Die Kunst des Ausdrucks von Emotionen ohne Worte

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Mo, 03. Februar 2020

Lahr

Das Duo Mimikry bringt die Zuschauer im Lahrer Stiftsschaffneikeller zum Kichern und Nachdenken und bereitet so zwei vergnügliche Stunden.

LAHR. Hat es doch Ronan Keating schon so schön geschnulzt: "You say it best, when you say nothing at all." Wie gut man sich ausdrücken kann, ohne ein Wort zu sagen, das haben Elias Elastisch und Nicolas Rocher alias Duo Mimikry am Freitagabend im Lahrer Stiftsschaffneikeller zum Vergnügen des Publikums demonstriert. Zum Kichern und zum Nachdenken war das, immer in einer schön ausgewogenen Folge von Emotionen, in die man als Zuschauer hineingezogen wurde.

Unter die Rubrik Kichern fiel schon die Kulisse: Eine schwarze Wand – über die immer wieder Pappschilder mit rudimentären Informationen in Großbuchstaben gehängt wurden: "Umbau" wurde da an der Schnur heruntergelassen. "Pause" und "Ende" natürlich auf die gleiche Weise angekündigt.

Zwischen den Szenen ließen die beiden Künstler immer wieder ihre gespreizten Finger wie Spinnenbeine über die Oberkante der schwarzen Wand krabbeln oder lieferten sich witzige Hakel-Duelle. Bisweilen wurde der Szenenwechsel als aufreizender Männerstrip zelebriert – köstlich!

Kichern und Nachdenken miteinander verbunden haben dann die in Szene gesetzten "Visual Short Stories". Wird man zum Beispiel in die Glitzerwelt des Varietés in Las Vegas entführt, so entlarven die beiden nicht nur die Oberflächlichkeit dieser Shows, sondern zeigen auch die dort vermutlich vorherrschende Rollenverteilung: Hier der Zauberer, dort die Assistentin mit sehr weiblichen Attributen, nur dazu da, dem Meister zur Hand zu gehen. Hauptsache Dekolleté und Frisur sitzen, egal was passiert.

Ganz in Nachdenklichkeit bleibt der Sketch "Berlin 2020". Ein Obdachloser durchwühlt Mülleimer nach Ess- und Trinkbarem, geht unter dem Soundtrack von Straßenlärm zu Containern. Dass er zehn Jahre früher noch mit Anzug und Krawatte zur Arbeit gegangen ist, dann gekündigt wurde, den Frust im Alkohol zu ertränken begonnen hat, in der Folge Frau, Kinder und Wohnung verloren hat – ein Schicksal, dessen Realitätsbezug einem hier ganz ohne Worte wieder bewusst gemacht wird.

Damit nun aber diese Betroffenheits-stimmung nicht zu sehr runterzieht, gibt es gleich im Anschluss den "Vampir". Unter wuchtiger Johann-Sebastian-Bach-Orgelkulisse erwacht der Blutsauger, sieht sich im Publikum nach Opfern um, hat aber mit allzu menschlichen Problemchen zu kämpfen. Ihn plagt ein Hexenschuss, sein Gebiss fällt ihm heraus, und zu guter Letzt wird er mitten in der Nacht von seinem eigenen Nachwuchs bis zum Umfallen ausgesaugt. Das lässt die Besucher glucksend und kichernd in die Pause gehen.

Auch die zweite Halbzeit hat viel zu bieten: Zwei Schlipsträger im Aufzug, die sich näher kommen als sie wollen, eine Puppenspieler-Nummer, bei der sich die Rollen im Laufe der Szene vertauschen, so dass einem das Lachen beim Nachdenken über die Entwicklungen in der Roboter-Welt schon im Halse stecken bleiben kann.

Spagat zwischen Empörung und Schadenfreude

Makaber wird es in der Geschichte über die Neueröffnung eines Bestattungsinstituts. Da werden in immer aberwitzigeren Szenarien Kunden (sprich Leichen) gewonnen und sich auch beim Flugzeugabsturz in Vorfreude auf das lukrative Geschäft die Hände gerieben. Das Publikum im schummrigen Keller macht einen emotionalen Spagat zwischen Empörung und Schadenfreude und bedankt sich mit ordentlichem Applaus für die zwei Stunden vergnügliche Unterhaltung.