Glücksspiel

Lotto-Gesellschaft Baden-Württemberg plant neue Internetangebote

Jens Schmitz

Von Jens Schmitz

Mi, 05. Januar 2022 um 15:00 Uhr

Südwest

Online-Casinospiele und virtuelle Automaten: Baden-Württembergs Lotto-Gesellschaft will mit neuen Produkten punkten – und unter den privaten Anbietern auf dem Markt Präsenz zeigen.

Baden-Württembergs Lotto-Gesellschaft will den liberalisierten Markt für Internet-Glücksspiel nicht privaten Anbietern überlassen, sondern mit einem Strauß neuer Produkte punkten. Teile des Angebots sollen sich an Spieler bundesweit richten. Der Geschäftsführer der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg (Lotto BW), Georg Wacker, bestätigte entsprechende Pläne der BZ. Für die Automatenspiele sei ein Zulassungsantrag gestellt worden, für Online-Sofortlotterien sei das nicht nötig. Für die Casino-Spiele warte man noch auf die Novellierung des Landes-Glücksspiel-Gesetzes. "Dann hoffe wir, dass wir auch damit im Frühjahr an den Start gehen können."

Virtuelle Roulette-, Black-Jack- und Baccara-Spiele

Seit vergangenem Juli gilt in Deutschland ein neuer Glücksspiel-Staatsvertrag, der den Rahmen für Online-Spiele über Lotterien hinaus erweitert. Staatlich kontrollierte Angebote mit genauen Vorgaben sollen dem Schwarz- und Graumarkt Konkurrenz machen und ihn bestenfalls austrocknen. Eine Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder in Halle in Sachsen-Anhalt soll als Anstalt des öffentlichen Rechts Zulassung und Überwachung leisten.

Für Casino-Spiele können die Länder ein Monopol vergeben. Einem Sprecher des Landesinnenministeriums zufolge hat der Ministerrat Lotto BW im Dezember den Auftrag erteilt, ein entsprechendes Angebot vorzubereiten. Zur Umsetzung muss die Gesellschaft aber die finale Landes-Gesetzgebung abwarten. Wacker zufolge sind virtuelle Roulette-, Black-Jack- und Baccara-Spielmöglichkeiten geplant. Poker, das vierte klassische Casino-Spiel, sei vorerst nicht vorgesehen.

Konkurrenz für den Schwarz- und Graumarkt

Auch sonst will man den Markt nicht privaten Anbietern überlassen. Die Anzahl sogenannter Sofortlotterien (Rubbellos-Spiele) soll sowohl in den Annahmestellen als auch online auf 15 erhöht werden. An virtuellen Automatenspielen soll die Teilnahme bundesweit möglich sein; sie sind "slot machines" in Spielhallen nachempfunden. Lotto BW muss dazu die Anbindung an die Server der Gemeinsamen Glücksspielbehörde nachweisen.

"Ganz oben wird der Spielerschutz stehen." Georg Wacker
"Ich finde, das ist ein Riesenfortschritt", lobte Wacker die neue Aufsichtsbehörde. Die einzelnen Länder seien mit der Überwachung des bisherigen Schwarzmarkts überfordert gewesen. Mit der verstärkten Kontrolle gingen hohe Sicherheitsstandards einher. "Ganz oben wird der Spielerschutz stehen."

Wacker verwies auf den Glücksspiel-Staatsvertrag, der für Online-Spieler die Prüfung von Identität und Bonität sowie Spiel- und Einsatzlimits vorschreibe. Zum Antrag für die neuen Produkte habe ein Sozialkonzept gehört, das mit der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart entwickelt worden sei. Im Spielbereich selbst sei eine Box mit Angaben zum aktuellen Einsatz und der Gewinnwahrscheinlichkeit Pflicht. "Der Spieler hat ein Höchstmaß an Transparenz." Bei Lotto BW mit staatlicher Gewähr, wie Wacker sagte: "Wenn ein Kunde bei uns spielt, dann kann er sich darauf verlassen, dass die Angaben stimmen." Im Unterschied zu privaten Anbietern sei Lotto BW ein transparent gemeinwohlorientierter Betrieb.

Lotterie bleibt weiterhin Hauptgeschäft

Der Auftrag, das Bedürfnis der Bevölkerung nach Glücksspielen in seriöse und sichere Bahnen zu lenken, sei der eine Grund, warum die Landesgesellschaft im liberalisierten Online-Markt Präsenz zeigen will. Wacker machte aber keinen Hehl daraus, dass es auch darum geht, Bestandskunden ein modernes Angebot zu machen und jüngere Schichten zu gewinnen. "Die Lotterieprodukte bleiben in Zukunft unser Hauptgeschäft", dämpfte er gleichzeitig die Erwartungen. "Wir gehen davon aus, dass das Spiel rentabel sein wird, aber der Anteil der Online-Produkte am Kuchen wird wohl klein bleiben."

Die Spieleinsätze bei Lotto BW im Jahr 2020 betrugen 1,08 Milliarden Euro. Das entsprach ungefähr dem Betrag aus dem Jahr 2000 (1,07 Milliarden Euro). Diesen Mittwoch will die Gesellschaft ihren Jahresbericht für 2021 vorstellen.