Heiligenzell

Die Linde im Garten des ehemaligen Klosters soll Naturdenkmal werden

Ekkehard Klem

Von Ekkehard Klem

Mo, 18. November 2019 um 17:15 Uhr

Friesenheim

Heiligenzell verlor seine zwei Naturdenkmäler durch den Orkan Lothar und einen Pilzbefall. Nun ist die Linde im Klosterhof zur Ernennung vorgeschlagen.

Wenn morgen, Mittwoch, der Ortschaftsrat Heiligenzell grünes Licht gibt, wird die Ortschaft Heiligenzell bald im Besitz eines geschützten Naturdenkmals sein. Es geht um eine prächtige Linde im ehemaligen Kloster, die der Ziegeleifabrikant Graumann gepflanzt hat, als das Gelände noch zur Ziegelei gehörte. Das Anwesen gehört heute der Gemeinde Friesenheim.

Der Orkan Lothar vernichtete vor 20 Jahren nicht nur große Teile des Friesenheimer Gemeindewaldes, er reduzierte auch die vorhandenen Naturdenkmäler in der Gemeinde Friesenheim. Der Ortsteil Heiligenzell hatte den kompletten Verlust seiner beiden unter Naturschutz stehenden Bäume zu beklagen: Die knorrige Eiche beim Heiligenzeller Soldatengrab wurde vom Sturm geworfen und musste gefällt werden.

Die große Sommerlinde am St. Josefshaus, das zweite Naturdenkmal, musste wegen eines starken Pilzbefalls beseitigt werden. Sie wurde 1930 durch die katholische Kirchengemeinde Herz Jesu Heiligenzell gepflanzt und beschattete den damaligen Spielplatz des Kindergartens im St. Josefshaus. Vor Ort findet man heute nur noch eine verwitterte Wurzelscheibe, die den ehemaligen Standort des Baumes erahnen lässt.

Dampfziegeleibesitzer Hermann Graumann pflanzte den Baum

Als das Heiligenzeller Kloster, das bis 2014 als Schwesternhaus der Franziskanerinnen aus Gengenbach diente, in Eigentum der Gemeinde Friesenheim überging, wurde das Klostergelände mit seinem großen Garten öffentlich zugänglich. Die weit ausladende Linde neben dem Hauptgebäude wurde von der Öffentlichkeit neu wahrgenommen.

Der Dampfziegeleibesitzer Hermann Graumann erbaute 1850 an der heutigen Heiligenzeller Hauptstraße eine herrschaftliche Villa. In seinem großen Lust- und Gemüsegarten pflanzte er zwischen dem Hauptgebäude und seiner Verwaltung eine Linde, die heute zu einem schützenswerten Baum herangewachsen ist und dieses Jahr ein Alter von 169 Jahren erreicht hat.

In der Sitzung des Ortschaftsrats am Mittwoch, 19.30 Uhr, im Schlössle, wird Ortsvorsteherin Brigitta Schrempp dem Gremium die Anerkennung der Linde im Klosterhof als Naturdenkmal vorschlagen. Bei einem zustimmenden Beschluss könnte der Baum durch das Landratsamt in die Liste der Naturdenkmäler eingetragen werden.