BZ-Weihnachtsaktion

Der Vater einer Familie im Kreis Lörrach wird plötzlich zum Notfall

Maja Tolsdorf

Von Maja Tolsdorf

Fr, 09. Dezember 2022 um 06:31 Uhr

Lörrach

Eine Familie aus dem Kreis Lörrach kommt mit ihren knappen Ressourcen aus, bis der Vater zusammenbricht. Eine Notoperation rettet ihn. Die Familie wird nun von der BZ-Weihnachtsaktion unterstützt.

Salem P. geht seiner Arbeit in der Gastronomie mit Leidenschaft nach. Die Familie mit Ehefrau Noor, zwei Mädchen und zwei Jungen, hat nicht viel, kommt aber zurecht. Doch dann bricht der Vater und Ehemann plötzlich zusammen. Der Landkreis sei für die iranische Familie zur zweiten Heimat geworden, sie hätten inzwischen auch viele Freunde hier. Und plötzlich schlägt das Schicksal zu, denn Salem P. bricht in einer Arztpraxis unvermittelt zusammen und kann nur deshalb durch eine Notoperation gerettet werden, weil Hilfe sofort zur Stelle ist. "Das war pures Glück im Unglück, dass es in der Praxis passiert ist", sagt er. Doch durch seinen Zusammenbruch, die Operation und die anschließende Reha ist das Leben der Familie aus den Fugen geraten.

Was sich vorher durch gute Planung managen ließ, ist nun chaotisch geworden. Einen Monat lag er im Krankenhaus, danach begann die Reha, bis Ende September hätte er sich laut seinem Arzt krankschreiben lassen müssen. Doch er nahm schon Ende August seine Arbeit wieder auf, denn das Krankengeld reichte nicht, um die Familie zu ernähren.

Familienvater überlebt "durch pures Glück im Unglück"

Hinzu kamen Probleme mit dem Wohngeld und dem Kinderzuschlag. "Derzeit dauert die Bearbeitung eines Antrags neun Monate", sagt Salem P. Dies habe ihm die Behörde auf Anfrage mitgeteilt und um Geduld gebeten. "Doch wovon sollen wir leben?" fragt er.

Dennoch: Er bezahlt regelmäßig die Miete, niemand soll wissen, was bei ihnen derzeit los ist. "Ich kann mir das nicht leisten, säumig zu werden", sagt er. Wegen eines Zahlendrehers beim Betrag einer Online-Überweisung habe er einmal versehentlich zu wenig bezahlt. "Da kam gleich eine Strafandrohung." Doch es ist für die Familie gerade unheimlich schwierig, denn die existenziellen Dinge wie Kleidung, Lebensmittel und Miete könnten sie sich nur leisten, wenn zum Gehalt des Ehemannes noch Hilfen wie Wohngeld und Kinderzuschlag ausgezahlt werden.

Die Kinder sollen unbeschwert aufwachsen können

Drei oder vier Monate könne man überbrücken, doch neun Monate seien fast unmöglich. Der Arbeitgeber habe bereits geholfen und Salem P. einen Gehaltsvorschuss gewährt. Den muss er zwar zurückzahlen, ist aber trotzdem sehr dankbar für diese Hilfe.

In den Monaten seit der Operation hat sich P. wieder zurück in den Alltag gekämpft und könne nun wieder planen: den Tag, den Alltag und die Finanzen. Es gehe ihm wieder gut, auch wenn er täglich noch sechs verschiedene Medikamente einnehmen müsse. Zudem leide sein ehrenamtliches Engagement, weil er noch nicht schwer tragen könne.

Vor der Operation habe er eine ältere Nachbarin beim Einkaufen unterstützt. Zudem engagiert er sich für einen Helferkreis für Geflüchtete, weil dieser ihn und seine Familie einst unterstützt hatte. "Ich hoffe, dass ich das bald wieder tun kann", sagt Salem P. Seine größte Sorge wird ihn aber wohl noch eine Weile begleiten, nämlich, dass die Kinder unter der momentanen Situation leiden könnten: "Die Kinder dürfen davon nichts mitbekommen." Deshalb bekämen sie, was sie wollten und brauchten. "Erst kommt die Miete, dann die Kinder", sagt auch Ehefrau Noor. Erst danach schauten er und seine Frau, was für sie noch übrigbleibe.

Dass die Eltern für ihre Kinder alles tun, wird beim Besuch der Familie spürbar. Eine fröhliche Rasselbande gesellt sich kurz hinzu, kuschelt sich an die Eltern und tobt dann vergnügt wieder raus aus dem Wohnzimmer. Ebenso zeigt sich im Lächeln der Eltern, dass sie – umringt von den Kindern – ihre Sorgen für einen Moment beiseiteschieben können. Was die Eltern ihren Kindern bisher nicht ermöglichen konnten, ist ein weiteres Schlafzimmer. Derzeit müssen die vier im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren gemeinsam in einem Zimmer schlafen. Zudem seien die beiden Hochbetten schon sehr alt und der Kleiderschrank im Kinderzimmer kaputt.
Spendenkonten "Hilfe zum Helfen": Sparkasse Lörrach-Rheinfelden

IBAN: DE25683500480001008820, Volksbank Dreiländereck IBAN: DE95683900000000003131