Hohberg-Hofweier

Ein Großer des Ortenauer Handballs lebt nicht mehr

Wolfram Köhli

Von Wolfram Köhli

Do, 21. Mai 2020 um 19:24 Uhr

Hohberg

Dietmar Isen ist im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Er war maßgeblich am Erfolg des TuS Hofweier beteiligt.

Dem Menschen Dietmar Isen konnte sich keiner entziehen – zumindest nicht, wenn er mit Handball etwas zu tun hatte. Am vergangenen Montag erlag der Hofweierer im Alter von 74 Jahren einer langen schweren Krankheit.

Es liegt in der Natur des traurigen Ereignisses, dass unheimlich viele Menschen aus Südbaden betroffen sind. Dabei müssten sie froh sein, etwas von der Begeisterung von "Didi" miterlebt zu haben. Vielleicht hatte sie sein positiver Virus gar angesteckt. Handball in Hofweier, Bundesliga Handball in der Ortenau und der umtriebige Abteilungsleiter des TuS Hofweier waren ein Synonym. Wer nicht wusste, dass der meinungsstarke Dietmar Isen den Lebensunterhalt seiner Familie im Straßenbauamt verdiente, war schon in der ersten Hochzeit des Ortenauer Handballs der Meinung, ihm stehe der erste hauptamtliche Handballfunktionär der Republik gegenüber.

Nach einer Verletzung musste er die Karriere beenden

Von 1974 an war er Abteilungsleiter des TuS, zwei Jahre nachdem eine Verletzung seine aktive Zeit nach 30 Jahren beendet hatte. Der ehemalige Turner hatte aber am Bälle werfen seine Passion gefunden. Ehefrau Margit konnte davon ein Lied singen. Dietmar Isen wusste immer, was er an ihr hatte – auch wenn sie gerade am Telefon stöhnte: "Didi, für dich."

"Eigentlich hätte sie einen Orden verdient", erzählte der Mann einmal, der einem lebenden Archiv des Handballs zu gleichen schien, "sie musste so oft hintenanstehen. Selbst die Familienplanung haben wir dem Handball untergeordnet." Tochter Nina wurde 1984 geboren, da hatte er seine Ämter niedergelegt.

Tagsüber Beruf, abends Halle, am Wochenende Bus

Die Jahre zuvor waren an Intensität kaum zu überbieten. Tagsüber Beruf, abends Sporthalle und am Wochenende Busfahrten mit der Mannschaft quer durch Deutschland. Dietmar Isen war immer ansprechbar. Der Preis des sportlichen Erfolgs war für ihn hoch.

Dafür führte er das einzige Dorf ohne Fußballverein an die deutsche Spitze im Handball. 1979 wurde der TuS Hofweier deutscher Vizemeister. Simon Schobel, Arno Ehret, Arnulf Meffle und Armin Emrich sind die bekanntesten Protagonisten jener Zeit, Hansjörg Schatz, Gerhard Gaiser, Gerd Leibiger, Rainer Bauert und all die anderen aus der Region stehen für die feinfühlige Menschenführung eines Dietmar Isen.

Die menschliche Note war ihm immer wichtig

Als Mädchen für alles wurde er oft tituliert − er hatte für alle und alles ein offenes Ohr, auch für Kritik. Bei all seinem professionellen Handeln blieb ihm eines wichtig: die menschliche Note und der Wert von Beziehungen, die die sportliche Bedeutung weit übertrafen. So war es kein Zufall, dass "Didi" der Motor der Traditionsmannschaft des TuS und derer regelmäßigen Spiele und Treffen war. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte er nach eigenem Bekunden "sein letztes großes Fest organisiert." 40 Jahre nach dem Gewinn der Vizemeisterschaft versammelte er im "Rössle" in Hofweier die Männer von einst um sich.

1982 stimmt die Chemie im Vorstand des TuS nicht mehr. Isen trat zurück, war aber wieder da, als der TuS Hofweier 1989 nach der Insolvenz von der Handballbühne abtreten musste.

Später wirkte er mehr im Hintergrund

Der Handball in Hofweier sollte eine Zukunft haben und so brachte er sich quasi als Geburtshelfer ein, als der HGW Hofweier gegründet wurde. Er suchte nicht mehr die große Öffentlichkeit. Dietmar Isen wirkte fast im Verborgenen: Führte den Förderkreis des Südbadischen Handballs, schob die Gründung des TC GW Hofweier mit an und engagierte sich im Weißen Ring für die Opferhilfe. An seine große Passion, den TuS, kam aber nichts heran.