Trotz Inflationsangst

Die Baufinanzierung bleibt günstig

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

So, 07. März 2021 um 18:09 Uhr

Wirtschaft

Die Hypothekenzinsen steigen wegen der höheren Inflationserwartungen – aber nur geringfügig. Im historischen Vergleich ist die Baufinanzierung noch immer günstig.

Die Zinsen für Staatsanleihen steigen – in den USA, aber auch hierzulande. Zwar ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen mit aktuell minus 0,32 Prozent immer noch negativ. Aber der Anstieg ist deutlich. Ende vergangenen Jahres waren es noch minus 0,58 Prozent. Das hat auch Auswirkungen auf die Hypothekenzinsen. Die Konditionen haben angezogen, wie die Analyse der Finanzberatung FMH zeigt. War eine Baufinanzierung für zehn Jahre vor drei Monaten noch für im Schnitt 0,66 Prozent zu haben, sind es nun 0,78 Prozent.

"Selbst ein Prozent ist immer noch fast geschenkt. " Max Herbst

Max Herbst von der Finanzberatung FMH erwartet einen weiteren Anstieg auf mehr als ein Prozent bis zum Sommer. Trotzdem entwarnt er: "Selbst ein Prozent ist immer noch fast geschenkt". Hintergrund für den Zinsanstieg an den Anleihemärkten ist nach Angaben von Commerzbank-Volkswirt Hauke Siemßen die Furcht vor einer wieder stärkeren Inflation und höheren Realzinsen: "Bundesanleihen sind nicht immun." Und die Konditionen bei deutschen Staatspapieren sind entscheidend für die Hypothekenzinsen, weil die Banken darüber die Ausleihungen von Baugeld refinanzieren.

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), der wahrscheinlich noch zwei Jahre, wenn nicht noch länger bei null verharren wird, hat für Baugeld nur wenig Relevanz.

Zinsanstieg, aber kein "dickes Ende"

Generell gelte folgende Faustformel: Hypothekenzinsen liegen in der Regel einen Prozentpunkt über der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Auch andere Marktbeobachter sehen zwar einen Zinsanstieg, aber nicht das "dicke Ende", wie etwa Michael Neumann, Vorstandschef des Hypothekenvermittlers Dr. Klein sagt. Es spreche vieles dafür, dass die Bauzinsen auch 2021 günstig bleiben würden. "Ein Seitwärtstrend bei der Bauzinsentwicklung in 2021 ist daher sehr wahrscheinlich." Myriam Mohr, Vorständin bei Interhyp, sieht es ähnlich, auch wenn sich Bestsätze von weniger als 0,5 Prozent nicht mehr erreichen lassen werden. Allerdings sind die Zinsdifferenzen erheblich, weshalb Vergleichen lohnend ist. FMH zufolge liegen sie im Fünf-Jahres-Bereich zwischen 0,41 und 1,77 Prozent. Bei zehn Jahren reichen die Angebote für Baugeld von 0,50 bis 1,43 Prozent und bei 15 Jahren von 0,77 bis 1,79 Prozent.

Tatsächlich bleibt eine Baufinanzierung aber im historischen Vergleich weiter günstig. Vor drei Jahren waren für zehn Jahre im Schnitt noch 1,53 Prozent fällig, vor acht Jahren 2,59 und vor zehn Jahren sogar 4,05 Prozent. Im Jahr 2000 verlangten die Banken für eine Zehn-Jahres-Hypothek mehr als sechs Prozent, 1995 sogar rund neun Prozent. Das heißt auch, dass der- oder diejenige gut dran ist, der oder die jetzt eine vor zehn Jahre vereinbarte Hypotheken verlängern will oder muss: Staat mehr als vier sind jetzt weniger als 0,80 Prozent Zinsen fällig.

Herbst rät nicht vom Kauf einer Wohnung ab

Zins-Experte Herbst jedenfalls sieht keinen Grund, wegen der Zinsen für Baugeld vom Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zur Eigennutzung aktuell Abstand zu nehmen. "Die Finanzierung ist immer noch geschenkt und liegt unter der Inflationsrate". Entscheidend ist damit nach Ansicht von Herbst, ob die Immobilie passt und letztlich der Preis tragbar ist und angemessen erscheint. Generell rechnet auch er in diesem Jahr mit weiter steigenden Preisen für die eigenen vier Wände, allerdings mit einer flacheren Entwicklung als 2020. Da war es bei den Immobilienpreisen um rund acht Prozent nach oben gegangen, in den Städten teilweise um mehr als zehn Prozent.

Auf Konsumenten- und Ratenkredite hat der Renditeanstieg bei Anleihen nach Angaben von Herbst im Übrigen keine Auswirkungen. Dafür sei die Nullzins-Politik der EZB ausschlaggebend. Bei Ratenkrediten zeige die Tendenz sogar nach unten auf im Schnitt weniger als vier Prozent je nach Laufzeit. Für 36 Monate sind im besten Fall 1,69 Prozent möglich.