"Diese Zeit nicht nur absitzen"

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 08. Mai 2020

Freiburg

DREI FRAGEN AN Marina Leibfried von der Initiative "AllWeDo" zu geplanten Online-Stadtteilkonferenzen in Haslach und Vauban.

FREIBURG. Manche haben plötzlich viel Zeit, andere vor allem viele Sorgen: Wie können die Menschen mit der Corona-Krise umgehen? Der Verein "Allianz für werteorientierte Demokratie" ("AllWeDo") will Einzelne, Vereine und Unternehmen in ihren Quartieren miteinander ins Gespräch bringen. Am 12. und 19. Mai finden virtuelle Bürgerkonferenzen für die Stadtteile Vauban und Haslach statt. Was ist geplant? Anja Bochtler sprach mit Marina Leibfried, die das Konzept mitentwickelt hat.

BZ: Sie sind als Co-Moderatorin bei den virtuellen Konferenzen mit dabei – würden Sie auch als Privatperson teilnehmen?
Leibfried: Auf jeden Fall. Ich würde die Möglichkeit nutzen, in dieser besonderen Zeit nochmal ganz anders mit den Menschen in meinem Quartier in Kontakt zu kommen, um zu sehen: Wer wohnt hier? Wie können wir trotz unserer zurzeit so eingeschränkten Lebenssituation gemeinsam handeln und einander begegnen? Was können wir tun, um uns gegenseitig zu unterstützen – als Einzelne, aber auch bezogen auf die Geschäfte oder Unternehmen in unserem Quartier? Da gibt es oft noch keine Antworten, wir wollen zusammen Möglichkeiten und Ideen sammeln. Ich finde es wichtig, dass wir diese Zeit jetzt nicht nur absitzen, sondern sie aktiv gestalten und ins Handeln kommen.

BZ: Viele fühlen sich zurzeit zu ohnmächtig zum Handeln: Manche flüchten sich in Verschwörungstheorien, andere sind besonders isoliert, weil sie alt oder krank und einsam sind. Glauben Sie, dass Sie diejenigen erreichen können, die solche Angebote am dringendsten brauchen?
Leibfried: Darüber haben wir bei der Planung viel diskutiert. Uns ist bewusst, dass die digitale Ebene nicht ohne Hürden ist. Wir haben versucht, es technisch möglichst einfach hinzukriegen. Wir werden in unseren beiden Quartieren auch mit Plakaten und Flyern über unser Projekt informieren, zum Beispiel in Geschäften. Leider können wir uns in Corona-Zeiten eben nicht einfach mit einem Stand auf den Stadtteilmarkt stellen und mit allen ins Gespräch kommen. Weil das zurzeit nicht geht, haben wir die virtuellen Bürgerkonferenzen entwickelt. Ende Juni wird auch noch eine digitale Jugendkonferenz stattfinden, die eigentlich als realer Jugendkonvent im Herbst geplant war und nun umgestaltet wurde. Dafür suchen wir noch junge Menschen zwischen 14 und 24 Jahren, die mitplanen wollen.

BZ: Die Stadtteile, mit denen alles startet, sind Haslach und Vauban. Warum?
Leibfried: Wir wollten zwei möglichst unterschiedliche Viertel wählen, um das neue Format zu testen. Dadurch sind wir auf Haslach und Vauban gekommen. Wir würden die Konferenzen aber gern in vielen anderen Stadtteilen fortsetzen.

Marina Leibfried (30 Jahre) ist freiberufliche Moderatorin und Mediatorin. Beim Verein "Allianz für werteorientierte Demokratie" arbeitet sie überwiegend ehrenamtlich mit. Sie wohnt in Haslach.