Ortenaukreis Agenda 2030

Der Umbau des Krankenhauses in Ettenheim soll 2023 beginnen

Karl Kovacs

Von Karl Kovacs

Di, 21. September 2021 um 17:00 Uhr

Ortenaukreis

Am Standort Ettenheim des Ortenau-Klinikums ist bis 2025 ein "Zentrum für Gesundheit" geplant. Demnächst berät der Kreistagsausschuss darüber.

Die Akutklinik in Ettenheim soll im Zuge der Agenda 2030 des Landkreises zur Umstrukturierung des Ortenau-Klinikums zu einem "Zentrum für Gesundheit" umgewidmet werden. In der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Kliniken kommende Woche in Offenburg soll das Konzept beschlossen werden. Es sieht den Betrieb als Gesundheitszentrum ab 2025 vor.

Wie sieht die Zeitschiene aus?
In dem Konzept ist die Rede von einem Baubeginn 2023 und einer voraussichtlichen Bauzeit von zwei Jahren. Für die bestehende Akutklinik in Ettenheim würde das bedeuten, dass sie höchstwahrscheinlich bis Ende 2022 geschlossen wird. Weiter heißt es: "Während der Umbauphase ist kein Krankenhausbetrieb möglich, das Angebot der Facharztpraxen und des ambulanten Operierens bleibt bestehen."

Was ist geplant?
Das Zentrum soll vom Paul-Gerhardt-Werk (PGW) betrieben werden und Leistungen einer stationären geriatrischen Rehabilitation erbringen. Facharztpraxen mit Notfallsprechstunde, Notarztstandort und ambulante Operationsmöglichkeiten sollen zudem eingerichtet werden. Weitere Mieter im Zentrum für Gesundheit seien möglich, heißt es in dem Konzept. Genannt werden beispielsweise weitere Haus- oder Fachärzte, Psychotherapeuten, Sozialdienste und nicht-ärztliche Heilberufe wie Ergotherapie oder Physiotherapie.

Wie laufen die Gespräche?
Laut Sitzungsvorlage führt die Kreisverwaltung "gute Gespräche" mit den Verantwortlichen des PGW. "Die Gespräche sind weit fortgeschritten. Gemeinsam wurde eine bauliche Konzeption erstellt, die neben dem Bestandsgebäude einen Neubau vorsieht", heißt es weiter. Die aktuellen Planungen sehen eine Verlagerung der geriatrischen Reha von Offenburg nach Ettenheim vor. Zudem sollen aus den in Ettenheim vorhandenen 40 Betten 60 werden. Diese Anzahl an Betten sei notwendig, um den Standort wirtschaftlich betreiben zu können. Der Ortenaukreis rechnet mit Baukosten von insgesamt etwa 16,95 Millionen Euro.

Was passiert mit den Angestellten?
Laut dem Ortenau-Klinikum sind aktuell rund 120 Menschen am Standort Ettenheim beschäftigt. Das entspricht etwa 80 Vollzeitkräften. Die Klinikverwaltung sichert zu, dass allen nach Beschlussfassung im Zuge der Umnutzung der Betriebsstelle als Zentrum für Gesundheit ein Arbeitsplatz an einem anderen Standort des Klinikums oder im Pflege- und Betreuungsheim am Ortenau-Klinikum angeboten werde. Im Zentrum für Gesundheit selbst soll die Zahl der Angestellten schrittweise wieder bis zu 120 umfassen.

Chancen und Risiken
Aus dem Konzept geht hervor, dass die Verantwortlichen des Ortenau-Klinikums in der Weiterentwicklung des Standorts Ettenheim keine Risiken, dafür aber zahlreiche Chancen sehen. In dem 15-seitigen Konzept heißt es zum Beispiel: "Die Kombination aus ambulanten, stationären und weiteren Versorgungs- und Gesundheitsangeboten sichert den Fortbestand des Gesundheitsstandortes Ettenheim." Zudem schaffe die geplante geriatrische Rehabilitation "wohnortnahe, ambulant und stationär ausgerichtete und durchgängig gestaltete geriatrische Versorgung, besonders für ältere Menschen".

Was sagt der Bürgermeister?
Am liebsten wäre es Bruno Metz gewesen, wenn Ettenheim weiterhin eine Akutklinik hätte. "Das hat sich aber nicht umsetzen lassen. Die nun angedachte Lösung ist die zweitbeste für uns", sagt der Bürgermeister. Durch das Zentrum würden medizinische Kompetenz und Arbeitsplätze in die Stadt gebracht. Metz geht davon aus, dass die Klinik etwa Ende 2022 für den Umbau geschlossen wird. Dabei ist ihm wichtig: "Es sollte keine nennenswerte Vakanz zwischen Akutklinik und Gesundheitszentrum geben, damit das medizinische Angebot möglichst die ganze Zeit über aufrechterhalten bleibt. Hier muss es entsprechende Planungen geben."

Die Sitzung findet am Dienstag, 28. September, 13 Uhr, im großen Sitzungssaal im Landratsamt in Offenburg statt.
Paul-Gerhardt-Werk

Das Paul-Gerhardt-Werk Offenburg gibt es seit 1950. Eine 100-prozentige Tochter ist die Diakonie Mittelbaden. Zu den Aufgaben gehören die Pflege und Betreuung im ambulanten, teilstationären und vollstationären Bereich sowie die klinische geriatrische Rehabilitation alter und pflegebedürftiger Menschen. Seit 1993 betreibt das PGW die Klinik für geriatrische Rehabilitation in Offenburg, mehrere Pflegeeinrichtungen sowie Seniorenwohnungen. Zu den Angeboten gehören außerdem die ambulante und teilstationäre Pflege.

Weitere Informationen unter http://www.paul-gerhardt-werk-offenburg.de