Die Fahrradfahrer sind jetzt gefragt

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 04. März 2023

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Damit im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald mehr Alltagswege umweltfreundlich mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, erarbeitet das Landratsamt ein Radverkehrskonzept. Am Montag startet eine Online-Bürgerbeteiligung.

Der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald hofft, dass sich möglichst viele Radfahrerinnen und Radfahrer aus der Region dazu äußern werden, wo es bei ihnen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zur Schule noch hakt. Dabei könne es um komplett fehlende Verbindungen gehen, erklärt Dominik Tönnes vom Planungsbüro Via aus Köln, das das Konzept erstellt. Genauso wichtig seien aber auch Hinweise zu Gefahrenstellen, nicht ausreichend breiten Wegen, einer fehlenden Beleuchtung oder einem holprigen Untergrund.

Ein erster Entwurf für ein Streckennetz sei bereits mit den Gemeinden des Landkreises, den Nachbarlandkreisen, der Stadt Freiburg und dem Regierungspräsidium abgestimmt, sagt Michael Wunderlich, zuständiger Projektleiter beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald. Das Planungsbüro hat hierzu Straßen und Wege in der Region analysiert, Defizite herausgearbeitet und untersucht, wo es besonders viel Potenzial für neue Radverkehrsstrecken gibt. Schnell, ohne Umwege und mit möglichst wenig Steigung: "Der Alltagsradfahrer will direkt ans Ziel", sagt Dominik Tönnes.

Damit habe dieser andere Ansprüche als ein Freizeitradler oder ein Tourist. Dennoch werde das Konzept das bereits bestehende Radwegenetz in der Region mit einbeziehen. Auch die vorgesehenen Trassen für die geplanten Radschnellverbindungen sollen berücksichtigt werden.

Das Konzept wird aber nicht nur vom Schreibtisch aus erarbeitet: Um die möglichen Routen aus Sicht des Radfahrenden beurteilen zu können, so erklärt Dominik Tönnes, würden Fahrradfahrer im Auftrag des Planungsbüros das vorgeschlagene Streckennetz – insgesamt mehr als 1000 Kilometer – abfahren. Diese seien mit Smartphones und "Action Cams", also Kameras, unterwegs, um alles genau zu dokumentieren.

Für die beste Routenplanung und den letzten Feinschliff sollen die Hinweise aus der Bevölkerung sorgen. Auch Verbände oder Gruppierungen sind dazu aufgefordert, an der Online-Beteiligung teilzunehmen. Denn es gebe durchaus Konflikte zwischen verschiedenen Interessen, sagt Michael Wunderlich, etwa mit der Landwirtschaft. Das hätten die Planungen zu den Radschnellwegen gezeigt.

Geplant sei, das Konzept bis Anfang 2024 fertigzustellen, sagt Tönnes. 100.000 Euro investiert der Landkreis in die Planungen, 50 Prozent schießt das Land zu. Richtig teuer wird es allerdings erst, wenn die Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden sollen. Für diese Kosten müssten dann, so erklärt Wunderlich, diejenigen aufkommen, die für die jeweiligen Straßen verantwortlich sind – also die Gemeinden, der Landkreis oder das Land. Diese würden auch über die Priorisierung der Ideen entscheiden. Aber drohen die Planungen dann nicht in der Schublade zu verschwinden, weil das Geld überall knapp ist? Wunderlich glaubt das nicht. Er sei "fest davon überzeugt", dass das Konzept umgesetzt wird – eine bessere Radmobilität, so betont er, sei schließlich ein wichtiger Beistand zur notwendigen Verkehrswende.

Anregungen zum geplanten Radwegekonzept können Bürgerinnen und Bürger ab Montag, 6. März, über die Internetseite http://www.wegedetektiv.de/bhsrad einbringen. Diese Onlinebeteiligung läuft bis zum 2. April.