IBA in der Schlusskurve

Annette Mahro

Von Annette Mahro

So, 12. Mai 2019

Kreis Lörrach

Der Sonntag Die Internationale Bauausstellung IBA Basel 2020 zieht Bilanz – noch drei Projekte warten auf ihr Label.

Die IBA Basel 2020 biegt langsam ein in die Schlusskurve. Von 130 vor zehn Jahren eingereichten Ideen zu einer gemeinsamen grenzüberschreitenden Zukunft der Dreilandregion wählte ein Fachgremium aus Architekten und Landschaftsplanern zunächst 44 aus. Übrig blieben 18 Projekte, die sich nun mit dem IBA-Label schmücken dürfen. Dazu zählen unter anderem das in den drei Ländern angesiedelte Rheinufer-Projekt "Rheinliebe", der ebenfalls trinationale Ansatz in Sachen Städtebau "3Land" und der Frankreich und die Schweiz verbindende "Parc des Carrières" zwischen dem französischen Hégenheim und dem Schweizer Allschwil.

Vorgestellt wurden die drei IBA-Beispiele am Freitag noch einmal in einer Bilanzpressekonferenz auf der Kleinhüninger Rheinhalbinsel mit Blick in alle drei Länder. Sowohl der IBA-Begriff als auch die Umsetzung des Ganzen führten – das wissen alle Beteiligten – in den vergangenen Jahren immer wieder zu Irritationen, etwa darüber, ob vieles nicht auch ohne den teuren Überbau zustande gekommen wäre. Einer der Gründe dafür sei, dass man anders als bei den seit 1901 in Deutschland initiierten Internationalen Bauausstellungen nicht mit einem fertigen Konzept startete, sondern die erste grenzüberschreitende IBA bewusst als Prozess angelegt habe, erklärt IBA-Leiterin Monica Linder-Guarnaccia.

"Über die Grenze denken"

Auch das ambitionierte "3Land"-Projekt löste mit seiner eingangs im Zentrum stehenden Hochhausbebauung, die umgehend den Beinamen "Rheinhattan" erhielt, nicht nur Begeisterung aus. "Aber", so der Weiler Stadtbaumeister Christian Renner, "das hat das Ganze auch ins Gespräch gebracht." Thomas Waltert vom Baselstädtischen Bau- und Planungsamt sieht in der angestoßenen gemeinsamen Stadtplanung eine "Jahrhundertchance", während der Hüninger Bauamtsleiter Richard Horn von sich sagt: "Das Projekt hat uns dazu gebracht, über die Grenzen zu denken."

Allerdings, schränkt Horn ein, binational habe man mit Weil schon vorher kooperiert und die einstige städtebauliche Brache am Rheinufer habe ihre erste maßgebliche Aufwertung durch die – bereits 2007 eröffnete – Dreiländerbrücke erfahren. Was Wunder, dass Huningue sein dem Ufer zugewandtes Gesicht schon heute nachhaltig verändert hat und weiter verändern wird, während weder in Deutschland noch in der Schweiz bisher in Sachen "3Land" viel passiert ist. Zwar will Christian Renner mit der Umgestaltung des Weiler Rheinparks 2020 schon weitergekommen sein, an Hochbauvorhaben denkt er allerdings erst mit Horizont 2040.

Städtebau und -planung sei indes immer ein langfristiges Thema, sagt der Rheinfelder Oberbürgermeister Klaus Eberhardt – erst recht, wenn beides über Grenzen reiche. Zumal in Zeiten wie diesen, weltweit geprägt von politischen Verwerfungen lange nicht mehr gekannten Ausmaßes, leiste die IBA Bedeutsames, so Eberhardt: "Wir liefern die Blaupausen für ein gemeinsames Handeln in der Region." Kleine Verwerfungen, wie aktuell bei der Tramlinie 3 von Basel nach Saint-Louis – die wegen tätlicher Angriffe ihren Betrieb nach Frankreich neuerdings ab 20 Uhr einstellt –, darf es da auch vor Ort geben. Das Projekt gehört neben den Bahnhöfen in Lörrach und Rheinfelden zu den drei letzten Projekten, die noch auf ihre IBA-Label warten. Annette Mahro