Interview

Michail Gorbatschow: "Der Wille eines Volkes erfüllte sich"

Stefan Scholl

Von Stefan Scholl

Sa, 09. November 2019 um 09:43 Uhr

Ausland

BZ-Plus Er war ein Wegbereiter der Einheit: Michail Gorbatschow, der letzte Staatschef der UdSSR. Im Interview spricht er über das Ende der DDR und ein neues Wettrüsten zwischen Russland und den USA.

Er war ein Wegbereiter der Deutschen Einheit: Michail Gorbatschow, der letzte Staatschef der Sowjetunion. Unserem Korrespondenten Stefan Scholl hat er 30 Jahre nach dem Mauerfall ein Interview gegeben – über das Ende der DDR, Mittelstreckenraketen, den demokratischen Sozialismus und das deutsch-russische Verhältnis. Fragen und Antworten wurden auf Bitten Gorbatschows schriftlich ausgetauscht – wegen seines angeschlagenen Gesundheitszustands.

BZ: Herr Gorbatschow, manche Deutsche sagen, wenn es den Friedensnobelpreis nicht gäbe, hätte man ihn für Sie erfinden müssen. In Russland aber wirft man Ihnen oft vor, sie hätten 1989 die DDR an Westdeutschland und später Osteuropa an die Nato verschenkt.
Gorbatschow: Um mich in solchen Fällen nicht in langen Erklärungen zu verlieren, stelle ich eine einfache Gegenfrage: An wen verschenkt? Polen an die Polen, Ungarn an die Ungarn und die Tschechoslowakei an Tschechen und Slowaken …

BZ: Und die DDR an die Deutschen?
Gorbatschow: Die Formel "die DDR verschenkt" klingt noch seltsamer. In der DDR gingen 1989 Hunderttausende auf die Straße, für die Einheit ihrer Nation. Im März 1990 stimmte die Mehrheit der DDR-Bürger in freien Wahlen für die Wiedervereinigung. Der Wille eines Volkes erfüllte sich, das nach dem Untergang des Hitler-Regimes bewiesen hat, wie entschlossen es den Weg zur Demokratie verfolgt. Von welchen "Geschenken" kann da die Rede sein?
Ich bin sicher, die naturgemäß guten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland kehren zurück.
BZ: Man wirft Ihnen auch vor, Sie hätten dabei Russland vergessen.
Gorbatschow: Unsere guten Beziehungen mit dem vereinigten Deutschland haben unserem Land unbestreitbare Vorteile gebracht, politisch und ...

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