Ein Verein, der nicht nur im Ring zu punkten weiß

Kathrin Ganter

Von Kathrin Ganter

Fr, 13. Dezember 2019

Basel

Der Boxclub Basel hat sich schon früh der Gleichberechtigung verschrieben und vereint bei seinen Events Sport und Kultur.

Es muss wohl dieser vermaledeite Vorführeffekt sein: "Heute sind es nicht ganz so viele", sagt Angelo Gallina fast schon entschuldigend. 30 bis 40 Frauen wärmen sich in der Turnhalle der Kaserne in Basel auf. Manchmal sind es an die 60 Frauen, die beim reinen Frauenboxtraining montags mitmachen. Viele von ihnen nehmen an den anderen Wochentagen an den gemischten Trainings teil.

Der Boxclub Basel hat rund 400 Mitglieder. 80 Prozent davon sind unter 25 Jahre alt, sagt Präsident und Cheftrainer Angelo Gallina. 35 Prozent sind Frauen. Fitnessboxen liegt im Trend, viele Studios bieten es an. Dennoch ist der Anteil im Boxclub Basel ungewöhnlich hoch. "Das erste offizielle Frauenboxtraining fand bei uns schon 1992 statt, einzelne trainierten früher bereits mit den Herren gemeinsam." Frauen und Männer trainieren gleichberechtigt. "Wer das nicht akzeptieren will, muss woanders trainieren." Gleichberechtigung zu fördern, ist ihm wichtig. "Wir haben vier Trainerinnen, die Hälfte des Vorstands ist weiblich. Es braucht eine Kultur und die Bereitschaft dazu, Gleichberechtigung zu etablieren."

Was den Club zudem, nach eigenen Angaben sogar weltweit einzigartig macht, ist die Verbindung von Boxen und Kultur: Boxeo wurde 2001 von Kulturschaffenden und Boxfreunden ins Leben gerufen. An den Abenden gibt es einen sportlichen Teil und einen kulturellen Teil, sie finden in besonderen Locations statt. Im Oktober war der Boxring im Museum Tinguely aufgebaut, die Sopranistin Eleonora Wojnar sang Chopin. Am Samstag wird in der Markthalle gekämpft, anschließend laufen Afrobeats (siehe Info). Auch die Afrika-Ausgabe ist kein Zufall: Der Boxclub Basel unterstützt soziale Projekte, zum Beispiel in Nigeria.

"Viele kommen zu uns mit dem Wunsch, Boxen ausprobiert zu haben", sagt Gallina. Für die meisten zählt der Fitnessfaktor, 90 Prozent trainieren nur. Nur der Rest geht ins Sparring, nur ein Prozent tritt bei Wettkämpfen an. Ab sechs Jahren können Kinder mittrainieren, der älteste Herr ist 67, die älteste Dame 70 Jahre alt.

Angelo Gallina hat den Club 2012 übernommen, als diese kurz vor dem Konkurs stand. Seitdem geht es aufwärts, finanziell wie sportlich. Dem Präsidenten ist es wichtig, kein kommerzieller Club zu werden: Jugendliche zahlen im Jahr 300 Franken, Erwachsene 600, und können dafür bis zu zwölfmal monatlich trainieren. Gallina würde sich dafür mehr Unterstützung von kantonaler oder staatlicher Seite wünschen: : "Dem Sport fehlt die Unterstützung. Alles sehen die Vorzüge des Sports, aber das Geld bleibt aus."