Verlassene Orte

Die Jagd nach dem Verfall: Lost Places im Schwarzwald

Uwe Baumann

Von Uwe Baumann

Sa, 04. Juli 2020 um 10:12 Uhr

Südwest

BZ-Plus Bilder von Lost Places sind im Internet sehr populär. Doch was reizt so viele an modernen Ruinen und verlassenen Orten? Eine Spurensuche zwischen Freiburg und Baden-Baden.

Sie steigen durch offene Fenster und krabbeln in dunkle Keller, immer auf der Jagd nach dem Verfall: Freunde des Hobbys Urban Exploration, kurz Urbex. Besonders begehrt sind bei diesen Erkundungen Gebäude, die scheinbar seit Ewigkeiten unberührt sind. Auch im Schwarzwald finden sich solche vergessenen Orte, wie wir auf unserem Streifzug feststellen.

Mit Kameras ziehen wir los
Im strömenden Regen nähern wir uns dem Ziel. Unter einer verfallenen Tankstelle sitzt ein älterer Herr in langem schwarzen Mantel und dichtem grauen Bart auf einem alten Sofa. Neben ihm schnurrt ein Kätzchen. Beide wärmen sich an einem prasselnden Feuer. "Urrr – bee – xerr sind Sie? Na dann können se rein. Sie machen ja nur Fotos und veranstalten da drinnen nichts." 10 Euro pro Stunde möchte der Verwalter für unseren Fotospaß im "Hunter’s Hotel" mitten im Schwarzwald, wie der Lost Place ("vergessener Ort") im Jargon der Urban Exploration genannt wird. Klarnamen sind in der Szene verpönt – sie könnten Geheimnisse verraten und den Spielplatz der Verfallsfreunde zerstören. Als sich dann die Tür des altehrwürdigen Kurhauses knarzend hinter uns schließt, stehen wir im staubigen Halbdunkel zwischen Jugendstil und Plunder. Mit Taschenlampen tasten wir uns mutig vor – in unser Patina-Paradies, wie wir bald feststellen werden.

Der Reiz des Dazwischen
Was treibt Menschen an, sich teils illegal und unter Lebensgefahr in modernen Ruinen herumzutreiben, nur um ein Foto von verschimmelten Betten oder löchrigen Böden zu machen?

In Zeiten von Mikroabenteuer, Nostalgie und Ausflügen ins "Retroland", wie der Historiker Valentin Gröbner 2019 die touristische Sehnsucht nach Historie bezeichnete, liegt die Suche nach "blinden Flecken" auf der Landkarte nahe. Für Guy Debord sind das Orte, an denen die Zivilisation noch nicht alles überformt hat und die daher echtes Abenteuer ermöglichen. Die Suche nach solchen authentischen Erfahrungen abseits der Masse sei die Konsequenz einer scheinbar erschlossenen und zunehmend vernetzten Welt, sagte Debord schon ...

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