Blick ins Nachbarland

Corona in der Schweiz: Ein Land verdrängt das Sterben

Cedric Rehman und dpa

Von Cedric Rehman & dpa

Di, 15. Dezember 2020 um 18:44 Uhr

Schweiz

BZ-Plus Die Zahl der Corona-Toten ist in der Schweiz höher als in den meisten Ländern Europas. Doch das Land sorgt sich um Wirtschaft und Tourismus – und scheut harte Maßnahmen.

Gabriela Fankhauser erinnert sich an den Tag, als der Tod ins Heim kam. Anfang November war der Herbst noch golden in Nidau im Kanton Bern. Beim Mittagessen in der Senioreneinrichtung Ruferheim fing eine Frau an zu husten. Die zweite Welle der Pandemie in der Schweiz türmte sich zu dieser Zeit bereits bedrohlich mit täglich steigenden Infektionszahlen in die Höhe.
Sie brach sich zuerst Ende Oktober über der französischsprachigen Westschweiz. Die Kliniken in Genf meldeten überfüllte Intensivstationen. Leichen wurden im Genfer Universitätsspital gelagert. Es gab in der Stadt keinen Platz mehr in den Kühlräumen der Bestatter. Die Genfer Kantonsregierung ordnete die Schließung aller Geschäfte abgesehen von Supermärkten oder Apotheken an. Die Deutschschweizer in Nidau und anderswo östlich des sogenannten Röstigrabens zwischen den verschiedensprachigen Landesteilen genossen da noch die milden Herbstabende bis 23 Uhr in Restaurants oder Bars. Als seien sie sicher vor der im Westen der Schweiz tobenden Flut.
Neun Bewohner im Ruferheim sind gestorben
Der einen erkrankten Bewohnerin folgten im Ruferheim bald weitere. Das Ruferheim mit seinen 108 Pflegeheimbetten versuchte die Krankheit zu stoppen, indem es seine Bewohner in den Wohngruppen isolierte. Das Virus zeigte sich unbeeindruckt. Es sprang von Stockwerk zu Stockwerk und von Wohngruppe zu Wohngruppe. Aus verschiedenen Flammen wurde schließlich ein einziger Virusbrandherd. Inzwischen sind neun Bewohner verstorben.
Fankhauser macht es nachdenklich, dass der Erreger ihr Heim heimsuchen konnte, obwohl sie das Schutzkonzept der Einrichtung auch im Rückblick als "bombastisch" bewertet. Schutzmaterial sei in großen Mengen angeschafft worden, versichert sie. Die 40-jährige Pflegekraft quält an ihren freien Tagen das schlechte Gewissen. Sie fühlt sich hin- und hergerissen zwischen der Notwendigkeit, sich zu ...

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