Fußball-WM in Frankreich

Deutschlands Frauen besiegen Südafrika mit 4:0

Frank Hellmann

Von Frank Hellmann

Mo, 17. Juni 2019 um 20:00 Uhr

Frauenfussball

Drittes Spiel, dritter Sieg: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Frauen besiegte am Montagabend bei der WM in Frankreich Südafrika mit 4:0 (3:0).

Martina Voss-Tecklenburg hat den Fortgang der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei dieser WM als ganz eigene Tour de France tituliert. Ein passender Vergleich der Bundestrainerin eingedenk einer Vorrunde, die von Rennes in der Bretagne, über Valenciennes an der belgischen Grenze bis nach Montpellier am Mittelmeer geführt hat. Nach den ersten Etappen gegen China und Spanien mit zwei mühseligen 1:0-Siegen folgte im dritten Gruppenspiel gegen Südafrika ein ungefährdeter 4:0 (3:0)-Erfolg, der bisweilen Ähnlichkeit mit jenem lockeren Strandspaziergang hatte, den die deutschen Fußballerinen am Wochenende im Badeort La Grande-Motte unternahmen. Denn garantiert wird kein Gegner in der Defensive mehr solche Räume anbieten wie die Banyana Banyana. Melanie Leupolz (14.), Sara Däbritz (29.), Alexandra Popp (40.) und Lina Magull (58.) bedankten sich mit ihren Treffern.

Damit ist das erste Zwischenziel erreicht: Deutschland zieht mit der optimalen Ausbeute von neun Punkten und ohne Gegentor als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. Aber die Bergetappen kommen bei diesem Turnier erst noch. Das erste K.o.-Spiel findet dafür bezeichnenderweise in Grenoble in den französischen Alpen statt, wobei sich das DFB-Team nun auf einen Dritten der Gruppen A, C oder D als Gegner einstellen darf. Der Kontrahent wird erst nach Abschluss der Gruppenphase am Donnerstag feststehen.

Die Bundestrainerin hatte gegen den schwächsten Kontrahenten die angekündigten Rochaden begrenzt: Für Kathrin Hendrich, Lena Oberdorf und Lena Goeßling rückten Leupolz, Magull und Klara Bühl in die Startformation, was zwangsläufig eine offensivere Ausrichtung in dem 4-4-2-System ergab. Für das Führungstor brauchte es dann nur einen Eckball von Verena Schweers, bei dem sich Leupolz wohl selbst wunderte, wie unbehelligt die Mittelfeldspielerin einnicken konnte. Nur drei Minuten später hätte Popp eigentlich auf 2:0 erhöhen müssen, doch schoss die Kapitänin den von Torhüterin Andile Dlamini abgewehrten Ball nach einer feinen Kombination aus vier Metern über die Latte. Immerhin: Kurz vor der Pause glückte der 28-Jährigen mit einem mustergültigen Kopfball nach Maßflanke von Giulia Gwinn der ersehnte Treffer, der erkennbar viel Last von der zuletzt über Ladehemmung klagenden Sturmführerin nahm. Ihr ausgelassener Jubel mit der Riege der Ersatzspielerinnen war der beste Beleg, wie wichtig ihr das 47. Tor im 99. Ländersiel war.
Zwischendrin durfte Däbritz ihr zweites Turniertor schießen, als Südafrikas Torhüterin völlig unnötig nach einer eigentlich missglückten Schweers-Hereingabe das Spielgerät nicht festhielt. Das deutsche Team spielte insgesamt solide. Eine grobe Unsicherheit von Abwehrchefin Marina Hegering, zu viele Fehlpässe im Spielaufbau und die Nachlässigkeiten in der Schlussphase trübten ein wenig den Gesamteindruck. Wobei: Ein echter Gradmesser war dieses Gruppenspiel für die WM-Reife eben nicht.

Und so ließ sich auch über ein bisschen Schlendrian im zweiten Durchgang hinwegsehen. Bei einem Kopfball von Leupolz war Dlamini auf dem Posten (55.). Dann lenkte Südafrikas Torfrau einen Kopfball von Marina Hegering noch an den Pfosten, ehe Magull gedankenschnell zum 4:0 nachsetzte. Mit dem Wechsel von Lea Schüller für die etwas glücklose Bühl kam mehr Schwung in die Offensive, doch bei ihrer Balleroberung scheiterte Däbritz freistehend an der tapferen Dlamini (73.). Auf der Gegenseite konnte sich auch Almuth Schult auszeichnen, die den Alleingang von Thembi Kgatlana bravourös entschärfte (75.).

Das ansonsten recht einseitige Geschehen trübte die Stimmung der 15 502 Zuschauer im Stade de la Mossun nicht. Viele deutsche Fans waren offenbar aus den nahe gelegenen Urlaubsorten angereist und schickten heitere La-Ola-Wellen durch die Spielstätte, die schon 1998 eine WM in Frankreich erlebt hat. Daran dürfte auf der Tribüne auch Oliver Bierhoff gedacht haben, der an genau diesen Spielort prima Erinnerungen hat. Beim 2:0 gegen den Iran in der Gruppenphase hatte der mittlerweile für Frauen und Männer-Nationalmannschaften verantwortliche Direktor getroffen, dann gelang ihm wieder in Montpellier beim 2:1 gegen Mexiko der Siegtreffer in einem hochdramatischen WM-Achtelfinale. Nun erlebte der 51 Jahre alte Bierhoff im Beisein der Funktionärsriege mit den DFB-Frauen zwar einen nicht ganz so spannenden Spielverlauf, aber ordentliche Unterhaltung.