Daimler-Vorstandschef

Dieter Zetsche übergibt das Ruder an seinen Nachfolger Ola Källenius

dpa

Von dpa

Mi, 22. Mai 2019 um 21:03 Uhr

Wirtschaft

Nach mehr als 13 Jahren an der Spitze ist für Zetsche Schluss. Daimler stellt mit dem Schweden Ola Källenius seine Weichen neu.

Unter Führung des 49 Jahre alten Schweden Ola Källenius geht der Stuttgarter Autobauer nun in das "Projekt Zukunft", einen umfassenden Konzernumbau, der Daimler in der sich wandelnden Branche schneller und flexibler machen soll. Zum Abschied betonte Zetsche noch einmal die Notwendigkeit eines strikten Sparkurses. "Alles steht auf dem Prüfstand", sagte der 66-Jährige vor den Aktionären.

Zetsche hatte schon im Februar Gegenmaßnahmen angekündigt, nachdem der Konzern für 2018 einen herben Gewinneinbruch gemeldet hatte. Wie die genau aussehen werden, erläuterte er auch am Mittwoch nicht. Nur so viel: Im gesamten Unternehmen müssten Kosten sinken und die Effizienz steigen. Details wird Källenius irgendwann vorlegen müssen, der bislang Entwicklungschef bei Daimler war.

Die weltweiten Handelskonflikte, teure Diesel-Rückrufe und Probleme bei der Umstellung auf den neuen Abgasteststandard WLTP hatten 2018 dafür gesorgt, dass Daimler mehr als ein Viertel seines Gewinns einbüßte. Allein das Diesel-Thema habe 2018 einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag gekostet, sagte der ebenfalls scheidende Finanzchef Bodo Uebber. Am Ende waren unter dem Strich zwar immer noch fast 7,6 Milliarden Euro geblieben. An den langfristigen Zielen des Konzerns bemessen, ist das aber zu wenig. Auch der Start ins Jahr 2019 verlief eher schleppend. "Das hatten wir erwartet, aber das macht es nicht besser", räumte Zetsche ein.

Daimler investiert derzeit Milliarden in die Elektromobilität. Das erste reine E-Modell ist gerade auf den Markt gekommen, bis 2022 soll jeder Mercedes zumindest teilweise auch mit Strom fahren. Bis 2040 will Daimler die gesamte Neuwagen-Flotte CO2-neutral machen. Dazu kommen ganz neue digitale Geschäftsfelder. "Die neuen, zusätzlichen Technologien im Auto haben ihren Preis", sagte Zetsche. Die Fahrzeuge für die Kunden nicht unerschwinglich werden zu lassen, sei nun die große Aufgabe.

Ein Baustein dafür: Das "Projekt Zukunft", mit dem der Konzern in den kommenden Monaten in drei rechtlich selbstständige Einheiten unter dem Dach der Daimler AG aufgeteilt werden soll – die Zustimmung der Aktionäre vorausgesetzt. In einer wird das Geschäft mit Autos und Vans gebündelt, eine kümmert sich um Lastwagen und Busse und eine um Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Einmalig bis zu 700 Millionen Euro kostet dieser Umbau, laufende Kosten in den kommenden Jahren noch nicht mitgerechnet. Dafür sollen die einzelnen Sparten-AGs künftig beweglicher sein, zum Beispiel um schneller und einfacher mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten zu können. "Wir müssen nicht alles allein machen", betonte Zetsche am Mittwoch noch einmal.

Daimler hatte in den vergangenen Monaten bereits zwei große neue Allianzen verkündet: Mit Großinvestor Geely aus China arbeitet man künftig bei der kriselnden Kleinwagenmarke Smart zusammen, mit BMW bei der Entwicklung autonom fahrender Autos. Ihre Mobilitätsdienste haben die beiden Rivalen auch schon zusammengelegt.