haben, teilweise aber auch übertrieben sind", stimmte Landrat Frank Scherer in seiner Rede zu. Die Summe liegt laut Mack im zweistelligen Millionenbereich und sei damit zehn Mal höher als die erste skandinavische Version. Zu den Wiederaufbaukosten nach dem Brand, gibt es noch keine Informationen: "Wir können noch keine genaue Zahl sagen, weil wir noch die Eisenbahneinstellhalle und das Kostümlager wieder aufbauen müssen", so Mack.

Fünf Meter höher als die vorherige Version

In anderen Bereichen sind die Zahlen konkret: 13 Monate dauerte der Wiederaufbau, 350 000 Arbeitsstunden wurden investiert, 5,7 Kilometer an Trinkwasserleitungen wurden verlegt und der gesamte Bereich ist fünf Meter höher als sein Vorgänger. An anderer Stelle eröffnet sind Eisdiele und Sportgeschäft. Die Häuser, die dicht gedrängt aneinander stehen, laden zum Schlendern ein. Auch das Fjord-Restaurant wurde wieder aufgebaut und bietet nun eine Terrasse mit Ausblick auf das Rafting und den Blue-Fire-Looping.

50 Mitarbeiter werden in dem Bereich beschäftigt. Ab September sollen sechs weitere hinzukommen – denn dann öffnet auch noch eine weitere Bahn unter dem skandinavischen Bereich, von der Roland Mack schon lange geträumt hat: Das Wasserpark-Maskottchen Snorri, ein Tintenfisch, nimmt die Besucher über eine Bahn mit in die skandinavische Troll- und Mythenwelt. Die Bahn soll Appetit auf die neue Wasserwelt von Rulantica machen.

"Ich habe gespürt, dass von Vielen ein Stück Kindheit verbrannt ist." Roland Mack
Auch der Brand wurde nochmal ausgiebig im Rahmen der Eröffnung thematisiert: "Ich habe gespürt, dass von Vielen ein Stück Kindheit verbrannt ist", sagte Mack. "Diese Bilder möchte ich ganz schnell löschen." Der schnelle Wiederaufbau sei, ihm deshalb umso wichtiger gewesen. Trotzdem war in vielen Momenten ungewiss, wie es weitergeht.

"Das haben wir noch nie probiert, aber es geht schon gut" – zitierte er ein Motto von Pippi Langstrumpf, nachdem der Europa-Park auch gehandelt habe: Einfach ausprobieren. Eine kostümierte Pippi-Langstrumpf-Version durchschnitt gemeinsam mit der gesamten Familie Mack das Band zum neuen alten Themenbereich. Sowohl Mack als auch Landrat Frank Scherer richteten ihren Dank an jeden einzelnen, der bei und nach dem Brand geholfen hatte.

Der Brunnen ist das einzige Original

Zuerst bedeckt mit einer Norwegenflagge, wurde auch der Wikingerbrunnen, feierlich enthüllt. Er ist das einzige Objekt, dass den Brand komplett überlebt hat. Sämtliche Risse wurden mit der Hilfe von Stahldrähten von dem Ettenheimer Künstler Chodja Sediq repariert. Der Brunnen spielte auch bereits 1992 eine große Rolle: Damals wurde er im Beisein der norwegischen Kultusministerin Åse Kleveland enthüllt.

Die Piraten sind immer wieder im Gespräch

Auch die "Piraten in Batavia" fanden im Rahmen der Veranstaltung öfters Erwähnung. Eine Tür im skandinavischen Bereich, machte am Dienstag den Blick auf die Baustelle möglich. "Sie ist heute zum letzten Mal geöffnet", sagte Mack. Die Bahn soll 2020 wiedereröffnen. "Wir beginnen jetzt dann mit der Innenraumausstattung", so der Chef des EuropaParks. Dass die Diskussionen, um die Wiedereröffnung der Bahn nicht immer leicht gewesen sind, deutete Mack ebenfalls an: "Ich habe viel diskutiert mit dem jungen Team. Die mussten lernen, dass nicht nur das Neue, sondern auch die Erinnerung eine Rolle spielt."



Dementsprechend werde die Bahn Altes und Neues verbinden – es müsse eben immer ein Kompromiss gefunden werden. Ein erster Trailer, der ebenfalls gezeigt wurde, deutete an, worum es in der neuen Bahn gehen könnte: Betrunkene Piraten, Musik die an den "Fluch der Karibik" erinnert und eine Schatzkarte, auf der das "Tigerhaus" eingezeichnet ist – wahrscheinlich eins der neuen Themenbereiche wird.

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