Beispiel Kreis Waldshut

Die Gastronomie steht vor einem harten Pandemie-Winter

Verena Wehrle

Von Verena Wehrle

Do, 24. September 2020 um 15:01 Uhr

Kreis Waldshut

Sinken die Temperaturen, geht auch der Umsatz in der Gastronomie zurück. Gartenwirtschaften werden abgebaut und drinnen wird es mit dem Virus schnell zu eng. Doch es gibt Hilfen.

Die Sommersaison ist fast vorbei, die Gartenwirtschaften werden bald abgebaut. Sinken die Temperaturen, geht erfahrungsgemäß auch der Umsatz in der Gastronomie zurück. Und drinnen in den Restaurants könnte es zudem wegen der Corona-Abstandsregeln eng werden. Im Winter steht Wirten nur ein Teil der Fläche zur Verfügung. Der Dehoga-Kreisvorsitzende sagt, in welchen Betrieben sich Gäste auch im Innenbereich sicher fühlen könnten.

Warum ist der Winter schwierig für die Gastronomie?
"Der Winter wird schwierig, da bedingt durch die Abstandsregeln nur ein Teil der gastronomischen Fläche zur Verfügung steht", sagt Hermann Pfau, Vorsitzender des Kreisverbands Waldshut des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Auch Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf sagt: "Die Corona-Pandemie mit all ihren Folgen hat den Tourismus sowie Gastronomie und Hotellerie im Land hart getroffen.

Allerdings haben sich die Einbußen sehr unterschiedlich entwickelt. Vor allem Freiluftgastronomie und Hotelbetriebe in und um bekannte Ferienregionen konnten über den Sommer teilweise etwas durchatmen und sich wieder über Gäste freuen." Alle Erfahrungen des Sommers würden darauf hindeuten, dass, sobald die Temperaturen sinken und das Wetter schlechter würde, Gastronomie und Hotellerie nochmals sehr harte Wochen bevorstünden.

Haben Menschen Angst, in einem Restaurant zu sitzen?
Viele Menschen seien im Freien aktiv und besuchten draußen Gastronomiebetriebe, so Wirtschaftsminister Guido Wolf. Vor Begegnungen in geschlossenen Räumen hätten viele nach wie vor großen Respekt. Dazu sagt Hermann Pfau vom Dehoga-Kreisverband: "Die letzen Monate hatte jeder Gastronom die Möglichkeit, Vertrauen bei den Gästen zu gewinnen, indem er Abstandsregeln und Hygienevorschriften eingehalten hat." Er betont: "Die Gäste können sich in diesen Restaurants auch drinnen sicher fühlen."

Wie wirkt sich der Winter auf den Umsatz aus?
"Durch die stabile Wetterlage sind all die mir bekannten Gastronomen aktuell gut ausgelastet", informiert Pfau mit Blick auf die Situation im Kreis Waldshut. Aber: Wenn die Außengastronomie wegen der kalten Temperaturen wegfällt, erwartet Hermann Pfau für die Gastronomie einen erneuten Umsatzrückgang. Dieser soll seiner Einschätzung nach bis zu 40 Prozent betragen.

Welche Hilfen bietet das Land für die Gastronomie ?
Das Kabinett hat am 15. September die Verlängerung und Ausweitung der Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe beschlossen. Anträge können künftig bis 20. November 2020 gestellt und bei der Berechnung des dreimonatigen Förderzeitraums auch der Dezember herangezogen werden. So hoch ist die Förderung: Betriebe, die mindestens 50 Prozent ihres Umsatzes im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erzielen, erhalten wie bislang für einen Zeitraum von drei Monaten eine einmalige Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 3000 Euro zuzüglich 2000 Euro für jeden Beschäftigten. Der Betrag wird bei 100 Prozent Arbeitszeit fällig, und fällt bei Teilzeitbeschäftigten entsprechend geringer aus. "Das Land setzt ein gutes Zeichen für unsere starke Branche. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht absehbar, ob damit alle Betriebe gerettet werden können", sagt Hermann Pfau. Die Verlängerung der Stabilisierungshilfe halte er jedoch für eine gute Entscheidung, da bei sehr vielen Betrieben nach Wegfall der Außengastronomie ein erneuter Engpass zu erwarten sei.

Warum werden nun auch Mischbetriebe gefördert?
Nun sollen auch Personen eine Förderung erhalten, die mindestens 30 Prozent ihres Umsatzes im Gastgewerbe erzielen – sogenannte Mischbetriebe. Dazu zählen etwa Bäckereien mit einem Café oder Metzgereien mit Mittagstisch oder Cateringservice oder auch Freizeitparks. Für Betriebe, die zwischen mindestens 30 Prozent und 50 Prozent ihres Umsatzes im Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes erwirtschaften, wird eine neue Förderstufe eingeführt. Sie erhalten für einen Zeitraum von drei Monaten eine einmalige Liquiditätshilfe in Höhe von bis zu 2000 Euro zuzüglich 1000 Euro für jeden Beschäftigten. Die Erfahrungen der ersten zwei Monate hätten laut Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gezeigt, dass auch viele Unternehmen, die nur teilweise gastgewerblich tätig seien, ähnlich schwer von den Folgen der Pandemie sind wie klassische Betriebe.

Was müssen die Antragsteller alles beachten?
"Betriebe, die bereits von dieser Stabilsierungshilfe profitiert haben, können keinen weiteren Antrag stellen", erklärt Alexander Vatovac, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK). Die IHK überprüft die Anträge, die von den Betrieben eingehen und leitet sie dann weiter. Die Bewilligung und Auszahlung erfolgt dann durch die L-Bank. "Antragsteller sollten sich informieren, welches Programm – Stabilisierungs- oder Überbrückungshilfe – für sie besser geeignet ist", so Vatovac. "In Abhängigkeit des Liquiditätsengpasses und der Beschäftigtenanzahl kann es sein, dass eines der beiden Zuschussprogramme attraktiver ist, als das andere", sagt er. Bei entsprechendem Liquiditätsengpass könnten beide Hilfen beantragt werden. Zur Abklärung lohne sich ein Anruf beim Dehoga oder bei der zuständigen IHK. Mischbetriebe sollten zudem genau überprüfen, ob tatsächlich mehr als 30 Prozent des Umsatzes aus dem Bereich des Hotel- und Gaststättengewerbes stammt.