Corona-Impfung

Die Nachfrage nach Impfungen bei Hausärzten im Raum Lahr ist groß

bnh, hfz

Von Bastian Bernhardt & Hannah Fedricks Zelaya

Mi, 07. April 2021 um 20:00 Uhr

Lahr

Die Liefermengen der Impfdosen gegen das Coronavirus sind in der Region Lahr sehr unterschiedlich. Ärzte führen zum Teil lange Wartelisten.

Seit dieser Woche können Hausarztpraxen gegen das Coronavirus impfen – wenn sie genügend Impfdosen zugeteilt bekommen haben. Die Verteilung in der Region ist dabei unterschiedlich ausgefallen, die Nachfrage nach der Impfung ist jedoch bei sämtlichen Hausärzten sehr hoch.

158 Hausarztpraxen, die impfen möchten, haben sich auf Nachfrage der Kassenärztlichen Vereinigung (KVBW) gemeldet. Laut KVBW stehen jedem Arzt pro Woche zunächst 18 Impfdosen zu – in drei bis vier Wochen sollen die Mengen zunehmen. Die Dosen werden laut Doris Reinhardt, Pandemiebeauftragte des Ortenaukreises, per landesweiten Quotierungen verteilt – je nach Anzahl der Ärzte und den verfügbaren Dosen.

Die Ärzte des Ettenheimer Praxiszentrums Friedrichstraße – eine Corona-Schwerpunktpraxis – hatten Glück: "Wir haben bei der Apotheke die maximal mögliche Anzahl an Impfdosen bestellt und sie auch fast bekommen", sagt Boris Weber. Insgesamt hat die Praxisgemeinschaft von sechs Ärzten 216 Dosen zugeteilt bekommen. Die Hälfte davon ist bereits am Mittwoch verimpft worden, die zweite Hälfte soll am Freitag folgen.

Reinhard Ablaßmeier ist einer der Ärzte, die nur die Mindestmenge an Impfdosen zugeteilt bekommen haben. Er startet in seiner Praxis in Allmannsweier am heutigen Donnerstag mit den Impfungen. "Ich erwarte, dass es stressig wird, das mit diesem ungeheuren bürokratischen Aufwand neben dem Tagesgeschäft noch zu machen", sagte Ablaßmeier der BZ am Mittwoch. "Die Impfdosen sind schon alle ausgebucht – und die nächsten Lieferungen auch", sagt Ablaßmeier.

Praxis richtet ein Online-Portal ein

Auch in Ettenheim sind keine Impfdosen mehr frei. Die Praxis hat eigens ein Online-Portal eingerichtet, über das sich Impfinteressierte melden können. Per Mail bekommen sie dann einen Impftermin sowie die nötigen Unterlagen schon zugeschickt, mit der Bitte, diese schon vorab auszufüllen. Arzt Boris Weber sagt: "Auf Dauer muss das Bürokratische in den Hausarztpraxen schlanker laufen." Die Nachfrage sei sehr groß: "Wir quellen über vor Anfragen." 400 Interessierte haben sich für diese und kommende Woche bereits angemeldet. Zusätzlich hatte die Praxis vorab eine Liste der Über-80-Jährigen zusammengestellt und einige Patienten vorausgewählt. "Als erste Gruppe haben wir die geheingeschränkten Patienten geimpft. Dafür haben wir unser Test-Drive-Through umfunktioniert zur Impfstraße und die Leute im Auto geimpft, damit sie nicht in die Praxisräume kommen müssen." Das habe sehr gut funktioniert.

50 bis 100 Anrufe von Interessierten − pro Tag

Von einem Ansturm Impfwilliger berichtet auch Hausarzt Felix Schneider in Neuried-Ichenheim, der seine Praxis gemeinsam mit Vater Willy Schneider betreibt. "Wir beschäftigen eine Helferin, die derzeit ausschließlich das Telefon betreut. Es steht nicht still", berichtet er. 50 bis 100 Anrufe kämen pro Tag mit der Bitte um einen Impftermin. Die Interessentenliste sei inzwischen rund 200 Personen lang, sagt Schneider. Diese Liste arbeiten die beiden Ärzte nun nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ab und vergeben je nach Dringlichkeit frühere oder spätere Termine. Interessant: "Ursprünglich haben wir unsere Patienten und Patientinnen, die älter als 80 Jahre sind, selbst angerufen und das Interesse an einer Impfung abgefragt – aber gefühlt sechs von zehn hatten ihre Impfung inzwischen." Daher warte man nun darauf, dass Patienten sich selbst melden.

Termine an Impfzentren sollten nicht storniert werden

Doris Reinhardt, die Pandemie-Beauftragte im Ortenaukreis, bestätigt, dass die bestehende Priorisierung auch für Hausärzte gilt: "Vor allem die nicht gehfähigen Ü-80-Personen, die in der häuslichen Umgebung wohnen, können nun zuhause geimpft werden. Dann die Ü-70er."

Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, kann Boris Weber noch nicht sagen: "Wir haben am Dienstag für die kommende Woche bestellt, können aber nicht sagen, wie viel wir bekommen, da es nur begrenzte Liefermengen gibt." Auch wie sich die Organisation gestalte, wenn in sechs Wochen die Zweitimpfungen anstehen, sei noch nicht klar.

Geimpft wird bisher mit dem Impfstoff von Biontech. In drei Wochen soll laut Doris Reinhardt Astrazeneca dazukommen. Wer schon einen Termin in einem Impfzentrum hat, sollte diesen nicht stornieren. "Und Impfungen, die bereits in den Impfzentren begonnen wurden, müssen dort auch beendet werden."