Weltkriegs-General

Der "Wüstenfuchs" Rommel soll nicht mehr geehrt werden

Stephan Jehle und dpa

Von Stephan Jehle & dpa

So, 13. Oktober 2019 um 18:00 Uhr

Südwest

Im Zweiten Weltkrieg wurde Erwin Rommel als Befehlshaber der deutschen Afrika-Armee zum Mythos. In seiner schwäbischen Heimat sieht man ihn 75 Jahre nach seinem Suizid nicht mehr als Held an.

75 Jahre nach seinem erzwungenen Suizid am 14. Oktober 1944 ist die Debatte um den "Wüstenfuchs" Erwin Rommel wieder entflammt. Besonders in seiner schwäbischen Heimatregion wird gefragt, ob der Generalfeldmarschall und Befehlshaber der "Panzerarmee Afrika" aus dem Zweiten Weltkrieg immer noch als Namenspatron taugt oder nicht.
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In Blaustein-Herrlingen, wo Erwin Rommel auf Befehl Hitlers Gift schluckte und starb, erinnerte lange ein Museum an den Generalfeldmarschall. Ohne viel Aufhebens hat der Gemeinderat es kürzlich geschlossen. In Aalen, wo Rommel aufwuchs, will man eine nach ihm benannte Straße umbenennen. Und in seiner Geburtsstadt Heidenheim stören sich Bürger an dem Denkmal, das der Verband "Deutsches Afrikakorps" 1961 auf einem Hügel für den Feldherren errichten ließ. Auch der Bundeswehr-Standort in Dornstadt bei Ulm, der seit 1965 den Namen "Rommel-Kaserne" trägt, sorgt immer wieder für Streit. Das Verteidigungsministerium sieht derzeit aber keinen Anlass für eine Namensänderung.

Den aktuellen Stand der historischen Forschung über Rommel hatte unlängst der junge Historiker Daniel Sternal in einer Arbeit an der Universität Tübingen zusammengefasst. Rommel war zwar nie Mitglied der NSDAP. Er und Hitler, so wird vielfach berichtet, seien freilich in "fast hypnotischer Art und Weise" von einander angetan gewesen. Propagandaminister Joseph Goebbels notierte 1942 im Tagebucheintrag: Rommel sei "weltanschaulich gefestigt, steht uns Nationalsozialisten nicht nur nahe, sondern ist ein Nationalsozialist". Und trotzdem blieb er auch im Rückblick für viele "ein Kriegsheld".

250 000 deutsche Soldaten fanden im Afrikafeldzug den Tod

Der Ruhm Rommels war nicht zuletzt mit seinen Einsätzen in Afrika gewachsen, wo er als Befehlshaber der deutsch-italienischen "Panzerarmee Afrika" 1941 und 1942 zeitweilig die Engländer bis nach Ägypten zurückdrängen konnte. Er galt fortan als der populärste General im Reich. Letztlich war er aber vor allem ein überaus ehrgeiziger Wehrmachtsoffizier, ein an das System angepasstes willfähriges Werkzeug im lange geplanten Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten. Er war auch beteiligt an Kriegsverbrechen, wie neuere Forschungen belegen.

Vielleicht in der Form zum letzten Mal hatte 2008/09 das Haus der Geschichte Baden-Württemberg mit einer großen Ausstellung dem "Mythos Rommel" gehuldigt. Bei Experten stieß die Schau vielfach auf Kritik. Es wurden militärische Gebrauchsgegenstände von Rommel präsentiert. Doch der Schrecken des Krieges wurde ausgespart: "Kein Bild zeigt uns verbrannte Panzer, jämmerlich verreckte Menschen und zerstörte Natur", schreibt Historiker Sternal. Dabei fanden rund 250 000 deutsche Soldaten den Tod im Afrikafeldzug.

Derweil ringt der Gemeinderat in Heidenheim um einen Beschluss zum Erwin-Rommel-Denkmal. Abreißen will es kaum jemand. Aber so wie es ist, soll es auch nicht bleiben. Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag des Heidenheimer Künstlers Rainer Jooß: "Vor das weiße Denkmal würde ich eine flache Stahlskulptur setzen, die einen Menschen an Krücken darstellt - das Opfer einer Landmine", erzählt Jooß. Die Skulptur solle einen Schatten auf den Namenszug des Generals werfen. "Er hat entlang der Front bei El Alamein unendlich viele Landminen vergraben lassen. Viele töten oder verletzen heute noch Menschen."

Weniger begeistert ist Franklin Pühn, der das Denkmal einst im Auftrag des Vereins Deutsches Afrikkorps geschaffen hat: "Ob das nun sinnvoll ist, die ganze Sache mit den Minen dem Rommel noch hinterherzuschießen, das kann man so oder so sehen", sagt der heute 94-jährige Bildhauer. Er habe das Denkmal bewusst schlicht gehalten, "um alles zu vermeiden, was nach Kriegsverherrlichung aussehen könnte".