Die Feier zwischen Amboss und Esse

Boris Burkhardt

Von Boris Burkhardt

Fr, 06. September 2019

Rheinfelden

Am Samstag findet in Nollingen das elfte Schmiedefest statt.

NOLLINGEN. Das traditionelle Schmiedefest in Nollingen verbindet am Samstag, 7. September, rund um die Dorfschmiede einen gemütlichen Hock mit dem Einblick in ein selten gewordenes Handwerk.

"Die Leute im Dorf fragen immer wieder an, wann denn das Schmiedefest stattfindet", berichtet Markus Dreyer, Vorsitzender des Vereins Schmiedezunft Nollingen. 2009 fand das kleine gemütliche Vereinsfest in der Schmiede neben der Hebelhalle erstmals statt, um den damals erst zwei Jahre alten Verein finanziell zu unterstützen. Am Samstag, 7. September, lädt der Verein ab 11 Uhr zum elften Mal ein. Die Schmiede ist mittlerweile finanziert, wie Dreyer sagt. Aber das Fest sei zu einem festen Bestandteil des Nollinger Kalenders geworden und ziehe nicht nur viele Nollinger, sondern immer auch auswärtige Interessierte an.

Nicht alltäglich ist nämlich der Blick in das Schmiedehandwerk, den einige der acht Schmiede des Vereins den Besuchern gewähren. Mit Hammer und Amboss werden einfache Figuren und Ornamente hergestellt. Die Nollinger Schmiede stellen in erster Linie Eisenschmuck für Haus und Garten her. Auch Hufeisen gehören auf Wunsch ins Programm. Dabei lernen die Zuschauer Bearbeitungsmethoden wie das Spalten kennen, bei dem das Metall mit dem Meißel getrennt wird, sowie das Lochen, bei dem anschließend mit dem Rund- oder Vierkantdorn Löcher ins Metall gedrückt werden.

Auf das Feuerschweißen, mittels dessen der Schmied zwei Metallstücke, zum Beispiel für Ketten oder Geländer, miteinander verbindet, verzichten die Nollinger Schmiede, weil dabei Funken und glühendes Metall herumspritzen. Die Vorführungen in der Schmiede finden um 14 und 16.30 Uhr statt.

Neben Dreyer sind im Verein Gert Lenggeter, Thomas Findling, Georg Götting, Felicitas Röver, Bernd Sänger und Winfried Schramm als Hobbyschmiede aktiv; sie alle sind laut Dreyer "Angelernte" oder haben ihr handwerkliches Können in der Gewerbeschule erlernt. Sie kommen aus Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen und Lörrach. Der Nollinger Franz Schitterer ist der Profi im Verein. Der heute 75-jährige war Lehrling des letzten Inhabers der alten Nollinger Dorfschmiede, Adolf Häbig, der sein Gewerbe 1977 abmeldete. Die Schmiede wurde dann vom Hobbyschmied Gerd Hänseler genutzt, der gelegentlich Schulklassen einlud. Als 2003 das Gebäude verkauft wurde und abgerissen werden sollte, musste die denkmalgeschützte Einrichtung, die rund 300 Jahre alt ist, irgendwo anders unterkommen. 2007 gründete sich der Verein, baute ein neues Gebäude und richtete die Schmiede mit seinem ursprünglichen Inventar ein; lediglich die Esse musste durch eine jüngere ersetzt werden.

Auch am neuen Standort sind regelmäßig Schulklassen zu Besuch, vor allem Gewerbeschüler, aber auch erwachsene Gruppen. Hauptaufgabe des Vereins sind aber die Schmiedekurse zweimal im Jahr, von denen einer am 11. September beginnt. Sie sind begehrt, es gibt bereits Wartelisten, da immer nur vier Personen an einem Kurs teilnehmen können.

Die meisten Nollinger, weiß Dreyer, kommen jedoch wegen der Geselligkeit und der Verköstigung zum Schmiedefest: Zwischen der Schmiede und dem Werkzeugschuppen schützt eine Plane vor eventuellem Regen. Es gibt Gegrilltes, Pommes-Frites und im Vereinslokal über der Schmiede Kaffee und Kuchen. Ab 12 Uhr spielt der Musikverein Nollingen, das Fest läuft am frühen Abend aus. 40 Helfer arbeiten in zwei Schichten. "Vergangenes Jahr war um 16 Uhr bereits das Essen ausverkauft", erinnert sich Dreyer lachend: "Aber wir konnten dank guter Beziehungen zum Pommes-Frites-Lieferanten für Nachschub sorgen. So funktioniert das in Nollingen."

Schmiedefest: Dorfschmiede Nollingen, Dürerstraße 20a, Samstag, 7. September, ab 11 Uhr, Vorführungen 14 und 16.30 Uhr.