Erster Weltkrieg

Die Geschichte eines Mannes, der seine elsässische Heimat verlor

Martin Graff

Von Martin Graff

Fr, 02. November 2018 um 21:30 Uhr

Südwest

BZ-Plus Der Kaufmann Paul Siebler-Ferry war einer von 60.000 Altdeutschen im Elsass. Der Krieg war auch für ihn eine Zeitenwende: Nach dem Kriegsende 1918 schlug ihm Hass entgegen.

Es ist bezeichnend, wie unterschiedlich dieser Tag diesseits und jenseits des Rheins begangen wird. Die Deutschen feiern am 11. November den Beginn der Fasnacht, die Franzosen das Ende des Ersten Weltkrieges. Le onze novembre ist in Frankreich ein Feiertag.

"Ich bin irritiert durch dieses beunruhigende Schauspiel von zu viel Erinnerungskultur hier und zu viel Vergessen dort, oder anders ausgedrückt, dem Einfluss von Gedenkfeiern und dem Missbrauch des Gedenkens – und des Vergessens. Zum richtigen Gedenken anzuregen, ist deshalb eines meiner Hauptanliegen", schreibt der Philosoph Paul Ricoeur und Lehrer des derzeitigen französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in seinem Opus "Das Gedächtnis, die Geschichte, das Vergessen".

Wie aber richtig gedenken? Indem man sich der einzelnen Menschen erinnert, die unters Mühlrad der Geschichte gekommen sind. Wie die Familie von Paul Siebler-Ferry, der aus Lenzkirch stammte und der in Straßburg ein angesehener Kaufmann war. Bis der Krieg auch für ihn die Zeitenwende brachte. Und den Verlust seiner elsässischen Heimat.

Wir schreiben den 11. November 1918, den Tag des Waffenstillstands im Ersten Weltkrieg. Paul Siebler-Ferry aus Lenzkirch und seine Frau May aus Portland, USA, stehen im ersten Stock hinter den Vorhängen des abgedunkelten Wohnzimmers ihrer Straßburger Wohnung, Gutenberg Platz 1. Eine Gruppe junger Elsässer brüllt vor dem Haus: "Vive la France, merde la Prusse, schmissa di Schwowa zum Ländel nuss."

Paul Siebler-Ferry stellt sich unerschrocken dem Mob
Steine zerschmettern die Scheiben des Haushaltswarengeschäfts. May bricht ...

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