Interview

"Die Distanz der Generationen führt zu Vorurteilen"

Lisa Petrich

Von Lisa Petrich

Di, 15. Oktober 2019 um 12:29 Uhr

Freiburg

Die Bloggerin und Netzwerkerin Ria Hinken, hat das Projekt "Generationen im Gespräch" nach Freiburg gebracht. Im Interview erklärt sie, warum Alte und Junge mehr miteinander reden sollten.

Herausforderungen wie Klimakrise, Digitalisierung, Migration und Mobilität bestimmen die heutige Zeit. Wie Jung und Alt zu diesen Themen stehen, wird am Freitag, 18. Oktober, im Rahmen des bundesweiten Projekts "Generationen im Gespräch – Wir müssen reden" auch in Freiburg diskutiert. Dabei treffen sich Menschen über 65 Jahren und junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren.

BZ: Was ist so wichtig daran, dass sich ältere Personen mit Jugendlichen über Themen wie Fridays for Future und Flüchtlinge unterhalten?
Ria Hinken: Es geht darum, die immer größer werdenden Distanzen zwischen den Generationen zu verstehen und zu überbrücken. Die Distanz der Generationen führt zu Vorurteilen und Annahmen über die jeweils andere Generation. So kann es passieren, dass die Älteren bei ihren demokratischen Entscheidungen nicht (mehr) die Zukunft der Jungen im Blick haben. Aktuellstes Beispiel ist der Brexit. Aber auch die Jungen haben oft wenig Verständnis für die aktuellen Bedürfnisse der Älteren. Hinzu kommt, dass wir heute nicht mehr mit mehreren Generationen zusammenleben. Soziale Netzwerke sind keine Alternative zum persönlichen Austausch im Gespräch.


BZ:
Gibt es Themen, die ein besonderes Konfliktpotenzial beinhalten?
Hinken: Lassen Sie es mich am Beispiel des Klimaschutzes aufzeigen: Dass wir das Klima schützen müssen, darin sind sich alle einig. Wenn es jedoch um das "wie" geht, dann kommen sehr schnell heiße Diskussionen auf. "Die sollen lieber zur Schule gehen, statt zu demonstrieren", hört man immer wieder. In öffentlichen Debatten wird der Jugend oft vorgeworfen, dass sie zwar für den Klimaschutz sei, sich aber von den Eltern mit dem SUV zum Sport oder zur Disko fahren lasse.

"Ich kann mir vorstellen, dass es da zu interessanten Streitgesprächen kommt."


BZ:
Und die Älteren?
Hinken: Die sind gerne mit den klimaschädlichen Kreuzfahrtschiffen unterwegs oder machen eine Urlaubsreise nach der anderen, wenn die Finanzen es zulassen. Ich kann mir vorstellen, dass es da zu interessanten Streitgesprächen kommt.


BZ:
Das Projekt findet nach dem Auftakt in Freiburg noch in neun weiteren Städten in Deutschland statt. Wie kam es dazu, dass Sie "Generationen im Gespräch" nach Freiburg gebracht haben?
Hinken: Ende Mai diesen Jahres war ich im Auswärtigen Amt in Berlin bei den "Future Affairs". Dort habe ich Silke Ramelow, Vorstand vom Verein BildungsCent, kennengelernt. Sie hat mir von dem Projekt "Generationen im Gespräch – Wir müssen reden" erzählt. Spontan kam mir der Gedanke, dass dieses bundesweite Projekt nach Freiburg gehört.
"Ich wünsche mir, dass wir in einen konstruktiven Dialog eintreten."


BZ:
Gibt es Themen, die Sie für besonders wichtig halten?
Hinken: Aktuell haben wir da eine große Auswahl. Den Klimaschutz, die Digitalisierung, Migration, Mobilität, bezahlbarer Wohnraum, Zustand der Demokratie – um nur einige zu nennen.


BZ:
Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?
Hinken: Ich wünsche mir, dass wir in einen konstruktiven Dialog eintreten. Miteinander und nicht gegeneinander muss unser Motto sein. Wenn daraus Projekte entstehen, finde ich das großartig. Für mich persönlich wäre es auch ein Erfolg, wenn wir langfristig im Gespräch und damit im Austausch bleiben würden.
Das Projekt
"Generationen im Gespräch – Wir müssen reden" findet am Freitag, 18. Oktober, von 9.30 bis 17 Uhr im Bürgerhaus Zähringen, Lameystraße 2, statt. 30 Menschen zwischen 16 und 24 Jahren tauschen sich mit 30 Menschen ab 65 Jahren in kleinen Gruppen über aktuelle Themen aus. Anmeldung telefonisch über Tel. 030/610814496, als Mail an generationen@bildungscent.de oder über ein Formular unter wirmuessenreden.net/freiburg. Es werden vor allem noch junge Menschen gesucht.



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